# taz.de -- Generation Deutschland in Hessen: AfD-Nachwuchs im Lesekreis der „Identitären Bewegung“
> Eigentlich sollte sich die neugegründete AfD-Jugend mäßigen. Doch ein
> Fall aus Hessen zeigt, dass Unvereinbarkeitsbeschlüsse offenbar wenig
> gelten.
(IMG) Bild: Erst am vergangenen Wochenende wurde der Landesverband Hessen der AfD-Jugend neu gegründet
Mit dem Unvereinbarkeitsbeschluss der AfD zur Identitären Bewegung nimmt
man es bei deren Parteijugend „Generation Deutschland“ auch in Hessen
offenbar nicht so genau: Kaum hat sich dort der Landesverband der
AfD-Jugend als letzter der insgesamt 15 Verbände gegründet, sorgt dieser
bereits für Schlagzeilen.
Der neue Schatzmeister der AfD-Jugend Hessen, der AfD-Politiker Thomas
Janeczek, soll Anfang März dieses Jahres an einem Treffen der „Aktion 451“
in Frankfurt teilgenommen haben. Darüber berichtete am Donnerstag zuerst
die [1][Frankfurter Rundschau (FR)] mit Bezug auf einen Bericht des
Recherchekollektivs „Rhein-Main Rechtsaußen“. Ein Foto, das auch der taz
vorliegt, soll Janeczek bei einem Treffen der Gruppe in kleinem Kreis in
einer Gaststätte in Frankfurt am Main zeigen.
Die Aktion 451, benannt nach dem dystopischen Roman „Fahrenheit 451“ von
Ray Bradbury, gilt Expert:innen als Ableger der völkisch-rassistischen
Identitären Bewegung und ist Medienberichten zufolge deren
Tarnorganisation. Im Jahr 2023 trat die Gruppe zunächst im österreichischen
Wien in Erscheinung, nur wenig später auch in deutschen Städten, darunter
etwa Stuttgart, Augsburg und auch Leipzig. Hervorgegangen ist die Gruppe
Berichten zufolge aus einem Lesekreis zum italienischen Faschisten Julius
Evola, der sich selbst einmal als „superfascista“ („Super-Faschist“)
bezeichnete.
[2][Eine Demonstration an der Universität Wien samt Aufritt des
Rechtsextremist Götz Kubitschek] soll dann der „eigentliche Startschuss“
für die Aktion 451 gewesen sein. „Die Fantasie von Fahrenheit 451 ist nun
an der Universität Wirklichkeit geworden“, hieß es damals auf der Website
der Aktion 451. „Kritische Bücher und Gedanken sind verboten.
Einheitsdenken verseucht die Hörsäle. Wir dagegen lesen ohne Scheuklappen.“
## Nicht der erste Kontakt mit der Identitären Bewegung
In Frankfurt am Main trat die Gruppe bei Social Media erstmals Anfang
dieses Jahres in Erscheinung. Auf dem Campus der Uni Frankfurt machten kurz
darauf entspreche Flugblätter die Runde, in denen über vermeintlich „linke
Hochschulen“ geklagt wird.
Der Aktion 45“ geht es um die Erlangung kultureller Hegemonie und die
Normalisierung extrem rechter Ideologie an Universitäten. Das Treffen
Anfang März in Frankfurt bewarb die Gruppe über Social Media als
„Kennenlerntreffen“. Mit Slogans wie „Lies die Bücher, die sie verbieten
wollen“, wirbt die extrem rechte Gruppe auch für Lesekreise. Gemeint sind
Bücher vom äußerst rechten Rand, von rechtsextremen
Ideologieproduzent:innen wie Martin Sellner und Ellen Kositza – und
von Autoren, die man der sogenannten „Konservativen Revolution“ zurechnet.
Janeczek selbst ist der selbsternannten Identitären Bewegung mutmaßlich
schon länger verbunden. Im Juli 2024 soll er an einem Aufmarsch der
Identitären in Wien teilgenommen haben. Fotos von dem Tag sollen ihn bei
der extrem rechten Demonstration zeigen.
## „Generation Deutschland“ fällt immer wieder negativ auf
Janeczek, der als Schatzmeister auch Teil des Landesvorstands der
AfD-Jugend Hessen ist, ließ mehrere Anfragen der taz zu dem Treffen der
Aktion 451 unbeantwortet. Und auch der frisch gewählte Vorsitzende des
hessischen AfD-Jugend-Landesverbands, Nafiur Rahman, äußerte sich auf
taz-Anfrage bisher nicht zu dem Fall. Gegenüber der Frankfurter Rundschau
teilte Rahman mit, der Landesverband habe sich gerade erst gegründet.
Grundsätzlich vertraue man den Vorstandsmitgliedern.
Wie die FR am Donnerstagnachmittag berichtete, will sich die hessische AfD
nun nach Ostern mit dem Fall befassen und „über Konsequenzen beraten“. Man
nehme den Vorgang „sehr ernst“.
An der Personalie Janeczek zeigt sich einmal mehr, dass mit der
Neustrukturierung der AfD-Jugend keine Mäßigung einhergeht. Die
selbsternannte Generation Deutschland sorgt seit ihrer Neugründung in
Gießen Ende vergangenen Jahres immer wieder für Schlagzeilen. So verwendete
etwa Kevin Dorow aus dem Bundesvorstand eine völkische Parole, die später
zum Leitspruch der Hitlerjugend wurde. Zudem zitierte er das Treuelied, das
auch in der SS verwendet wurde. [3][Der AfD reichte das nicht für einen
Parteiausschluss], beantragte nach taz-Informationen lediglich eine
zweijährige Ämtersperre für Dorow.
Und erst kürzlich wurden antisemitische und abwertende Aussagen der
ebenfalls im Bundesvorstand vertretenen Julia Gehrcken durch eine Recherche
von RTL und Stern bekannt, nach der sie unter anderem die Behauptung
bestätigt habe, die Banken in Amerika würden den Juden gehören. Gehrckens
wurde vom niedersächsischen AfD-Landesverband lediglich eine Rüge
ausgesprochen. Gegenüber der Bild räumte Gehrckens, die Teil der
rechtsextremen Frauengruppe „Lukreta“ aus dem Identitären-Spektrum ist,
anschließend Fehler ein und zeigte sich geläutert: „Solch abwertende
Formulierungen dürfen im politischen Raum keinen Platz haben“, zitierte das
Blatt sie.
2 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.fr.de/politik/afd-org26155/die-rechtsextremen-verbindungen-der-afd-jugend-in-hessen-94245743.html
(DIR) [2] /Goetz-Kubitschek-spricht-in-Wien/!5974402
(DIR) [3] /Rauswurf-von-AfD-Rechtsaussen-vertagt/!6159289
## AUTOREN
(DIR) Nicolai Kary
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