# taz.de -- Energiewende: Wasserstoff aus Sonnenlicht
> Wasserstoff wird oft klimaschädlich hergestellt. Schwedische Forscher
> gewannen das Element nun mittels Kunststoff aus Sonnenlicht. Doch es gibt
> Hürden.
(IMG) Bild: Sehr viel Energie: Sonnenstrahlen treffen auf die Erde
Komplett emissionsfrei und unbegrenzt verfügbar: Wenn man Wasserstoff nur
aus Wasser und Sonnenlicht erzeugen könnte, dann wäre das für die
Energiewende ein enormer Fortschritt. Eine wichtige Entdeckung auf dem Weg
dorthin ist vor Kurzem dem Forschungsteam um Ergang Wang an der
Chalmers-Universität in Göteborg gelungen.
Rund zwei Jahre hatten die Forschenden in Schweden an dem Projekt
gearbeitet: Im Wasser schwimmende winzige Kunststoffpartikel als
Katalysatoren wandelten Sonnenlicht direkt in Wasserstoff um. Solch ein
Verfahren, bei dem Katalysatoren zum Einsatz kommen, wird Fotokatalyse
genannt, und es ist nicht neu.
Die Wissenschaftler brachten leitende Kunststoffe, sogenannte konjugierte
Polymere, zum Einsatz. Bisher wurden vor allem Metalle verwendet, um eine
chemische Reaktion in Gang zu bringen, bei der durch Lichtstrahlen
Wasserstoff entsteht. „Bei dieser Methode wird in der Regel Platin
verwendet“, berichtet Post-Doktorand Alexandre Holmes, „aber es ist teuer
und nur in begrenzten Mengen verfügbar.“
[1][Wasserstoff ist ein Energieträger], der bei seiner Nutzung kein CO2
ausstößt. Wirklich klimafreundlich ist er aber nur, wenn auch seine
Erzeugung klimafreundlich stattfindet. Aktuell werden aber 95 Prozent des
Hydrogens noch über fossile Verfahren hergestellt. An umweltfreundlicheren,
elektrolytischen und fotokatalytischen Verfahren wird schon länger
gearbeitet, die allerdings bisher bei Weitem nicht die Effizienz der
herkömmlichen Prozesse erreichen.
Alexandre Holmes und seine Kolleginnen und Kollegen entwickeln mittels
spezieller Verarbeitungstechniken einen leitfähigen Kunststoff, der in
kleinsten Teilchen im Wasser verteilt werden konnte. Auf diese Art
Wasserstoff zu erzeugen, könnte zukunftsweisend sein. Allerdings gibt es
noch einige Hürden, die überwunden werden müssen.
## Noch scheitert es an der Rentabilität
„Um Wasserstoff zu erzeugen, reduzieren wir Wasser zu Wasserstoff, indem
wir zwei Elektronen aus unseren leitfähigen Kunststoffen entnehmen, aber
das bedeutet auch, dass diese Elektronen wieder zurückgewonnen werden
müssen“, erklärt der Post-Doc die Herausforderung. „Im Idealfall würden
diese Elektronen durch Oxidation von Wasser gewonnen werden, wodurch
Wasserstoff und Sauerstoff entstehen würden, was wirtschaftlich am
sinnvollsten wäre. Das Problem ist nur, dass wir das noch nicht können,
weil die Oxidation von Wasser sehr schwierig ist.“
Daher hat man an der Chalmers Universität Vitamin C verwendet, das teurer
als Wasserstoff ist: „Wir müssen also einen Weg finden, um die Verwendung
von Vitamin C zu vermeiden, oder vielleicht Alternativen finden, um es zu
regenerieren.“ Damit sei die wirtschaftliche Rentabilität dieser
Wasserstoffproduktion immer noch begrenzt. Und solange keine
Wirtschaftlichkeit erreicht wird, können auch fotokatalytische Systeme die
traditionelle Herstellung von Wasserstoff nicht ersetzen.
Ein weiterer Knackpunkt ist die Verwendung von Palladium, um die
leitfähigen Kunststoffe zu synthetisieren: „Die wichtige Frage für uns
dabei: Hat das Palladium Auswirkungen auf die Wasserstoffproduktion? Daher
müssen wir herausfinden, ob dieses Restpalladium am fotokatalytischen
Prozess beteiligt ist“, sagt Holmes. In fünf bis zehn Jahren, so die
Einschätzung des Wissenschaftlers, dürfte aber auch dafür eine Lösung
gefunden werden.
Für die Forschenden in Göteborg ist jedenfalls klar, dass ihre Arbeit das
bisherige Paradigma infrage stellt, dass organische Materialien entweder
den Einsatz von Edelmetall – Katalysatoren oder Zweikomponentensystemen –
erfordern, um eine hohe Wasserstoffproduktion zu erzielen. Alexandre
Holmes: „Diese Erkenntnisse legen den Grundstein für eine neue Generation
metallfreier organischer Fotokatalysatoren, mit denen globale
Herausforderungen in den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit bewältigt
werden können.“
## Größter Absatzmarkt ist die Chemieindustrie
Am Fraunhofer IKTS wird ebenfalls an innovativen Wasserstoff-Technologien
gearbeitet. „Es geht jetzt hauptsächlich darum, die Industrie zu
dekarbonisieren“, steckt Wasserstofftechnologe Karl Skadell den allgemeinen
Rahmen ab, „und Wasserstoff brauchen wir heute schon in großen Mengen.“ Der
größte Absatzmarkt sei die chemische Industrie beziehungsweise die
Düngemittelherstellung, ohne die eine Weltbevölkerung von acht Milliarden
Menschen kaum noch ernährt werden könnte.
Der naheliegende Schritt aus Sicht des Gruppenleiters
Wasserstofftechnologien am Fraunhofer IKTS ist [2][die „Skalierung“] der
„technisch ausgereiften“ Wasserelektrolyse, mit der Wasserstoff durch die
Zuführung von Strom, am besten aus nachhaltigen Quellen, jetzt schon
hergestellt werden kann.
Kollegen von ihm am Fraunhofer IKTS haben jedenfalls im Rahmen ihres
„NeoPEC“-Projekts ebenfalls ein fotoelektrochemisches Verfahren entwickelt,
bei dem mit Halbleitern beschichtetes Glas kurz- und langwelliges Licht in
einem Wassertank absorbiert, um letztlich Wasserstoff aus Wasser zu
erzeugen.
Post-Doc Alexandre Holmes schließlich sieht als eine der wichtigsten
Aufgaben des Teams an der Chalmers Universität, „wirklich“ zu begreifen,
warum diese „leitfähige Katheterisierung“ besonders gut funktioniert: „Denn
wenn wir verstehen, wie sie auf chemischer Ebene funktioniert, also wie die
tatsächliche Reaktion abläuft, dann können wir auch versuchen, noch
leistungsfähigere Materialien zu entwickeln – vielleicht Materialien, die
komplementär sind und beispielsweise die Oxidation von Wasser leiten
könnten.“
Das Verständnis der Funktionsweise sei also das Entscheidende, um die
Leistung und Rentabilität dieser Materialreihe weiter voranzutreiben: „Das
ist im Moment eine der größten Herausforderungen. Aber wir werden in
Zukunft hoffentlich ein besseres Verständnis darüber gewinnen.“
27 Mar 2026
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