# taz.de -- Parlamentswahl in Dänemark: Mette Frederiksen steuert auf dritte Amtszeit zu
       
       > Die Sozialdemokraten werden voraussichtlich deutliche Verluste erleiden,
       > aber wohl die stärkste Kraft bleiben. Ein Grund ist der Grönland-Effekt.
       
 (IMG) Bild: Auf Konfrontation getrimmt: Mette Frederiksen und Troels Lund Poulsen im TV-Duell am 15. März
       
       Die Fernsehkamera ist von oben auf einen runden Tisch mit drei Stühlen
       gerichtet. Von links kommt Dänemarks sozialdemokratische
       Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ins Bild, von rechts ihr
       Herausforderer Troels Lund Poulsen von der rechtsliberalen Partei Venstre.
       
       Die Perspektive wechselt und zeigt die beiden im Profil, dazwischen der
       Moderator. Die Inszenierung ist auf Duell getrimmt, [1][nur wenige Tage vor
       der Parlamentswahl am 24. März]. Das Pikante an der Situation: Die beiden
       sind Koalitionspartner. 30 Jahre lang waren ihre Parteien Konkurrenten um
       das Amt der/des Ministerpräsident:in.
       
       [2][Nach der Wahl 2022 bildeten sie eine Regierung mit einer Zentrumspartei
       als Kitt in der Mitte]. Die Koalition funktionierte nach innen im Gegensatz
       zur Ampel in Berlin erstaunlich harmonisch. Doch gleich von Beginn der
       TV-Debatte an ist klar: Mit der Harmonie ist es derzeit vorbei.
       
       Fast beiläufig setzt Frederiksen in ihrem ersten Redebeitrag einen ersten
       Nadelstich, indem sie auf unterschiedliche Positionen in der Frage des
       Trinkwasserschutzes eingeht. Sie weiß genau, dass sie damit bei ihrem
       landwirtschaftsfreundlichen Gegner einen wunden Punkt trifft.
       
       ## Feuer in den Augen
       
       Lund Poulsen kontert mit dem Vorwurf, die von der Sozialdemokratie
       vorgeschlagene Vermögenssteuer würde Dänemark ärmer machen. Im Laufe der
       einstündigen Debatte bekommen sie immer mehr Feuer in den Augen.
       
       Zwei Wochen zuvor: Die Stimmung im Plenarsaal des dänischen Parlaments ist
       am 26. Februar gegen Mittag elektrisch aufgeladen. Es ist der Tag der
       Ausrufung von Neuwahlen. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin geht
       zum Pult des Parlamentsvorsitzenden und schiebt ihm einen Zettel zu.
       Frederiksen verkündet, dass sie zum 24. März Wahlen ausschreibe. Drei
       Wochen Wahlkampf sind in Dänemark eine ungeschriebene Regel – genauso, dass
       die Wahl an einem Dienstag stattfindet.
       
       ## Günstiger Zeitpunkt
       
       Und einiges deutet darauf hin, dass Frederiksen einen günstigen Zeitpunkt
       erwischt hat. Keine zwei Monate zuvor sah es noch anders aus. Die
       Sozialdemokratie war bei den Kommunalwahlen im November kläglich
       eingegangen. Mit 23,2 Prozent erzielte sie das schlechteste Ergebnis in
       ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte. Das bürgerlich-konservative
       Lager lag erstmals seit Jahren in den Umfragen vorn.
       
       Doch dann kamen US-Präsident Donald Trump und Grönland. Die Stimmung drehte
       sich. Die Koalitionsregierung startete schnell noch ein paar Initiativen,
       um ihre Popularität zu steigern. Etwa in der Schulpolitik: Die
       Sozialdemokratie schlägt kleinere Klassen in der Unterstufe vor.
       
       Gut zwei Stunden, nachdem Frederiksen die Wahl ausgerufen hat, ist sie
       bereits in einem Kopenhagener Vorort, um Rosen auszuteilen. „Es ist toll,
       auf der Straße zu sein“, lässt Frederiksen die Bevölkerung in den sozialen
       Medien wissen.
       
       ## Auf Hochtouren
       
       Die Wahlmaschine läuft auf Hochtouren. Die 48-Jährige soll den Genossinnen
       und Genossen erneut das liefern, was ihnen am wichtigsten ist: die
       Regierungsmacht. Vermögenssteuer, Rentenalter, bezahlbarer Wohnraum,
       geringere Ungleichheit – alles Programmpunkte, die für die Arbeiterpartei
       klassischer nicht sein könnten. Auch die Migrationspolitik, die mit
       Frederiksen zum ureigenen sozialdemokratischen Thema geworden ist, fehlt
       nicht.
       
       Wenige Tage nach dem 26. Februar treten Frederiksen und vier weitere
       sozialdemokratische Spitzenpolitiker mit ernster Miene vor die Presse. Auf
       den roten Aufstellern hinter ihnen prangt mehrfach der Satz: „Wir wollen
       diejenigen nicht, die nicht zu Dänemark stehen.“
       
       Sofort ist klar: Die Sozialdemokratie wird nicht nur an der harten Linie in
       der Ausländerpolitik festhalten, sondern möchte sie sogar verschärfen. Die
       Asylzentren in Drittländern außerhalb Europas hat die dänische
       Regierungschefin bereits seit geraumer Zeit im Programm. Der Unterschied
       sei jetzt, dass die Mehrzahl der EU-Staaten mitzöge. „Dänemark ist
       bezüglich der Ausländerpolitik ein Vorreiterland in Europa“, sagt
       Frederiksen. Mehrfach erwähnt sie die rechte italienische
       Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, mit der sie hervorragend
       zusammenarbeite.
       
       ## Unnachgiebige Linie
       
       Bekannt ist auch, dass sie zum CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz ein
       deutlich engeres Verhältnis hat, als sie es je zu seinem SPD-Vorgänger Olaf
       Scholz hatte. Dennoch argumentiert sie während der Pressekonferenz
       sozialdemokratisch. Die harte Migrationspolitik sei notwendig, um den
       dänischen Wohlfahrtsstaat zu schützen.
       
       Die unnachgiebige Linie macht Frederiksen zur Bedingung für mögliche
       Regierungsverhandlungen, kombiniert sie im Wahlkampf mit einer linken
       Sozial- und Wirtschaftspolitik. 2019 hatte sie mit dieser Kombination
       Erfolg. Damals brach sie fast 20 Jahre bürgerliche Dominanz und holte so
       viele Stimmen von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei zurück,
       dass es für eine rote Mehrheit reichte.
       
       Doch zuletzt zündet das Migrationsthema im Wahlkampf nicht so recht. In
       Dänemark hat es seine Brisanz verloren.
       
       ## Radfahrer im Stau
       
       Am Tag nach dem Fernsehduell ist der Radverkehr auf einer der
       Einfallsstraßen zur Kopenhagener Innenstadt wie jeden Morgen dicht
       gedrängt. Bei einer Brücke stauen sich die Radelnden in vier Reihen.
       Parteikandidaten und Helfer springen dazwischen, um Flugblätter
       loszuwerden.
       
       Das Fernsehduell ist unentschieden ausgegangen. Auch in den Umfragen bewegt
       sich wenig. Das ist für die amtierende Ministerpräsidentin besser als für
       den Herausforderer Troels Lund Poulsen, denn der rote Block liegt vorn.
       Allerdings fehlen auch für eine linke Mehrheit bislang noch einige
       Prozentpunkte. Sollte am 24. März keiner der Flügel eine Mehrheit bekommen,
       könnten die Kontrahenten erneut Koalitionspartner werden.
       
       24 Mar 2026
       
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