# taz.de -- Zweite Baugesetznovelle auf dem Weg: Enteignungspläne für Schrottimmobilien
> Bauministerin Hubertz plant umfassende Änderungen am Baugesetzbuch. Neben
> Enteignung bei Schrottimmobilien soll auch Wohnungsbau priorisiert werden
> können.
(IMG) Bild: Bauministerium will hinter die Fassaden schauen
Für die Union ist die Enteignung von Wohnraum eigentlich ein No-go, auch
die SPD ist [1][bei der Enteignungsfrage mindestens gespalten.] Umso
überraschender ist es, dass das SPD-geführte Bundesbauministerium nun an
einem Gesetzentwurf arbeitet, der Kommunen bestärken soll, in bestimmten
Fällen Enteignungen zu erleichtern.
„Bei [2][Schrottimmobilien gilt]: Eigentum verpflichtet und im Extremfall
müssen Kommunen auch das scharfe Schwert der Enteignung einsetzen können,
wenn Wohnraum bewusst verfallen gelassen wird“, erklärte die
sozialdemokratische [3][Bauministerin Verena Hubertz] am Dienstag in
Berlin. Laut einem Papier aus Ministeriumskreisen, das der taz vorliegt,
sollen Kommunen mehr Befugnisse bekommen und „künftig einfacher ein
Instandsetzungsgebot aussprechen und bei extremem Missbrauch enteignen“
können – und zwar zum Verkehrswert, heißt es weiter aus dem Ministerium.
Das Problem der [4][sogenannten Schrottimmobilien ist schon seit vielen
Jahren bekannt]. Manche Vermieter*innen lassen Immobilien regelrecht
verwahrlosen, schrecken aber gleichzeitig nicht davor zurück, hohe Mieten
einzustreichen – gern von Menschen, die es ohnehin auf dem regulären
Wohnungsmarkt schwer haben. Wie viele Schrottimmobilien es schätzungsweise
in Deutschland gibt, ist unklar. Alleine die Stadt Gelsenkirchen geht nach
eigenen Angaben von rund 400 Problemimmobilien aus. Fest steht nur: Die
Kommunen haben dagegen bislang wenig Handhabe.
Der Kampf gegen Schrottimmobilien, der auch im Koalitionsvertrag von
Schwarz-Rot vereinbart ist, ist aber nur ein Teil eines geplanten
Gesetzespakets, das mehrere Vorhaben umfasst – genannt wird es
„Baugesetz-Upgrade“. „Wir geben den Kommunen mehr Gestaltungsspielraum,
beschleunigen Planungs- und Genehmigungsverfahren und schaffen neue
Instrumente für mehr Wohnungsbau und lebenswerte Städte“, erklärte Hubertz.
Der entsprechende Entwurf soll nun in die Ressortabstimmung gehen, bis Ende
Mai soll das Kabinett sich geeinigt haben. Sprich: Änderungen sind noch
möglich. So richtig erfreut seien die Unionskolleg*innen nicht gewesen
beim Stichwort Enteignung, heißt es aus Bauministeriumskreisen.
Überhaupt enthält das „Baugesetz-Upgrade“ mehrere Vorhaben, die
insbesondere der SPD wichtig sind. So soll auch das sogenannte kommunale
Vorkaufsrecht in Milieuschutzgebieten wiederhergestellt werden. Dieses
wurde [5][2021 vom Bundesverwaltungsgericht in weiten Teilen gekippt], bis
dahin war es ein bewährtes Instrument für Kommunen, Verdrängungsprozesse
aufzuhalten.
Daneben soll aber auch ein neues Vorkaufsrecht geschaffen werden, und zwar
„wenn die bzw. der Kaufende entweder der organisierten Kriminalität oder
extremistischen Aktivitäten Vorschub leistet“. Aus Ministeriumskreisen
wurde das Beispiel einer Gaststätte im thüringischen Ort Brattendorf
genannt, die [6][von einem einschlägig bekannten Neonazi betrieben wird und
nun als Vernetzungsort genutzt wird]. Es ginge darum, künftig darauf
reagieren zu können, wenn sich zum Beispiel Rechtsextremist*innen in
ein Dorf einkaufen wollten, hieß es aus dem Ministerium.
