# taz.de -- Grüne bei der Rheinland-Pfalz-Wahl: Grüne wollen sich gerne über 8 Prozent freuen
       
       > Spitzenkandidatin Katrin Eder zieht eine positive Bilanz: Man habe mit
       > Klima-Themen punkten können. Dennoch verliert sie an die SPD.
       
 (IMG) Bild: „Der Wahlkampf unseres Lebens“: Katrin Eder, Grüne
       
       Kurz nach der Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen ist Katrin Eder
       erst mal auf der Suche nach einem Glas Wasser. Die Spitzenkandidatin bahnt
       sich einen Weg durch die Grünen-Wahlparty in einem hippen Mainzer
       Co-Working-Space, wird beglückwünscht von allen Seiten. „Das war der
       Wahlkampf unseres Lebens“, sagt sie der taz und lächelt. Die ganze Partei
       habe den Wahlkampf unterstützt, vom kleinsten Dorf bis hin zur Bundesebene.
       
       Als die 49-Jährige kurz darauf auf die Bühne kommt, bricht die Menge erneut
       in Jubel aus. „Ich bin stolz auf unser Ergebnis“, ruft Eder. Das vorläufige
       Ergebnis – laut Hochrechnungen sind es rund 8 Prozent – sei ein Zeichen,
       dass die Partei einiges richtig gemacht habe. Jetzt heiße es, die Große
       Koalition in Klimafragen vor sich herzutreiben. Dafür gibt es Applaus und
       Jubel, die Stimmung ist gelöst.
       
       Dabei gibt es für die Grünen und Spitzenkandidatin Eder eigentlich nicht
       unendlich viel zu feiern. Nach 15 Regierungsjahren, zuletzt in einer
       Ampel-Koalition, müssen sie in die Opposition. Immerhin konnten sie sich
       darauf aber schon eine Weile einstellen: Dass es die FDP nicht mehr ins
       Parlament schafft und somit ein Koalitionspartner abhandenkommt, hatte sich
       abgezeichnet. Eine andere Machtoption gaben die Umfragen auch nicht her.
       
       Daher war die entscheidende Frage zuletzt eher: In welcher Größe werden die
       Grünen in den nächsten fünf Jahren in der Opposition sitzen? 9,3 Prozent
       holten sie 2021 bei der letzten Landtagswahl, um die 9 Prozent wurden ihnen
       in Umfragen auch für dieses Mal prognostiziert. Dahinter sind sie nun auch
       noch zurückgeblieben, obgleich die Last-Minute-Verluste nicht so stark
       ausgefallen sind, wie von manchen befürchtet.
       
       ## Abgegrenzt mit Klimaschutz
       
       Immer wieder hatte sich bei Wahlen in den letzten Jahren ja gezeigt: Gibt
       es zwischen zwei großen Parteien ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten
       Platz, leiden die kleineren darunter. Auf den letzten Metern schwenkt ein
       Teil ihrer Wähler:innen um. Vor zwei Wochen war in Baden-Württemberg die
       SPD in dieser Situation: Sie lag in Umfragen ebenfalls bei 9 Prozent
       [1][und landete am Ende bei 5,5.]
       
       In vertauschten Rollen gab es das Phänomen zwar auch jetzt wieder. Die
       Grünen verloren [2][laut Daten zur Wählerwanderung] die meisten Stimmen an
       die Sozialdemokraten. Sie konnten aber eben verhindern, dass es noch
       schlimmer kommt. Am Wahlabend ruft Spitzenkandidatin Eder im
       Co-Working-Space von der Bühne, es sei gelungen, den Wähler:innen zu
       zeigen: „Wir sind das Original, wenn es um Klimaschutz geht.“
       
       Sie und ihre Leute hatten die Gefahr erkannt, die vom Duell der Großen
       ausgeht. Die Spitzenkandidatin bemüht sich zuletzt tatsächlich verstärkt
       darum, sich mit einem Fokus auf die Klimapolitik vom Koalitionspartner SPD
       abzusetzen. Noch-Ministerpräsident Alexander Schweitzer warf sie in der
       letzten Wahlkampfwoche vor, dass er sich um das Aus des Verbrenner-Aus
       „besonders verdient gemacht“ habe. Vor Schwarz-Rot im Land warnte sie, da
       schon jetzt Schwarz-Rot im Bund in der Klimapolitik „das mühsam Erreichte“
       wieder rückabwickle – „unter Applaus der fossilen Lobby“.
       
       ## Einsam in der Opposition
       
       Eine gewisse Glaubwürdigkeit brachte Eder als Person dabei mit. Von sich
       reden machte sie erstmals ab 2011 als Dezernentin der Stadt Mainz für
       Umwelt und Verkehr. Sie wollte ÖPNV, Fuß- und Radverkehr stärken, den
       Autoverkehr dafür einschränken. Projekte wie Tempo 30 auf
       Hauptverkehrsstraßen sorgten für Proteste, Eder setzte sich aber durch.
       
       Seit 2021 saß sie dann im Landesumweltministerium. Auch dort boxte sie
       Projekte gegen teils heftige Widerstände durch, zum Beispiel ein
       Klimaschutzgesetz, das Rheinland-Pfalz bis 2040 klimaneutral machen soll.
       Allerdings sieht das Gesetz für 2031 eine Evaluation vor. Die neue
       Koalition könnte es zurückdrehen – und die Grünen von der Oppositionsbank
       aus nur noch zusehen.
       
       Ohnehin werden sie es im neuen Landtag schwer haben: Neben der Großen
       Koalition und der gewachsenen AfD bilden die Grünen künftig mit rund 10
       Abgeordneten die kleine demokratische Opposition. Mit Eder als
       Fraktionschefin? Kann sein. Mit Amtsinhaberin Pia Schellhammer und der
       bisherigen Vize-Regierungschefin Katharina Binz gäbe es aber auch
       Alternativen.
       
       22 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nach-Wahldebakel-in-Baden-Wuerttemberg/!6162070
 (DIR) [2] https://www.tagesschau.de/inland/landtagswahlen/landtagswahlen-waehlerwanderung-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Clara Dünkler
 (DIR) Tobias Schulze
       
       ## TAGS
       
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