# taz.de -- Studie zu Queerfeindlichkeit in Sachsen: Rechte mobilisieren gegen queere Menschen
> Laut einer Umfrage erleben queere Menschen immer stärker Beleidigungen
> bis hin zu Gewalt. Meist von rechten Gruppen, aber auch von PassantInnen.
(IMG) Bild: Auf dem Christopher Street Day in Leipzig
epd | Rechte Queerfeindlichkeit hat sich in Sachsen laut einer aktuellen
Studie mittlerweile verstetigt. Dies zeigt eine Umfrage während der
sächsischen Pride-Saison 2025. Demnach sind bei elf von 17 Veranstaltungen
Teilnehmende mit [1][rechtsextremen Gegenmobilisierungen konfrontiert]
worden. Die Politikwissenschaftlerin und Mitautorin der Studie, Lea
Bellmann, sagte am Montag in Dresden, dies sei mehr als nur ein
Gegenprotest. Die CSD-Bewegung solle eingeschüchtert und verhindert werden.
Es habe zahlreiche Attacken im Umfeld von Christopher-Street-Day-Umzügen
(CSD) und Pride-Events gegeben, sagte Bellmann. Die Dresdner Studie belege
erstmals das Ausmaß der Bedrohungen. Sie basiere auf einem Datensatz von
2.701 Fragebögen, die auf allen sächsischen Pride-Events 2025 erhoben
wurden. Demnach wurden im vergangenen Jahr 755 Fälle von Beleidigung und 55
Fälle körperlicher Gewalt im unmittelbaren Kontext der Veranstaltungen
dokumentiert.
Allein beim CSD Bautzen gab es laut der Analyse 275 Beleidigungen und
Bedrohungen sowie 24 Fälle körperlicher Gewalt. In Sachsen nahmen 2025 fast
42.800 Menschen an Pride-Veranstaltungen teil.
## Pride-Events für demokratische Grundwerte
Das Kulturbüro Sachsen hat die Studie in Zusammenarbeit mit der Agentur für
Aufklärung und Demokratie, der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen und
Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen realisiert. Die Ergebnisse wurden in der
Broschüre „Sichtbarkeit und Sicherheit“ zu Auswirkungen rechtsextremer
Mobilisierungen und Queerfeindlichkeit gegen CSDs und Pride-Events
publiziert.
Der Geschäftsführer des Kulturbüros Sachsen, Michael Nattke, betonte,
[2][die Pride-Veranstaltungen thematisierten demokratische Grundwerte.]
Angriffe auf solche Events seien auch Angriffe auf die Demokratie. Zudem
seien die Demonstrationen gegen die CSDs „eines der wichtigsten
Mobilisierungsthemen der rechten Szene“.
Studien-Mitautor Bastian Stock sagte, während die Versammlungen selbst
wegen des hohen Polizeiaufgebots, privater Sicherheitsdienste und der
zivilgesellschaftlichen Gegenproteste meistens geschützt waren, seien
insbesondere die An- und Abreisewege in öffentlichen Verkehrsmitteln zu
unkontrollierten Angsträumen geworden. Bei den Anreisen zu den CSDs fühlten
sich 30 Prozent der Befragten unsicher, auf dem Rückweg etwa 40 Prozent,
sagte der Politikwissenschaftler.
## Angst vor Übergriffen verhindert Teilnahme
Rund 36 Prozent der befragten Pride-Gäste gaben an, Menschen zu kennen, die
aus Angst vor Übergriffen einem Event fernblieben. Nur 54 Prozent hatten
das Gefühl, in Gefahrensituationen auf die Polizei zählen zu können. Etwa
zehn Prozent waren besorgt, Gewalt durch Polizeikräfte zu erfahren.
Nicht nur Rechtsextreme seien eine Bedrohungsquelle, s[3][ondern auch
Passantinnen und Passanten], sagte Bellmann. Etwa ein Viertel (26 Prozent)
der Beleidigungen und Bedrohungen gingen demnach auf diese zurück. Trotz
der Attacken wollen 97 Prozent der Menschen wieder an Pride-Veranstaltungen
teilnehmen. Die meisten Beteiligten gehen laut Bellmann davon aus,
gemeinsam etwas bewegen zu können. Eine der häufigsten Forderungen für mehr
Sicherheit sei ein konsequenter räumlicher Abstand zwischen
Pride-Veranstaltungen und rechten Gegenveranstaltungen.
31 Mar 2026
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