# taz.de -- Ukraine: Schwere Kämpfe im Donbass
> Ist in der Ostukraine schon die erwartete russische Frühjahrsoffensive im
> Gange? Kyjiw meldet hohe Verluste der Gegenseite. In Saporischschja
> sterben Zivilisten bei einem Drohnenangriff.
(IMG) Bild: Ausgebombt: Bewohner eines Hauses im ukrainischen Saporischschja, das am Samstagmorgen von einem russischen Drohnenangriff getroffen wurde
dpa/rtr | Die Kämpfe an der Front [1][im Osten der Ukraine] haben sich nach
Angaben des Kiewer Generalstabs in den vergangenen Tagen verstärkt. Dabei
spricht das ukrainische Militär von hohen russischen Verlusten. Im
Morgenbericht des Generalstabs für Samstag hieß es, dass binnen 24 Stunden
1.240 russische Soldaten verletzt oder tot ausgeschaltet worden seien. Es
habe 161 einzelne Gefechte gegeben.
Solche Militärstatistiken sind nicht unabhängig überprüfbar, die gemeldeten
Zahlen lagen zuletzt aber deutlich höher als in den vergangenen Wochen.
Demnach scheinen sich die russischen Angriffe seit Dienstag verstärkt zu
haben, am Mittwoch war die Rede von 286 Gefechten und 1.710 ausgeschalteten
russischen Soldaten. Die Zahlen für Donnerstag und Freitag lagen nur leicht
niedriger. Schwerpunkt der Kämpfe soll einmal mehr die Stadt Pokrowsk im
Industrierevier Donbass sein, ohne dass für die eine oder andere Seite
Geländegewinne bekannt wurden.
## Ist das schon die russische Frühjahrsoffensive?
Einige Militärbeobachter folgern aus den Daten, dass die Ukraine eine erste
Frühjahrsoffensive der Russen habe abwehren können. Das US-amerikanische
Institut für Kriegsstudien (ISW) schrieb vorsichtiger, dass die russische
Armee mit verstärkten Erkundungsangriffen vermutlich ihre
Frühjahrs-/Sommeroffensive vorbereite.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau bleibt bei der
Darstellung, dass seine Truppen an der mehr als 1.000 Kilometer langen
Front auf dem Vormarsch seien. Militärnahe russische Blogger gestehen aber
Probleme an Frontabschnitten wie Kupjansk im Norden und Huljaipole im Süden
ein.
Die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee stützt sich vor allem auf
den umfassenden Einsatz von Drohnen über der Kampfzone. Im Februar hat die
Ukraine nach einigen Berechnungen erstmals seit 2023 wieder mehr Fläche
zurückerobert als verloren.
## Tote bei Drohnenangriff auf Saporischschja
Unterdessen sind bei einem russischen Drohnenangriff auf die Stadt
Saporischschja in der Ukraine nach örtlichen Behördenangaben mindestens
zwei Menschen getötet worden. Bei den beiden [2][Todesopfern] des Angriffs
vom Samstagmorgen handele es sich um eine Frau und einen Mann, teilte der
Chef der Regionalverwaltung, Ivan Fedorow, mit. Zudem seien zwei Kinder
verletzt worden. Fedorows Angaben zufolge hatte eine russische Drohne ein
Privathaus erfasst.
Ein weiterer russischer Drohnenangriff hat die Stromversorgung in einem
Großteil der nordukrainischen Region Tschernihiw lahmgelegt, wie der
örtliche Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus mitteilte. Die Reparatur laufe.
Die gleichnamige Regionalhauptstadt sei komplett ohne Strom, erklärte die
dortige Stadtverwaltung. Die an Russland und Belarus grenzende Region
hatte vor dem Krieg knapp eine Million Einwohner.
Das russische Militär berichtet wiederum von einem großen ukrainischen
Drohnenangriff in der Nacht. 283 feindliche Fluggeräte seien abgefangen
worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Ein Schwerpunkt
des Angriffs lag demnach im südrussischen Gebiet Rostow. Dort wurden nach
Mitteilung von Gouverneur Juri Sljussar etwa 90 ukrainische Drohnen
ausgeschaltet. Solche Angaben sind nicht im Detail überprüfbar, sie
vermitteln aber einen Eindruck vom Ausmaß des Angriffs.
Nach Angaben auf Telegramkanälen wurde eine Stickstofffabrik in der Stadt
Toljatti an der Wolga getroffen. Auch Ölraffinerien im Wolgagebiet seien
angegriffen worden. Offizielle Angaben gab es nur zu einem Treffer auf
einen unbewohnten Hochhausneubau in der Stadt Ufa, die etwa 1.600 Kilometer
von ukrainischem Gebiet entfernt liegt. Die ukrainischen Drohnen störten
auch den Flugverkehr an mehreren russischen Flughäfen, darunter in Moskau.
## Kremlsprecher Peskow deutet neue Verhandlungsrunde an
Die Attacken ereigneten sich kurz vor geplanten Verhandlungen zwischen den
USA und der Ukraine in Miami, die in den ukrainischen Staatsmedien
angekündigt wurden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am
Donnerstagabend, er habe eine Delegation in die USA geschickt, um die von
Washington vermittelten Gespräche über ein Ende des russischen
Angriffskriegs gegen sein Land voranzutreiben. [3][Verhandlungen zwischen
der Ukraine, den USA und Russland sind angesichts des Kriegs gegen den Iran
ausgesetzt worden].
Das Weiße Haus bestätigte zunächst nicht, dass ein Treffen mit der
ukrainischen Delegation geplant sei. Selenskyj sagte, bei den Gesprächen in
den USA werde es vor allem darum gehen, dafür zu sorgen, dass die
trilateralen Gespräche mit Russland fortgesetzt würden, und dass die
Trump-Regierung es anderen Nato-Ländern weiter erlaube, US-Waffen zu
kaufen, um diese der Ukraine zur Verfügung zu stellen.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow deutete am Freitag an, dass neue Verhandlungen
zwischen Russland und der Ukraine wahrscheinlich bald stattfinden würden.
„Die Pause ist temporär, wir hoffen, dass sie mit Blick auf die Fortsetzung
des trilateralen Formats temporär ist“, sagte er.
21 Mar 2026
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