# taz.de -- Friedensaktivist über Ostermarsch: „Durch Russland und den Iran fühlen sich nur wenige bedroht“
       
       > Ralf Cüppers ruft zu einer Friedensdemo am Karfreitag zum Nato-Flugplatz
       > Schleswig-Jagel auf. Er hat schon vor 40 Jahren Ostermärsche organisiert.
       
 (IMG) Bild: Ostermarsch 2025: Demonstration mit Friedenstaube und Peace-Zeichen
       
       taz: Herr Cüppers, dadurch, dass in den letzten Jahren eine Kriegsgefahr in
       Europa viel größer geworden ist, hat die Ostermaschbewegung stärkeren
       Gegenwind. Viele Ihrer alten Weggefährten sind inzwischen abgesprungen … 
       
       Ralf Cüppers: Ja, und zu denen gehört für mich auch die taz, die in den
       1970er Jahren ganz klar die Position der Friedensbewegung vertreten hat, in
       der es aber seit dem Jugoslawienkrieg auch kriegsbefürwortende Töne gibt.
       
       taz: Ist die Ostermarschbewegung also in einer Krise? 
       
       Cüppers: Nein, denn obwohl sich sowohl die Sozialdemokraten wie auch das
       grüne Spektrum von uns verabschiedet haben, sind die Teilnehmerzahlen bei
       den Ostermärschen gestiegen – weil jetzt Leute, die von den politischen
       Parteien nichts halten, vermehrt zu uns kommen. Die Tatsache, dass die
       offiziellen Führer der Kirchen, Gewerkschaften, der Grünen und
       Sozialdemokraten nicht mehr dabei sind, hat uns nicht geschadet.
       
       taz: Das heißt also, dass heute andere Menschen an den Ostermärschen
       teilnehmen als früher? 
       
       Cüppers: Es hat immer ein Querschnitt der Bevölkerung an den Ostermärschen
       teilgenommen, und zwar altersmäßig, Männer und Frauen, Arm und Reich. Jetzt
       sind aber wegen der Schulstreiks gegen die geplante Wehrpflicht wesentlich
       mehr junge Leute dabei, weil sie auch persönlich betroffen sind. Sie sind
       ja diejenigen, die von unseren Regierungen verheizt werden sollen.
       
       taz: Am Karfreitag marschieren Sie zum Nato-Flugplatz Schleswig-Jagel, um
       gegen dessen Ausbau als Drohnenflugplatz zu protestieren. 
       
       Cüppers: Das ist ein Standort für Tornado-Kampfflugzeuge, die zum Teil auch
       Atomwaffen tragen können. Wir haben lange versucht herauszubekommen, wie
       hoch die Umweltbelastung dieses Natostandorts ist. Und weil die Unterlagen
       für den Ausbau öffentlich gemacht werden mussten, stellte sich heraus, dass
       dort so viel Treibstoff verbraucht wird, dass man damit jeden Haushalt in
       Schleswig mit Erdöl beheizen könnte. Außerdem sind die Belastungen der
       Umwelt etwa durch die Ewigkeitenchemikalie Perfluoroctansulfonsäure in den
       Abgasen des Flugbenzins und den Lärm erheblich.
       
       taz: Aber ist Ihre Argumentation hier nicht eher strategisch? Denn Sie
       möchten ja, dass der Militärflughafen Jagel ganz geschlossen wird. 
       
       Cüppers: Das ist richtig! Wir brauchen ihn nicht und er gefährdet uns nur.
       Man sagt ja „Raketen sind Magneten“, und wenn wir hier in der Region
       kriegswichtige Standorte haben, ist davon auszugehen, dass eventuelle
       Gegner zuerst auf uns zielen werden.
       
       taz: Wie antworten Sie denn jenen, die sagen, Deutschland müsse wegen der
       Bedrohung durch Russland aufrüsten? 
       
       Cüppers: Ich lehne diese Feindbildübertragungen ab. Es gibt ja von
       Greenpeace die Studie mit dem Titel „Wann ist genug genug?“ durch die
       belegt wird, dass es der Westen ist, der aufrüstet. Und wenn man weltweit
       fragt, [1][wer denn die Schurkenstaaten sind], werden vor allem die USA,
       Israel und die Nato genannt. Durch Russland und den Iran fühlen sich nur
       wenige in Afrika, Asien und Lateinamerika bedroht.
       
       taz: Seit wann sind Sie selbst denn schon ein Ostermarschierer? 
       
       Cüppers: Das erste Mal, dass ich [2][an einem Ostermarsch teilgenommen]
       habe, ist schon über 50 Jahre her. Damals ging es darum, den
       Truppenübungsplatz in der Garlstedter Heide zu verhindern. Damals war
       wunderschönes Wetter.
       
       taz: Und seit wann sind Sie einer der Organisatoren? 
       
       Cüppers: Das ist mehr als 40 Jahre her. Da ging es auch schon [3][nach
       Jagel].
       
       taz: Dann protestieren Sie also schon mehr als Ihr halbes Leben gegen
       diesen [4][militärischen Standort]? 
       
       Cüppers: Genau! Damals war ich noch Student in Kiel und bin mit dem Fahrrad
       von Flensburg nach Jagel gefahren. Und wir hatten in dem Jahr einen
       Schneesturm.
       
       2 Apr 2026
       
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