# taz.de -- Lokaljournalismus im Wandel: Wo ist die Zeitung zum Liebhaben?
> Was soll Oma Paluschke in Gera in Zukunft lesen? Offizielle
> Verlautbarungen und rechtsradikalen Quark? Das „Netzwerk Recherche“ geht
> erstmal vor Ort.
(IMG) Bild: „Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht“?: VEB Kombinat Zellstoff, Papier, Pappe im sächsischen Heidenau, 1956
Oma Paluschke war eine Abonnentin zum Liebhaben. Seit rund 50 Jahren war
die Thüringerin aus der Nähe von Greiz ihrer Lokalzeitung treu. Auch schon
zu der Zeit, als die [1][Ostthüringer Zeitung (OTZ)] noch Volkswacht hieß.
Doch dann hatte die OTZ im Frühling 2023 in elf Gemeinden rund um Greiz das
Papierzeitalter beendet und die Gegend zur „Modellregion für die
Digitalisierung des ländlichen Raums“ ausgerufen. Oma Paluschke hatte nun
ihren eigenen Account.
Ausgerechnet [2][Greiz], wo seit über 400 Jahren Papier hergestellt wird,
dachte Oma Paluschke. Nun gut, heute ging es auch in Greiz hauptsächlich
ums Recycling, Altpapier halt. Neben ihr waren rund 300 andere
Abonnent*innen des zur Funke-Gruppe gehörenden Blattes
Versuchskaninchen. Sie sollten ihre OTZ-Lokalausgabe ab sofort digital
lesen, bekamen ein Tablet und einen Crashkurs, wie das Ding funktioniert.
Technik! Aber mal mit Oma Paluschke über Inhalte zu reden, darüber, was sie
von einer zeitgemäßen Lokalberichterstattung erwarten würde, daran hatte
niemand gedacht. Viele von Oma Paluschkes Bekannten [3][machten den
Digitalschritt nicht mit], bei fast der Hälfte lief das Abo aus.
## Nicht das Gelbe vom Ei
Heute sagt Funke selbst, dass die Aktion mit nur acht Wochen Vorbereitungs-
und Vorwarnzeit nicht das Gelbe vom Ei war. Doch davon, dachte Oma
Paluschke, konnte sie sich nichts kaufen. „Sie liest ihre OTZ jetzt als
E-Paper, macht Online-Dating und ist auch sonst Oma for Future“, wünscht
sich die Mitbewohnerin.
Viele andere lasen aber gar keine richtige Zeitung mehr, sondern das
örtliche Amtsblatt. Doch wenn da die Bürgermeister*innen über sich
selber schreiben (lassen) und Informationen von Amts wegen verbreitet
werden, hat das doch mit [4][unabhängig-kritischem Journalismus] nichts zu
tun, meinte Oma Paluschke. Und hatte recht.
Noch schlimmer waren nur noch die [5][kostenlosen Anzeigenblätter] mit
ihrem AfD-nahen Gesülze, die sofort ihre Chance genutzt hatten. Ältere
Menschen nahmen eben überwiegend doch lieber Papier in die Hand als so ein
digitales Endgerät.
Wobei es zu Oma Paluschkes Erstaunen manchmal auf Print oder nicht Print
gar nicht mehr ankam. In Greiz betrieben AfD-nahe Menschen jetzt ganz offen
den „Heimatboten Vogtland“ im Netz. Darin ging es dann viel um Blaulicht,
aber auch um die Kommunalpolitik der rechtsextremen Partei. Offengelegt
wurde das natürlich nicht, offiziell stand die Heimatstiftung
Greiz-Vogtland e. V. im Impressum. Es war zum Aus-der-Haut-Fahren!
Aber immerhin waren ja jetzt die Leute vom [6][Netzwerk Recherche]
dagewesen. Die hatten sich wirklich mal dafür interessiert, was die
Menschen rund um Greiz in Sachen Lokaljournalismus erwarteten. Übrigens
alle Menschen, junge, alte und auch Oma Paluschke.
[7][„Lückenfüller – Was kommt, wenn die Lokalzeitung geht?“] hieß das
Projekt. Und das gibt es wirklich. Und wie Oma Paluschke sich hier selbst
einbringt, um den Lokaljournalismus und die Demokratie zu retten, erzählen
wir beim nächsten Mal.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Digitaler-Wandel-im-Lokaljournalismus/!5923448
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(DIR) [6] https://netzwerkrecherche.org/wp-content/uploads/2026/03/Greenhouse-Report-4_web.pdf
(DIR) [7] https://netzwerkrecherche.org/wir-staerken/lokaljournalismus/dialogprojekt-leben-ohne-zeitung/
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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