# taz.de -- Bündnis Sahra Wagenknecht: BSW-Mitgründerin verlässt Partei mit großem Knall
       
       > Die Ex-Bundestagsabgeordnete Żaklin Nastić bricht mit der
       > Wagenknecht-Partei – und teilt gegen die BSW-Chefin aus. In der
       > Parteispitze ist man irritiert.
       
 (IMG) Bild: Hardlinerin: BSW-Mitgründerin Żaklin Nastić
       
       Zum Abschied hat es Żaklin Nastić noch einmal krachen lassen. Die ehemalige
       Bundestagsabgeordnete und Mitgründerin des BSW trat am Dienstag aus der
       Wagenknecht-Partei aus. Den verbalen Rundumschlag gegen ihre nun gewesenen
       Parteikolleg:innen gab es kostenlos dazu. Die Rede ist von
       parteiinterner „Katzbuckelei“, von „Verrat“, von „Kadavergehorsam“, von
       „postengierigen Mitläufern“, vor allem aber: von einem „Hofstaat“, der sich
       um die BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali gebildet habe.
       
       Mohamed Ali sei eine „grandiose Strippenzieherin“, die sich über das System
       der restriktiven Mitgliederaufnahme „einen Großteil des Parteiapparats“
       gefügig gemacht habe, wütet Nastić, bis Dienstag Beisitzerin im
       Bundesvorstand. Mohamed Ali, so Nastić weiter, habe ansonsten nichts
       vorzuweisen. Im Gegenteil: Die Ex-Kollegin stehe wie keine andere
       BSW-Führungskraft „für [1][katastrophale Wahlergebnisse], schlechte
       Ausstrahlung und miserable Außenwirkung in den sozialen Medien“. Sie,
       Nastić, Mitglied der ersten Stunde, sei jedenfalls fertig mit dem Laden und
       dieser Vorsitzenden.
       
       Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es am Mittwoch aus der
       Parteispitze. „Da müssen wir mit umgehen, aber wir respektieren den Schritt
       von Frau Nastić selbstverständlich“, sagt BSW-Generalsekretär Oliver
       Ruhnert zur taz. Zum aggressiven Ton des Austrittschreibens fügt er
       gleichwohl hinzu: „Heute muss offenbar jeder, der bestimmte Dinge anders
       sieht, das besonders groß mitteilen.“
       
       Der Hofstaatvorwurf sei dabei komplett haltlos. Er selbst sei das beste
       Beispiel dafür. „Bevor ich im Dezember Generalsekretär wurde, sind Frau Ali
       und ich uns wenig bis gar nicht über den Weg gelaufen.“ Wie der gesamte
       Bundesvorstand sei auch er „auf demokratische Weise“ von den
       [2][Delegierten des Parteitags vor gut vier Monaten gewählt worden]. „Das
       hat doch mit einem Hofstaat nichts zu tun“, so der ehemalige Manager des
       Fußballerstligisten 1. FC Union Berlin.
       
       ## Frieden mit Russland ist Frieden mit der AfD
       
       Mindestens irritiert zeigt sich Ruhnert auch über einen anderen Punkt in
       Nastićs vergifteten Abschiedsgruß. So beklagt sich die Spitzenkandidatin
       des BSW Hamburg für die Bundestagswahl 2025 mit Blick auf Mohamed Alis
       „Lizenz zur Einlasskontrolle“, dass „vielen erfahrenen Antiimperialisten,
       die für punktuelle und pragmatische Zusammenarbeit mit Friedensbewegten in
       der AfD geworben hatten“, der Parteizutritt verwehrt worden sei.
       
       Beim Thema „Frieden mit Russland“ gilt die einstige Linken-Politikerin
       Nastić sogar [3][für BSW-Verhältnisse als ausgesprochene Hardlinerin]. Die
       46-Jährige sucht den großen Schulterschluss mit allen, die der von Russland
       überfallenen Ukraine den baldigen Untergang an den Hals wünschen – und
       sieht die Friedensfreunde daher auch Seit’ an Seit’ mit AfD-Bundeschef Tino
       Chrupalla. Anders als die BSW-Spitze habe Chrupalla immerhin den „Mut“, den
       Abzug der US-Truppen aus Deutschland zu fordern, echauffiert sich die
       ehemalige Lebensgefährtin des mindestens ebenso querfrontigen Ex-Linken
       Diether Dehm.
       
       Noch wilder wird es, wenn Nastić gegen die beendete beziehungsweise noch
       aktuelle Regierungsbeteiligung der Wagenknecht-Partei in Brandenburg und
       Thüringen schießt. Diese Koalitionen „mit den extremistischen Aufrüstern in
       SPD und CDU“ habe die BSW-Spitze allein deshalb forciert, um den Medien zu
       gefallen, „wohingegen mit der doch eher gemäßigten AfD nicht einmal
       verhandelt wurde“, so das Verdikt von Nastić.
       
       „Das Thema Thüringen hat mich sehr verwundert“, sagt Generalsekretär Oliver
       Ruhnert. Ausgerechnet den Landesverband von Björn Höcke als „eher gemäßigt“
       zu bezeichnen und mit diesem „auch nur annähernd über Koalitionen
       nachzudenken“, sei „total absurd“. Ruhnert unterstütze es, dass die
       Thüringer Parteikolleg:innen derartige Überlegungen ablehnen. Generell
       wolle er aber auch noch einmal deutlich machen, dass das BSW auch
       andernorts keine Koalitionen mit der AfD eingehen werde. „Wir haben zwar
       immer klar gesagt, dass wir die Brandmauer für falsch halten, werden uns
       aber sicher nicht der AfD andienen.“
       
       BSW-intern wird bereits gelästert, Żaklin Nastić werde wohl demnächst bei
       der extremen Rechten eine neue politische Heimat suchen und finden. Am
       Mittwochabend meldete sich die Ex-BSWlerin – Mitgliedsnummer 11 – in den
       sozialen Medien erneut zu Wort, um ihren Followern mitzuteilen: „Und nein,
       ich habe nicht vor, in die AfD einzutreten.“
       
       1 Apr 2026
       
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