# taz.de -- Viele Dächer ohne Photovoltaikanlagen: Sonne scheint in Hamburg ungenutzt
       
       > Hamburg könnte zwei Drittel der jährlichen Stromnachfrage mit eigener
       > Solarenergie decken. Aber die Stadt wird ihrer Vorbildfunktion nicht
       > gerecht.
       
 (IMG) Bild: Viel Potenzial: Auch in der Hafencity sind Solaranlagen die Ausnahme
       
       Auf den öffentlichen Dachflächen Hamburgs gibt es bisher kaum
       Photovoltaikanlagen. Wie eine parlamentarische Anfrage der CDU ans Licht
       gebracht hat, gilt das sowohl für die Verwaltungsgebäude als auch für die
       der städtischen Unternehmen, einschließlich des kommunalen
       Wohnungsunternehmens Saga. Auf Anregung der CDU will die rot-grüne
       Koalition jetzt den Ausbau beschleunigen und prüfen, ob ein Teil der
       Anlagen von privaten Akteuren gebaut werden könnte.
       
       Dass sich auf den öffentlichen Dächern der Stadt in puncto Sonnenenergie
       bisher so wenig getan hat, steht in starkem Kontrast zu den ehrgeizigen
       Klimazielen der Stadt. Bis 2030 soll Hamburgs CO₂-Ausstoß um 70 Prozent
       sinken, bezogen auf 1990; bis 2040 soll die Stadt klimaneutral werden. Das
       ursprüngliche Ziel 2045 ist [1][unlängst per Volksentscheid um fünf Jahre
       vorgezogen] worden.
       
       Stand jetzt tragen allerdings nur drei Prozent der städtischen Gebäude eine
       Solaranlage. Bis 2030 will der Senat 80 Prozent der geeigneten öffentlichen
       Dächer mit PV-Anlagen ausstatten mit einer Spitzenleistung zwischen 500 und
       800 Megawatt. Zurzeit sind es magere 11 Megawatt, wobei die Umweltbehörde
       darauf hinweist, dass die installierte Leistung binnen eines Jahres um fast
       die Hälfte gesteigert worden sei.
       
       Die starke Steigerung, auf die der Senat hinweise, verschleiere nur die
       unzureichende absolute Entwicklung, kritisiert die CDU-Fraktion. „Der reale
       Fortschritt bleibt minimal.“ Beim aktuellen Zubautempo werde die Stadt
       Jahrzehnte brauchen, um ihre Ziele zu erreichen.
       
       ## Hamburgs träges Wohnungsunternehmen
       
       Bei der ebenfalls städtischen Saga mit ihren 140.000 Wohnungen sieht es
       noch schlechter aus: Weniger als ein Prozent ihrer 6.000 Häuser ist mit
       PV-Anlagen ausgestattet. Nach Angaben des Senats ist die Photovoltaik eine
       von vier Säulen der Saga-Klimaschutzstrategie – neben der klimaneutralen
       Wärmeversorgung, der energetischen Sanierung und dem Energiemanagement.
       
       Auf die Trägheit der Saga wies Die Linke am Beispiel des Hamburger Bezirks
       Eimsbüttel hin. Die Bezirksversammlung hatte sich 2020 eine Liste mit den
       Saga-Gebäuden erstellen lassen, für die eine PV-Anlage infrage käme. Auf
       keinem dieser Gebäude wurde seither eine Solaranlage errichtet, wie eine
       Anfrage der Bezirksfraktion ergab.
       
       „Das ist inmitten der Klimakrise ein Versagen auf ganzer Linie“,
       kommentierte Mickey Kleiner, Vorsitzender der Linksfraktion in Eimsbüttel.
       Gerade ein kommunales Wohnungsunternehmen müsse Vorreiter sein: für
       bezahlbare fossilfreie Energie, für echten Mieterstrom und für eine
       sozial-ökologische Energiewende.
       
