# taz.de -- WM-Kandidat Neukaledonien: „Warum denn nicht auch wir?“
> Neukaledonien könnte bei der aufgeblasenen Fußball-WM 2026 debütieren.
> Zwei Hürden in den Playoffs muss der zuversichtliche Außenseiter noch
> nehmen.
(IMG) Bild: Starker Behauptungswille: Neukaledoniens Georges Gope-Fenepej schirmt den Ball vor dem Neuseeländer Tyler Bindon ab
Es ist ein buntes Gewusel auf dem weitläufigen Gelände in Aucklands Seymour
Park. Nach und nach tröpfeln Kinder mit schwarzen oder roten Trikots ein.
Nach gut einer Stunde ist die rund 30-köpfige Trainingsgruppe komplett.
„[1][Neuseeländer] sind generell so, da muss man locker bleiben. Das ist
nicht wie in Deutschland oder Europa“, sagt Wynton Rufer grinsend im
Gespräch mit der taz und drückt einem der jungen Kicker einen Apfel in die
Hand.
Aus der Fußballschule, die Werder Bremens einstiger Topstürmer hier im
Süden der neuseeländischen Metropole gegründet hat, sind bereits einige
Nationalspieler:innen hervorgegangen. Der bekannteste von ihnen ist
Chris Wood, der beim Premier-League-Klub Nottingham Forest unter Vertrag
steht. Ein Foto des 34-jährigen Angreifers klebt an der Tür zur
Umkleidekabine, als Ansporn für hoffnungsvolle Talente wie den achtjährigen
Lava aus [2][Tuvalu].
Rufer sagt: „Ich glaube, das wird der erste Fußballprofi aus Tuvalu.“ In
gut einer Dekade kann man die Prognose von Ozeaniens Fußballer des
Jahrhunderts überprüfen. Und gut eine Dekade ist es her, dass Rufer im
pazifischen Raum selbst als Nationaltrainer arbeitete. Nach 18 Monaten war
sein Engagement bei der Auswahl Papua-Neuguineas aber auch schon wieder
beendet.
Die Erinnerungen an diese Zeit sind nicht die besten – der 63-Jährige, der
für die Fifa viel Entwicklungsarbeit auf Südseeinseln wie [3][Fidschi],
[4][Vanuatu], den [5][Salomonen] oder den [6][Cookinseln] geleistet hat,
drückt es so aus: „Die Fußballverbände bekommen dort von der Fifa alles
bezahlt, aber die Leute vor Ort haben leider keine Ahnung.“ So würden
Gelder des Weltverbands oft unsachgemäß verwendet. Auch aufgrund dieses
Wissens sagt Rufer vor den interkontinentalen WM-Playoffs in Mexiko:
„Neukaledonien? Keine Chance.“
Keine Chance auf einen zweiten WM-Teilnehmer aus dem ozeanischen Raum,
neben den längst qualifizierten Neuseeländern. Am 26. März um 21 Uhr
Ortszeit treten die Neukaledonier in Guadalajara gegen Jamaika an. Der
Sieger der Partie spielt fünf Tage später gegen die Demokratische Republik
Kongo um das vorletzte Ticket für das Megaturnier in Nordamerika.
[7][Neukaledonien] ist ein zu Melanesien gehörendes französisches
Überseeterritorium. Seinen Segen, die Mitgliedschaft in der Fifa zu
beantragen, gab der französische Fußballverband erst vor 26 Jahren. Seit
2004 ist die 297.000 Einwohner zählende Inselgruppe nun Fifa-Mitglied, das
Playoff-Halbfinale gegen die Reggae Boyz, WM-Teilnehmer von 1998, ist das
mit Abstand größte Spiel in der Fußballhistorie des Archipels.
Die Außenseiterrolle nehmen „Les Cagous“, nach dem Kagu, einem entengroßen
flugunfähigen, in Neukaledonien endemischen Vogel benannt, dabei gerne an.
