# taz.de -- Urteil zur Ewigkeitschemikalie: Schuldiger für verseuchtes Trinkwasser gefunden
> Das Landgericht Baden-Baden sieht es als erwiesen an, dass ein
> Komposthersteller aus Bühl verbotene Substanzen beigemischt hat.
(IMG) Bild: Trinkwasser muss in einigen badischen Gemeinden aufwändig gefiltert werden, bevor es aus dem Hahn kommen darf
War's das? Chemisch natürlich nicht: Rund 700 Hektar Ackerfläche – 65
Hektar bewirtschaftet ein deutscher Durchschnittsbauernhof – sind in
Mittelbaden durch die Verschmutzung mit per- und polyfluorierten
Alkylsubstanzen unbrauchbar gemacht, und diese PFAS oder eben
[1][Ewigkeitschemikalien] belasten auch das Wasser, das ist jetzt so und
bleibt auch so und geht nicht wieder weg.
Auch juristisch ist ein Grundurteil bloß Etappe. Aber mit seinem
Grundurteil hat das Landgericht Baden-Baden am Montag festgestellt: Ja, es
hält für erwiesen, dass der Komposthersteller mit dem schönen Namen
Umweltpartner Vogel Verursacher der Kontamination weiter Teile Mittelbadens
ist, Deutschlands gegenwärtig größtem Umweltskandal. Die Schadstoffe
beeinträchtigen das Grundwasser mehrerer Kommunen.
Rastatt ist mit 50.000 Einwohnern die größte von ihnen. Die dortigen
Stadtwerke haben laut Gericht Anspruch auf Schadenersatz von Vogel, der
sich selbst als ökologisch orientiert versteht. Die Höhe ist noch
auszuhandeln. Es geht um die Kosten der Sanierungsmaßnahmen, was bedeutet:
Fürs Unternehmen aus Bühl wird es das wohl gewesen sein.
Das ist leicht auszurechnen: Anfangs standen nur um die 6,5 Millionen Euro
im Raum, weil das 2019 bei Einreichung der Klage der Investitionssumme der
Stadtwerke entsprach. Mittlerweile aber haben sie Rastatts gesamte
Wasserversorgung mit Aktivkohlefilteranlagen ausgestattet und ein
Wasserwerk ersetzt, Kostenpunkt: 27 Millionen Euro.
## Gartenbaufreudige Gegend
Die Vogel AG, 18 Mitarbeiter*innen, 100.000 Euro Grundkapital, gehört Franz
Vogel, der leider die taz nicht zurückruft. Die Firma verfügt über
Anlagevermögen im Wert von etwa 2,5 Millionen Euro. Zwar verkaufen sich
ihre Komposte und Humusprodukte in dieser gartenbaufreudigen Gegend mit
sandigen Böden gut, aber ausweislich der Geschäftsberichte kann das nicht
reichen.
Vogel wird also bis zum letzten Cent alles in die gerichtlichen
Aufarbeitungen der Affäre stecken müssen. Am Ende könnte er pleite sein
[2][und die Stadtwerke Rastatt könnte doch den Trinkwasserpreis erhöhen.]
Als Herkunft der PFAS gilt Papierschlamm, ein Abfallprodukt der
Papierherstellung aus Altpapier. Der soll ab 2005 dem Kompost illegal
beigemischt worden sein: In dem Jahr [3][trat eine neue Verordnung in
Kraft], die verbietet, [4][Papierschlamm] auf Deponien zu entsorgen. Die
Papierindustrie an der Murg brauchte daher neue Lösungen für ihren
Sondermüll. Vogel soll sie von dem Schmodder erlöst und ihn verbotenerweise
ins Substrat eingearbeitet haben. Das hat 2008 das Regierungspräsidium
Stuttgart festgestellt und die Praxis untersagt.
Der Kompostierer hatte diesen Bescheid damals nicht angefochten. Seither
gilt er als wahr, und ist auch 2012 noch wahr gewesen, als die PFAS in
Rastatts Wasser entdeckt wurden. Praktisch: Damit stand ein Schuldiger ja
schon parat.
Vogel behauptet inzwischen, nur zulässige Weißpapierfaserreste in den
Kompost gemischt zu haben, also unbedenkliche Zellulose. Und die
Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) bestätigt das auf taz-Nachfrage:
Vogels Produkte seien im fraglichen Zeitraum mindestens viermal jährlich
durch externe Labore untersucht worden. „Für den mit Gütezeichen
ausgewiesenen Kompost“ seien „nur zulässige Einsatzstoffe verwendet“
worden, fasst die BGK die Ergebnisse zusammen.
Auch bei der Untersuchung auf PFAS, die der Verband 2007 eingeführt hatte,
blieb Vogels Betrieb unauffällig. Bloß muss er jetzt beweisen, woher das
Gift seinerzeit sonst gekommen sein soll – [5][und warum die Felder seiner
Kund*innen belastet sind, die daneben aber nicht.]
17 Apr 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Benno Schirrmeister
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