# taz.de -- Klimagerechte Stadtplanung: Wolkenkratzer, die Wolken bilden
       
       > Je mehr Beton, desto mehr Hitze? Forscher*innen aus China und den USA
       > analysieren, wie sich Gebäude auf die Wolkenbildung in Städten auswirken.
       
 (IMG) Bild: Orte, die sich stark aufheizen: Wolkenkratzer in New York
       
       Wenn es auf der Erde wärmer wird, heizen sich Städte ganz besonders stark
       auf. Beton und Stein der Gebäude speichern die Wärme lange, mit Asphalt und
       Pflaster versiegelte Flächen verhindern, dass es nachts abkühlt. Mit der
       Folge, dass Schwangere im Sommer auf glühenden Verkehrsinseln ohnmächtig
       werden oder [1][ältere Menschen in heißen Wohnungen dehydrieren].
       
       Das Problem betrifft einen großen Teil der Weltbevölkerung. Schon heute
       leben 55 Prozent der Menschen in städtischen Gebieten, bis 2050 sollen es
       laut Prognosen 70 Prozent werden. Um Städte so zu gestalten, dass man in
       ihnen gesund leben kann, wird es also immer wichtiger, zu verstehen, wie
       sich Bauweisen, Wetter und Klima gegenseitig beeinflussen.
       
       Eine Studie, die [2][im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht
       wurde], schaut dabei auf ein Kapitel, zu dem es noch vergleichsweise wenig
       Forschung gibt: Wie wirkt sich die Gestalt von Städten auf die
       Wolkenbildung aus? Lassen sich Wolken durch physische Strukturen lokal
       verstärken?
       
       ## Die Studie
       
       Dazu analysierten Forscher*innen unter anderem aus China und den USA die
       Wolkenklimatologie von 44 US-amerikanischen Städten. Anhand von
       Satellitenbildern fanden sie zunächst heraus, dass die Städte bewölkter
       sind als ihre umliegenden ländlichen Gebiete. Anschließend untersuchten die
       Forschenden, inwiefern die städtische Struktur die Wolkenbildung
       beeinflusst.
       
       Dazu bauten sie die Städte als Computermodelle nach, wobei sich zwei
       Faktoren als zentral erwiesen: Hohe Gebäude sorgen für besonders viele
       Wolken. Wie viel es genau sind, hängt auch von der Breite der Straße davor
       ab. Und je dichter Städte bebaut sind, desto stärker nimmt die Bewölkung
       ab. Wie groß die Städte sind, machte dabei keinen messbaren Unterschied.
       
       Um die Ergebnisse zu überprüfen, simulierte das Team am Computer, wie das
       Stadtdesign Windströme, Wärme und Feuchtigkeit beeinflusst. Die
       Simulationen zeigten, dass höhere Gebäude die Aufwärtsbewegungen der Luft
       verstärken und so begünstigen, dass warme, feuchte Luft aufsteigt und sich
       flache Wolken bilden. Dicht voreinander stehende Gebäude dagegen verringern
       den Aufstieg der Luft, was die Wolkenbildung mindert.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Könnte die Stadt der Zukunft auf Basis der Erkenntnisse so gebaut werden,
       dass sie sich mittels Wolkenbildung selbst beschattet? Und dank weniger
       direkter Sonneneinstrahlung die Temperatur sinkt? Im Vergleich zu anderen
       Klimamaßnahmen in Städten wie Begrünung, Luftschneisen, [3][Entsiegelung]
       oder weißen Dächern, die Sonnenlicht reflektieren, dürfte der Effekt
       zusätzlicher Wolken marginal sein.
       
       Nichtsdestotrotz zeigt die Studie wieder einmal, wie stark wir Menschen auf
       verschiedenen Wegen Wetter und Klima beeinflussen. Und damit auch unser
       eigenes Wohlbefinden.
       
       4 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Klimakrise-in-der-Stadt/!6108432
 (DIR) [2] https://www.nature.com/articles/s41467-026-68986-0
 (DIR) [3] /Strassen-entsiegeln-200-Staedte-in-den-Niederlanden-liefern-sich-ein-Wettrennen/!6123644
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luis Bretthauer
       
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