# taz.de -- Parlamentswahl in Dänemark: Alles unklar in Dänemark
       
       > Die sozialdemokratische Partei von Mette Frederiksen schmiert ab, auch
       > wenn sie stärkste Kraft bleibt. Schwierige Verhandlungen stehen an.
       
 (IMG) Bild: „Natürlich verärgert.“ Mette Frederiksen während einer Rede nach den Wahlen
       
       Mette Frederiksen ist „natürlich verärgert“, so sagte sie es, angesichts
       des schlechten Ergebnisses für ihre Sozialdemokraten. Zwar sind die – sogar
       mit deutlichem Abstand zum Rest – auch nach der Parlamentswahl am Dienstag
       noch die größte Partei in Dänemark. Aber ein Rückgang auf historisch
       schlechte 21,8 Prozent (2022: 27,5), 12 Mandate weniger, das war so nicht
       eingeplant.
       
       Regierungschefin möchte Frederiksen dennoch bleiben. Wie das funktionieren
       soll, ist noch unklar. Die Parteien auf ihrer linken Seite des politischen
       Spektrums erreichten zusammen 84 Sitze, die konservativ-rechte Seite kam
       auf 77 Sitze. Für eine Regierungsmehrheit sind im dänischen Folketing 90
       Sitze nötig.
       
       Frederiksens bisheriger Außenminister Lars Løkke Rasmussen rieb sich am
       Wahlabend vergnügt die Hände: Seine mittigen Moderaten gelten mit ihren 14
       Sitzen nun als entscheidend für alle Koalitionsverhandlungen. Er lud die
       anderen Parteien dazu ein, dieses „interessante Spiel“ mit ihm zu spielen.
       
       Dass er die Situation so nennt, überrascht nicht: Diese Wahl hat Dänemarks
       politische Landschaft noch kleinteiliger gemacht – ein rot-blauer
       Flickenteppich. Alle 12 Parteien, die um den Einzug ins Folketinget
       kämpften, schafften ihn auch.
       
       ## Grönland-Effekt kleiner als gedacht
       
       Jetzt ist die Sozialdemokratie trotz ihres mageren Ergebnisses die einzige
       größere Partei im klassischen Sinne. Es folgen einige mit um die 10
       Prozent, dann wird es langsam immer weniger bis hin zum Neuling, der
       Bürgerpartei mit 2,1 Prozent.
       
       Zu den immer noch größten Parteien, aber auch den größten Verlierern, zählt
       der bisherige dritte Koalitionspartner, die liberalkonservative
       Venstre-Partei. Sie verlor 3,2 Prozentpunkte und landete bei 10,1. Von
       einer Neuauflage der jetzigen Zusammenarbeit über die Blockgrenzen hinweg
       will Venstre nichts mehr wissen.
       
       Parteichef Troels Lund Poulsen, unter Mette Frederiksen bis jetzt
       Verteidigungsminister, war als ihr Herausforderer für das Amt des
       Regierungschefs auf der konservativen Seite angetreten. Dass seine Partei
       immerhin die größte unter den „blauen“ ist, erleichterte ihm den Umgang mit
       dem eigentlich schlechten Wahlergebnis.
       
       Unter anderem die rechtspopulistische Dänische Volkspartei, die mit einer
       Verdreifachung ihres Stimmenanteils auf 9,1 Prozent ein politisches
       Comeback feierte, sprach sich am Mittwoch für eine blaue
       Minderheitsregierung unter Lund Poulsen aus. Als wahrscheinlicher gilt
       dennoch eine rötlichere Regierungsvariante unter Frederiksen.
       
       ## Jubel links und rechts
       
       Nicht nur bei der Dänischen Volkspartei wurde am Wahlabend gejubelt, auch
       deutlich weiter links feierte man Erfolge: Die Sozialistische Volkspartei
       (SF) mit ihren sozialen und grünen Themen ist nun mit 11,6 Prozent (plus
       3,3) zweitstärkste politische Kraft im Königreich.
       
       Aber von wegen Grönland-Effekt: Mette Frederiksens Rolle als
       Staatenlenkerin in der von den USA ausgelösten Krise war offenbar nicht
       entscheidend für die Wahl. Beim Thema Grönland herrscht auch wenig
       Streitpotenzial. Im Wahlkampf ging es viel um Innenpolitisches. Sauberes
       Trinkwasser etwa – im Land mit seiner intensiven Landwirtschaft schon lange
       ein Politikum. Auch steigende Lebenshaltungskosten und eine wachsende
       soziale Ungleichheit beschäftigten viele.
       
       Welche Regierung sich künftig um diese und andere Themen kümmert, darum
       wird in Kopenhagen jetzt gepokert. In der ersten TV-Debatte nach der Wahl
       erklärte Mette Frederiksen, eine Koalition der linken Parteien mit den
       Moderaten erscheine ihr am ehesten realistisch. Doch Moderaten-Chef Løkke
       Rasmussen, der Mann mit der Schlüsselrolle, warb weiter für eine Koalition
       über Blockgrenzen hinweg. „Auch wenn es ein bisschen schwierig aussieht.“
       
       Nach einer Parlamentswahl umfänglich zu verhandeln, das gehört im
       kompromisserprobten politischen Dänemark dazu. Auch Minderheitsregierungen
       sind nichts Ungewöhnliches. Aber nicht nur die bisherige Regierungschefin
       will lieber eine stabile Mehrheit. So ungewiss wie dieses Mal war der
       Ausgang in Dänemark selten.
       
       25 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
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