## Share-Deals einschränken und schneller planen
Auch Konzerne müssen sich vielleicht in Acht nehmen. Denn in der geplanten
Novelle sollen auch die sogenannten [7][„Share Deals“ eingeschränkt werden,
mit denen Konzerne durch ein Schlupfloch Steuern umgehen.]
Geplant ist zudem, dass der Bau von neuen Wohnungen auch nach dem
[8][bereits in Kraft getretenen Bau-Turbo] weiter beschleunigt werden soll.
Städte und Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt sollen künftig zum
Beispiel ein „überragendes öffentliches Interesse am Wohnungsbau“ erklären
können. Dadurch genieße der „Wohnungsbau auch rechtlich Priorität“. Der
Wohnungsbau werde damit bei der Konkurrenz um Flächen priorisiert.
Insgesamt soll die Planung aber auch schneller werden, das gilt ebenso für
die bisherige Umweltprüfung. Es müsse „einen realistischen Blick darauf
geben, das berechtigte Interesse am Bauen mit dem Umweltschutz zu
vereinen“, erklärte Hubertz. Man setze aber „den Fokus auf Beschleunigung,
nicht auf die Absenkung von Schutz“.
Zum Beispiel kann dann die sogenannte strategische Umweltplanung greifen,
ohne eine detaillierte eigene Umweltverträglichkeitsprüfung, heißt es aus
dem Ministerium. Auch soll der Schwellenwert des beschleunigten Verfahrens
von 20.000 auf 30.000 Quadratmeter versiegelter Fläche hochgesetzt werden.
Ebenso soll die Öffentlichkeitsbeteiligung von Bürger*innen in der
Planungsphase beschleunigt werden: Diese soll „in Zukunft digital und
einstufig“ ablaufen.
17 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Vergesellschaftungsgesetz-vorgelegt/!6139206
(DIR) [2] /Gesetzesluecke-bei-Immobiliengeschaeften/!6024059
(DIR) [3] /Bauministerin-Verena-Hubertz/!6095515
(DIR) [4] /Schrottimmobilien-in-Berlin/!5443468
(DIR) [5] /Gekipptes-Vorkaufsrecht-bei-Immobilien/!5810896
(DIR) [6] /Rechtsextreme-Konzerte/!6160768
(DIR) [7] /Mega-Share-Deal-auf-dem-Wohnungsmarkt/!5782042
(DIR) [8] /Bundestag-beschliesst-Bauturbo/!6118713
## AUTOREN
(DIR) Jasmin Kalarickal
## TAGS
(DIR) Wohnungsbau
(DIR) Verena Hubertz
(DIR) Enteignung
(DIR) Wohnraummangel
(DIR) Wohnraum
(DIR) Wohnen
(DIR) GNS
(DIR) Wohnraum
(DIR) Immobilien Bremen
(DIR) Wohnungspolitik
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) „Bau-Turbo“-Gesetz tritt in Kraft: Wohnraum um jeden Preis
Das „Bau-Turbo“-Gesetz ist in Kraft. Wohnungen sollen schneller gebaut
werden. Im Zweifel auch gegen das Interesse von Bürger:innen und Umwelt.
(DIR) Verwahrloste Immobilien in Bremen: Die Linke will mehr Law and Order
Mit einem neuen Wohnungsaufsichtsgesetz wollte Bremen härter gegen
Schrottimmobilienbesitzer vorgehen. Die Chance dafür ist real, zeigt ein
Gutachten.
(DIR) Gesetzeslücke bei Immobiliengeschäften: Kaputtes Geschäftsmodell
Ein marodes Haus in Gelsenkirchen wird zu einem überteuerten Preis
zwangsversteigert. Wie man mit Schrottimmobilien Profit macht.