# taz.de -- Prinzip Hoffnung: Die Welt wird nicht besser, wenn wir sie nicht besser machen
       
       > Vielleicht wird Ungarn ganz bald nicht mehr von Orbán regiert. Und
       > vielleicht steht auch in Israel ein Machtwechsel an. Es gibt Gründe zur
       > Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Proteste gegen Viktor Orban werden lauter
       
       Wir leben in fantastischen Zeiten, nur werden wir unseren Möglichkeiten
       nicht immer gerecht. Niemals etwa hätte ich gedacht, dass ich einmal dank
       Internet morgens in Berlin [1][Rai 3 hören kann], den linken Sender im nach
       Proporz aufgeteilten italienischen Rundfunk. Und dann beantwortet auch noch
       Cinzia Sciuto, Chefredakteurin der linken italienischen Zeitschrift
       MicroMega, Fragen der Hörerschaft.
       
       MicroMega feiert gerade den [2][40. Geburtstag]. Gratulation! Eine Frage,
       die Cinzia gestellt wurde, ist die nach doppelten Standards in Bezug auf
       Israel. [3][Im Gespräch mit der taz hat sie dazu mal gesagt], in Italien
       falle es vielen Linken schwer, nicht nur die Regierung von Benjamin
       Netanjahu zu verurteilen, sondern auch die Barbarei der Hamas. In
       Deutschland hingegen werde Kritik an Israel oft mit Antisemitismus
       gleichgesetzt. Doppelte Standards überall – müssen wir damit leben?
       
       Ich denke, wir haben die Verpflichtung zur Klärung und Anlass zur Hoffnung.
       Am Sonntag könnte sich Viktor Orbán von der Präsidentschaft in Ungarn
       verabschieden. Und auch Netanjahu wird sich nicht mehr lange den Wahlen
       entziehen können und dann in den Knast oder zu seinem Freund Donald Trump
       wandern. Und der US-Präsident wiederum – aber lassen wir die
       Politwahrsagerei!
       
       Vor zwei Wochen war ich im Italienischen Kulturinstitut bei der
       [4][Präsentation des Buches „Die andere Wahrheit“]. Die großartige
       italienische Dichterin Alda Merini legt hier [5][Zeugnis ihrer jahrelangen
       Zwangsaufenthalte in der Psychiatrie] ab. Das ist eine sperrige, eben
       poetische Lektüre, die sich weder mit einfachen Wahrheiten zufriedengibt
       noch mit tröstlichen Resümees. Eines lautet: „Die wahre Hölle ist draußen,
       hier, im Kontakt mit den anderen, die über dich urteilen, dich kritisieren
       und dich nicht lieben.“
       
       Die Psychiatrie mit ihren Elektroschocks und ihrem Sadismus nennt Merini
       „Konzentrationslager“, aber auch „Heiliges Land“, weil hier „der kranke
       Geist keine Schuld verspürte“. Und doch hat das 1978 in Italien
       beschlossene [6][Gesetz zur schrittweisen Schließung der gefängnisartigen
       psychiatrischen Krankenhäuser] Epoche gemacht. Wir hier draußen machen uns
       und anderen bestimmt oft immer noch das Leben zur Hölle. Aber wir haben
       Möglichkeiten, die Welt besser zu machen. Wir müssen ihnen nur gerecht
       werden.
       
       11 Apr 2026
       
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