# taz.de -- Start der Ostermärsche: Die Friedensbewegung marschiert wieder
       
       > Die Ostermärsche nehmen in diesem Jahr Aufrüstung und Angriffskriege in
       > der Ukraine und im Nahen Osten in den Blick. Bereits am 1. April geht es
       > los.
       
 (IMG) Bild: Ostern wird wieder demonstriert: Der erste Ostermarsch 1969 führte zum Nato-Truppenübungsplatz in Bergen-Hohne
       
       „Hochrüstung und Wehrpflicht, Kriegswirtschaft und Abbau des Sozialstaates,
       ‚Bedrohungslüge‘ und ‚Feindbildpropaganda‘ in vielen Medien. Der
       Abnutzungskrieg in der Ukraine mit immer mehr Toten. Gaza, Libanon,
       [1][Iran]. Die Verfolgung der Kurden in der nordsyrischen Region Rojava“,
       zählt Eckart Stedeler auf und betont: An Gründen und Anlässen, Ostern auf
       die Straße zu gehen, mangele es nun wirklich nicht. Der pensionierte Lehrer
       ist Sprecher des Göttinger Friedensbündnisses, welches für den 4. April zu
       einem Ostermarsch in der Universitätsstadt mobilisiert.
       
       Bundesweit sind nach Angaben des Netzwerks Friedenskooperative in Bonn am
       Osterwochenende in rund 100 Städten Mahnwachen, Kundgebungen und
       Demonstrationen geplant. „Aus allen Winkeln der Erde erreichen uns aktuell
       schreckliche Bilder“, heißt es in einer von dem Netzwerk initiierten
       Zeitungsanzeige, die am Samstag auch in der taz erschienen ist: „Gewaltsame
       Niederschlagungen von friedlichen Protesten, Ermordung von unschuldigen
       Zivilisten und Zivilistinnen, Erstarkung autoritärer Kräfte, zunehmende
       Einschränkungen von Menschenrechten, Drohnen und Bomben, die auf Menschen
       und Gebäude fallen. Es reicht!“
       
       Scharfe Kritik üben viele Ostermarsch-Aufrufe an einer [2][„selektiven
       Auslegung des Völkerrechts“] [3][durch die Bundesregierung]. Der Krieg
       Russlands gegen die Ukraine sei ebenso ein Verstoß gegen das Völkerrecht
       wie die Angriffe der USA und Israels gegen Iran oder der Angriff der USA
       auf Venezuela zu Jahresbeginn. Auch die massive Aufrüstung Deutschlands
       wird von den Ostermarschierenden angeprangert. Das [4][gefährliche
       Wettrüsten] berge [5][ein großes Eskalationspotenzial] und verschlinge
       immense Ressourcen, die dringend für Bereiche wie Klimaschutz, Bildung,
       Soziales und das Gesundheitswesen benötigt würden.
       
       Veranstalter der Ostermärsche sind lokale Bündnisse. Teils machen
       Organisationen aus der „alten“ Friedensbewegung wie die Deutsche
       Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsgegnerinnen (DFG-VK) und Pax
       Christi mit, teils neue Gruppen wie die Schüler:innen gegen Wehrpflicht,
       aber auch Dritte-Welt-Initiativen aus der Palästina- oder
       Kurdistan-Solidarität sowie die Linke und – in wenigen Fällen – [6][das
       umstrittene Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW)] sind dabei. Beim Ostermarsch
       in Saarbrücken wird laut Ankündigung der ehemalige saarländische
       Ministerpräsident Reinhard Klimmt von der SPD eine Rede halten.
       
       Bereits am 1. April geht es los. Für diesen Tag sind Mahnwachen und
       Kundgebungen unter anderem in Bad Hersfeld, Dortmund, Köln, Ulm sowie an
       der Flensburger Dependance des Rüstungskonzerns Rheinmetall angekündigt. Am
       2. April gibt es Ostermärsche etwa in Erfurt, Jena und Königs Wusterhausen.
       
       ## Rekordzulauf in den 1960er und 1980er Jahren
       
       Hauptaktionstag ist der Ostersamstag (4. April). Dann wollen Demonstranten
       beispielsweise in Kassel, Leipzig, Heidelberg, Stuttgart, Bonn, München,
       Bremen und Hannover Flagge zeigen. Auch der traditionelle dreitägige
       Ostermarsch Rhein-Ruhr startet an diesem Tag in Duisburg. Außer in den
       Großstädten sind auch in kleinen Orten wie dem nordhessischen Witzenhausen,
       in Michelstadt im Odenwald oder auf der Nordseeinsel Norderney Aktionen
       geplant.
       
       In der Bundesrepublik führte der [7][erste Ostermarsch 1960] mit rund 1.000
       Teilnehmern zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in der Lüneburger Heide.
       Dort hatte die Nato Raketen stationiert, die auch Atomsprengköpfe aufnehmen
       konnten. Beflügelt auch von den Protesten der Studierenden, hatten die
       Ostermärsche in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre enormen Zulauf. 1967
       beteiligten sich 150.000 Demonstranten an Osteraktionen in mehr als 200
       Städten, ein Jahr später waren es doppelt so viele.
       
       Eine Renaissance erfuhren die Ostermärsche um 1980 mit der Debatte über die
       Aufrüstung der Nato mit atomaren Mittelstreckenwaffen. Zehntausende
       versammelten sich damals an den geplanten Standorten für Cruise Missiles
       und Pershing-II-Raketen. Die Kriege in Jugoslawien und in Irak
       mobilisierten in den 1990er und 2000er Jahren noch einmal zahlreiche
       Menschen. Danach pendelte sich die Zahl der Ostermarschierer – mit
       Ausrutschern nach oben – bei einigen Tausend bis einigen Zehntausend ein.
       
       31 Mar 2026
       
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