Mut macht den Neukaledoniern vor allem das 2:0 vor fünf Monaten gegen
Gibraltar: Der Erfolg war der erste Sieg eines Teams von den pazifischen
Inseln gegen eine europäische Nationalmannschaft, und das auch noch
auswärts.
Trainiert werden „Les Cagous“, von denen die meisten als Amateure in der
zehn Klubs umfassenden nationalen Liga oder bei viert- und fünftklassigen
Klubs in Frankreich spielen, seit August 2022 von Johann Sidaner (48). Vor
dem Engagement in der Südsee hatte der Bretone in seiner Heimatstadt elf
Jahre lang die Nachwuchsteams des FC Nantes betreut.
„Neukaledonier sind sehr fröhliche Menschen, und wir haben ihnen sicherlich
schon etwas zum Feiern gegeben“, sagt Sidaner, dessen Nationalspieler bei
der WM-Gruppenauslosung im Dezember schon mal etwas genauer hingeschaut
haben: Überspringen sie in Mexiko die hohen Hürden Jamaika und
Demokratische Republik Kongo, treffen sie bei der Endrunde auf Portugal,
Kolumbien und WM-Neuling Usbekistan.
„Es ist realistisch – wenn wir daran glauben“, betont Mittelstürmer Germain
Haewegene, einer der beiden Torschützen beim historischen Sieg [8][über
Gibraltar,] der Anfang Januar vom neukaledonischen Rekordmeister AS Magenta
in die neu geschaffene ozeanische Profiliga zu Tahiti United wechselte. Und
Klubkollege Joseph Athale nimmt sich zwei bereits für die WM qualifizierte
Fußballzwerge zum Vorbild. „Ähnlich kleine Nationen wie Curaçao und die
Kapverden haben gezeigt, dass alles möglich ist“, bemüht der frisch vom FC
Lunéville nach Tahiti transferierte Innenverteidiger die „Magie“ des
Fußballs und fragt keck: „Warum denn nicht auch wir?“
25 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neuseeland-auf-dem-Weg-zur-Fussball-WM/!5858008
(DIR) [2] /Klimakrise-bedroht-Tuvalu/!6137796
(DIR) [3] /Gruene-Aussenministerin-in-Fidschi/!6006359
(DIR) [4] /Initiative-von-Inselstaat-Vanuatu/!6049985
(DIR) [5] /Diplomatie-im-Pazifik/!5982981
(DIR) [6] /Wertvolle-Metalle-im-Pazifik-Trueffel-des-Meeres/!6105790
(DIR) [7] /Neukaledonien/!t6012194
(DIR) [8] /EM-Qualifikation-Gibraltar/!5031335
## AUTOREN
(DIR) Andreas Morbach
## TAGS
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Neukaledonien
(DIR) WM-Qualifikation
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Karibik
(DIR) Fußball-WM
(DIR) Fußball-WM
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Irak in der WM-Qualifikation: Arabische Hoffnungen
Irak spielt am Dienstag gegen Bolivien um einen Platz bei der WM. Unter dem
Chaos, das der Irankrieg in die Region bringt, leidet der Fußball.
(DIR) Curaçao bei der Fußball-WM: Winzig und doch groß
Der Inselstaat Curaçao schafft es erstmals zur Fußball-WM dank seiner in
den Niederlanden geborenen Fußballer. Dort wird auch mächtig gefeiert.
(DIR) Talk zur WM-Qualifikation: Der große Kick der kleinen Länder
Es ist kein Größenwahn, dass die Färöer von einem Sieg über Kroatien in der
WM-Quali geträumt hatten. Und Gibraltar von einem Triumph über Tschechien.
(DIR) Fußball-Wunder in Afrika: Auf direktem Wege
Einfach quer über den Ozean: Der afrikanische Außenseiter Kap Verde
qualifiziert sich dank eines guten Scoutings erstmals für eine WM der
Männer.