# taz.de -- Erneuerbarer Ersatz für Erdgas: Wasserstoff aus Lothringen statt aus dem Saarland
       
       > Investoren geben drei große Projekte zur Wasserstofferzeugung auf
       > deutscher Seite auf. Als Gründe werden hohe Strompreise und Bürokratie
       > angegeben.
       
 (IMG) Bild: Der Bau eines Elektrolyseurs liegt auf Eis: hier der traditionelle Steag-Kraftwerksstandort in Völklingen-Fenne im Januar 2022
       
       Das ist ein Rückschlag für die deutsche [1][Wasserstoffwirtschaft]: Im
       Saarland sind alle drei großen Projekte zur Wasserstofferzeugung offenbar
       gescheitert. Trotz zum Teil hoher zugesagter Fördersummen halten die
       Investoren ihre geplanten Elektrolyseure in Völklingen, Saarlouis und Perl
       inzwischen allesamt für unwirtschaftlich. Damit wird es wohl auf absehbare
       Zeit keine nennenswerte Produktion von Wasserstoff im Saarland geben, wie
       zuerst die Saarbrücker Zeitung berichtete.
       
       Wasserstoff soll nach den Plänen der Politik [2][als großer Energiespeicher
       ein wichtiger Baustein einer klimafreundlichen Energiewirtschaft werden]:
       Das Gas wird erzeugt, indem überschüssiger Solar- und Windstrom genutzt
       wird, der ansonsten verloren ginge. Damit werden erneuerbare Energien
       speicherbar und können zu einem späteren Zeitpunkt Erdgas in der Industrie
       und in umgerüsteten Gaskraftwerken ersetzen.
       
       Doch in der Praxis [3][geht es schleppend voran]. Bereits im September
       hatte Steag Iqony ihre Pläne zum Bau eines Elektrolyseurs am traditionellen
       Steag-Kraftwerksstandort in Völklingen-Fenne – Projektname „HydroHub Fenne“
       – auf Eis gelegt. Man sei „erheblich in Vorleistung gegangen“, habe „das
       Projekt kräftig vorangetrieben“, sagte ein Firmensprecher auf Anfrage, doch
       unter den aktuellen Rahmenbedingungen habe sich eine Realisierung als
       unmöglich erwiesen. Unter anderem seien „die hohen Strompreise in
       Deutschland eine große Hürde“, ebenso „die bürokratischen Anforderungen“,
       die Brüssel stelle.
       
       Steag Iqony wollte ursprünglich in diesem Jahr eine Anlage bauen, die bis
       zu 8.700 Tonnen Wasserstoff pro Jahr erzeugen sollte. Die Saarbahn sollte
       das Gas abnehmen, um damit ihre Brennstoffzellenzüge und -busse zu
       betreiben. So wollte Iqony, wie sie betonte, „eine wichtige Unterstützung
       bei der schrittweisen Dekarbonisierung des ÖPNV in der Metropolregion
       Saarbrücken“ leisten. Die EU-Kommission hatte das 53-Megawatt-Projekt sogar
       als „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) anerkannt, doch
       am Ende nahm Iqony die zugesagten Förderungen des Bundes und des Landes in
       Höhe von 100 Millionen Euro nicht in Anspruch.
       
       In Saarlouis wollte unterdessen der Energiekonzern RWE die Dillinger
       Hüttenwerke durch eine Elektrolyse-Anlage vor Ort mit bis zu 50.000 Tonnen
       Wasserstoff pro Jahr versorgen. Doch nachdem der Stahlerzeuger jüngst
       „einen deutlich niedrigeren Wasserstoffbedarf kommuniziert“ habe, sei das
       Projekt für RWE nicht mehr wirtschaftlich und werde nicht weiter
       vorangetrieben, sagte ein Unternehmenssprecher.
       
       ## Drei Anlagen in Lothringen
       
       Das dritte Projekt sollte ein 70-Megawatt-Elektrolyseur des französischen
       Wasserstoffkonzerns Lhyfe sein, dessen Bau in der ersten Hälfte des Jahres
       2027 in Perl starten sollte. Nach Angaben der Saarbrücker Zeitung wird auch
       dieses Projekt, das 11.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr bringen sollte, nicht
       realisiert. Dafür würden drei Elektrolyseure im nahegelegenen Lothringen
       gebaut, weil dort die Rahmenbedingungen besser seien. Auf eine Anfrage der
       taz ließ die Firma Lhyfe zu dem Projekt lediglich wissen, es gebe aktuell
       keine Neuigkeiten.
       
       Die Grünen im Saarland beklagen nun in einer Mitteilung, das Saarland
       verliere „bei einer zentralen Zukunftstechnologie zunehmend an Boden“. Die
       Partei sieht „zentrale strukturelle Ursachen“ hinter dem Scheitern der
       Projekte: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie komme „viel zu schleppend
       voran“, deswegen reichten die Strommengen „bei Weitem nicht aus, um eine
       relevante Wasserstoffproduktion wirtschaftlich zu ermöglichen“. Für einen
       „Industriestandort, der vor einer tiefgreifenden Transformation steht“, sei
       das „ein gravierender Standortnachteil“.
       
       Doch es ist nicht nur Thema des Saarlandes: Eine aktuelle Auswertung des
       Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln zeigt, dass
       das Ziel, in Deutschland 10 Gigawatt Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030
       aufzubauen „vermutlich verfehlt“ werde. Aktuell liege die installierte
       elektrische Leistung von Elektrolyseuren in Deutschland bei 181 Megawatt,
       für weitere 1,3 Gigawatt gebe es zumindest eine finale
       Investitionsentscheidung. Ursache des schleppenden Ausbaus seien „hohe
       Investitions- und Betriebskosten in Verbindung mit einer relativ geringen
       Zahlungsbereitschaft der Verbraucher“.
       
       26 Jan 2026
       
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