       Die Saga teilte der Linken mit, sie prüfe bei jeder Baumaßnahme, die das
       Dach betrifft, ob es „technisch und wirtschaftlich möglich“ sei, eine
       PV-Anlage zu errichten. Diese Prüfung sei 2026 „aktuell noch in
       Bearbeitung“. Vordringlich installiere die Saga [2][Solaranlagen im Zuge
       von Dacherneuerungen – was in Hamburg seit 2024 für alle Bauherren ohnehin
       Pflicht ist]. Zudem nütze sie Synergieeffekte, wenn etwa an dem Gebäude
       wegen Fassadenarbeiten ein Gerüst errichtet werde.
       
       ## CDU will dem Umbau Beine machen
       
       Um dem Ausbau Beine zu machen, forderte die CDU, alle geeigneten
       Dachflächen öffentlicher Gebäude und städtischer Tochtergesellschaften
       systematisch zu erfassen und zu priorisieren. Die bisherige Ausbaustrategie
       solle kritisch evaluiert und ein „wettbewerbliches Ausschreibungsmodell für
       die Nutzung der Dachflächen“ eingeführt werden.
       
       Dem sind am Mittwoch im Grundsatz auch die Mehrheitsfraktionen SPD und
       Grüne gefolgt. Das städtische Unternehmen HEnW-KommunalEnergie (HKE), das
       Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden plant und betreibt, mache zwar schon
       einen guten Job, findet die Grünen-Abgeordnete Melanie Nerlich. Um 80
       Prozent in 2030 zu erreichen, müsse die Koalition „in den kommenden vier
       Jahren aber noch eine Schippe drauflegen“.
       
       Auch SPD und Grüne plädieren deshalb für eine „zentrale Planung und
       Priorisierung der Solarbebauung“. Das, was die HKE dabei nicht abarbeiten
       könne, solle an private Akteure wie [3][Bürgerenergiegenossenschaften]
       weitergegeben werden. „Dabei profitieren die öffentlichen Einrichtungen ab
       dem ersten Tag der Inbetriebnahme von günstigerem Strom vom eigenen Dach“,
       erklärte der SPD-Abgeordnete Alexander Mohrenberg.
       
       Der klimapolitische Sprecher [4][der CDU-Fraktion, Sandro Kappe,] sieht
       sich bestätigt: „Dass SPD und Grüne nun endlich unseren Ansatz übernehmen,
       ist überfällig.“ Jahrelang habe der Senat diesen Weg abgelehnt und dabei
       wertvolle Zeit verloren.
       
       [5][Hans Schäfers, Mitglied im Klimabeirat des Senats, findet], Hamburg
       verschenke sein Potenzial. „Wir ziehen als Stadt noch nicht den Nutzen aus
       den Möglichkeiten, die uns die Energiewende verschafft“, sagt der Professor
       für intelligente Energiesysteme und Energieeffizienz an der HAW Hamburg.
       Photovoltaik brauche Fläche – und die habe die Stadt.
       
       Eine [6][Potenzialstudie im Auftrag des Clusters Erneuerbare Energien
       Hamburg] hatte vor drei Jahren ergeben, dass die Stadt zwei Drittel ihrer
       jährlichen Stromnachfrage mit eigener Solarenergie decken könnte – und zwar
       auf acht Prozent des Staatsgebiets mit einer [7][installierten
       Spitzenleistung von 9,4 Gigawatt]. Der Senat strebt bis 2030 maximal 0,8
       Gigawatt an.
       
       26 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Volksentscheid-in-Hamburg/!6116890
 (DIR) [2] /Probleme-bei-der-Energiewende/!5983151
 (DIR) [3] https://netzwerk-energiewende-jetzt.de/genossenschaften/energiegenossenschaften-finden/hamburg
 (DIR) [4] /Umweltbehoerde-kennt-Baumbestand-nicht/!6019396
 (DIR) [5] /Klimaforscher-ueber-Zukunftsentsentscheid/!6109319
 (DIR) [6] /Energieversorgung-der-Zukunft/!5923357
 (DIR) [7] https://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/files/eehh-website/upload/eehh/over_all/downloads/2023/03/EEHH-Solarpotenzialstudie.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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