# taz.de -- Eine gute Nachricht für Kuba: Atempause für die Insel
> Die „Anatoly Kolodkin“ durchbricht als erstes Schiff die US-amerikanische
> Erdölblockade gegen Kuba. Aber dessen marodes Energiesystem braucht mehr.
(IMG) Bild: Beinahe dystopisch erscheint Kuba im März 2026, wo wegen der Energiekrise nicht mal der Müll abgeholt werden kann
Kubanische Hoheitsgewässer hat die [1][„Anatoly Kolodkin“] laut der
Tracking-Plattform [2][VesselFinder] bereits erreicht. Am Dienstagvormittag
soll sie im Hafen von Matanzas festmachen und ihre Ladung von 730.000
Barrel Rohöl der Sorte Ural löschen. Für Kuba ist es der erste Tanker, der
seit Anfang Januar in einem kubanischen Hafen festmacht. Die Lieferung
könnte für eine Atempause sorgen und weniger Stromabschaltungen nötig
machen – wenn es gut läuft.
Gewähr dafür gibt es nicht, denn das kubanische Stromsystem, ausgelegt auf
3,6 Gigawatt Leistung, produziert seit mindestens zehn Monaten selten mehr
als 2 Gigawatt. [3][Folgerichtig wird irgendwo immer abgeschaltet,] aber
die Dauer der „Apagones“, wie die Stromabschaltungen hier genannt werden,
könnte zurückgehen. Das ist eine gute Nachricht für die rund 9,6 Millionen
Menschen auf der Insel, mit der kaum noch zu rechnen war.
Seit dem 3. Januar hatten die USA keine Anstalten gemacht, Erdöllieferungen
nach Kuba passieren zu lassen. Mindestens zwei Kriegsschiffe liegen in
direkter Nähe der Insel, und bereits letzte Woche hatte die mit Treibstoff
beladene „Sea Horse“, die unter der Flagge von Hongkong fährt, abgedreht.
Das gleiche Schicksal drohte auch der „Anatoly Kolodkin“.
Doch die USA scheinen keinen Konflikt mit Russland riskieren zu wollen und
gaben grünes Licht für den russischen Tanker. Er ziehe es vor,
Öllieferungen an Kuba zuzulassen, weil die Bevölkerung des Inselstaats
Energie zum Wärmen und Kühlen brauche, sagte US-Präsident Donald Trump
Journalisten. Der US-Präsident wiederholte zugleich seine Überzeugung, dass
die Führung in Havanna bald stürzen werde. „Innerhalb kurzer Zeit werden
wir werden da sein, um zu helfen“, sagte Trump am Sonntag an Bord der
Präsidentenmaschine „Air Force One“.
## Zweites Schiff wartet
Zu dem zweiten Schiff, der „Sea Horse“, die derzeit vor Venezuela vor Anker
liegt, gab Trump jedoch keine Auskunft. Dessen Ladung dürfte für Havanna
noch wichtiger sein, denn es soll Diesel beziehungsweise ein
Diesel-Vorprodukt geladen haben – und der Treibstoff könnte den Verkehr auf
der Insel wiederbeleben.
Der ist weitgehend zum Erliegen gekommen, Diesel wie Benzin sind
rationiert. Selbst Krankenwagen fahren nur im Notfall und der Transport von
Lebensmitteln in die Städte ist überaus kompliziert. In Havanna sind
derzeit Elektro-Rikschas und Motorroller die wichtigste
Verkehrsalternative, sagt Iván García, kubanischer Korrespondent für den in
Miami erscheinenden Diario Las Amerícas.
## Prekäre Bedingungen
Die Lebensbedingungen auf der Insel sind deshalb prekär, wie auch der
US-Bischof Manuel de Jesús Rodríguez berichtet. Der Geistliche war vor ein
paar Tagen zur Amtseinführung von Bischof Osmany Massó Cuesta im Bistum
Bayamo-Manzanillo ganz im Osten der Insel vor Ort. Er schilderte in einem
[4][offenen Brief auf der Homepage der katholischen Kirche in Florida]
seine Eindrücke. In Kuba sei die Beschaffung von Lebensmitteln heute keine
Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein täglicher Kampf. Gesundheitliche
Folgen wie Unterernährung seien in den Gesichtern der Kinder, in der
Gebrechlichkeit der Älteren, in der stillen Erschöpfung der Eltern zu
sehen, so de Jesús Rodríguez. Obendrein sei die Lage im Gesundheitswesen
alarmierend, die elementarsten Dinge fehlten.
Das deckt sich mit Berichten des christlichen Zentrums für Reflexion und
Dialog in Cárdenas. „Im Krankenhaus von Cárdenas fehlt es an allem.
Medikamente, Nähmaterial, Narkose-Bedarf, selbst Einwegspritzen sind nicht
vorhanden“, so Rita García, Direktorin der Einrichtung. Sie betreut mit
ihrem Team alleinstehende Senior:innen und hofft, dass in den nächsten
Wochen zumindest die Stromabschaltungen zurückgehen werden, die jetzt
täglich vorkommen und bis zu 21 Stunden dauern.
Dafür könnte die Ladung der „Anatoly Kolodkin“ sorgen, denn die besteht aus
Erdöl des Typs „Ural“. Das kann nicht nur in den Kraftwerken der Insel
verarbeitet werden, sondern auch in den Raffinerien. Damit könnte eine
Atempause von zwei, drei Wochen geschaffen werden, so schätzen
Energieexperten.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Schwere-Wirtschaftskrise-in-Kuba/!6166984
(DIR) [2] https://www.vesselfinder.com/de
(DIR) [3] /Mexiko-stoppt-Oellieferung-nach-Kuba/!6149298
(DIR) [4] https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2026-03/usa-bischof-florida-solidaritaet-kuba-blockade.html
## AUTOREN
(DIR) Knut Henkel
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