# taz.de -- Israels Krieg im Libanon: Im Süden die Angriffe, in Beirut das kalte Zelt
> Mehr als eine Million Menschen im Libanon sind schon vertrieben worden.
> Doch der Krieg hat erst angefangen: Israel rückt nun mit Bodentruppen
> ein.
(IMG) Bild: Panzer auf der israelischen Seite der Grenze am 17. März 2026
Auf einer Wiesenfläche neben der Strandpromenade in Beirut hält Yasmin Ali
Bakur zwei schräg aneinander gelegte Stöcke zusammen, die ein Mann
zusammenbindet. „Wir bauen ein Zelt“, erzählt die 28-jährige Syrerin.
[1][Sie ist Mutter von vier kleinen Kindern]. „Wir haben nicht mal Decken,
um uns zuzudecken. Wir sind mit nichts rausgegangen, nur mit unseren
Klamotten. Wir können auch nicht zurück, um Sachen zu holen.“
Die Syrerin wohnt in dem Viertel Burj al-Barajneh in Südbeirut. Wegen des
Krieges schläft sie mit ihren Kindern seit zwei Wochen unter freiem Himmel.
Am Wochenende gab es heftige Regenstürme in Beirut. Sie treffen Tausende
der mittlerweile mehr als eine Million Binnenvertriebenen, die vor
israelischen Angriffen fliehen mussten. Die Notunterkünfte sind voll.
Fast ein Drittel der Fläche des Libanon sei [2][von Massenvertreibungen
betroffen], sagt Zeina Mohanna, Programmdirektorin der Amel Association,
die Verletzten und Vertriebenen mit mobilen Kliniken hilft. „Die
vertriebenen Familien fürchten, nicht mehr zurückkehren zu können.“
## Die gegenseitigen Angriffe halten an
In der Nacht auf Dienstag trafen zwei große Bombardierungen innerhalb von
zehn Minuten Südbeirut. Ein Luftangriff traf zudem ein Wohngebäude im
sunnitisch-geprägten Ort Aramoun. Die Hisbollah hat am Dienstagmorgen
Raketen auf Israel geschossen. In der Nacht auf Montag gab es in rund 50
Dörfern im Südlibanon israelische Luftangriffe und Artilleriebeschuss, die
Angriffe im Südlibanon gehen weiter.
Durch israelische Bombardierungen wurden 886 Menschen im Libanon getötet,
darunter 111 Kinder, und 2.141 verletzt, zählt das libanesische
Gesundheitsministerium.
[3][Der Einmarsch mit Bodentruppen in den Libanon hat am Wochenende
begonnen]. Libanesische Medien melden heftige Kämpfe zwischen israelischer
Armee und Hisbollah-Kämpfern um die Stadt Khiam. Khiam liegt auf einem
strategisch wichtigen Höhenzug, einen Kilometer von der israelischen Stadt
Metula entfernt. Die Hisbollah meldete am Sonntag, in Khiam einen
Merkava-Panzer und israelische Soldaten beschossen zu haben.Am Montag gab
die israelische Armee den Einmarsch weiterer Divisionen bekannt.
„Wir werden tun, [4][was wir in Gaza getan haben]“, sagte ein hochrangiger
israelischer Beamter gegenüber dem Medienportal „Axios“. Der Krieg im
Libanon könne „viele Monate dauern“, schätzten hochrangige israelische
Sicherheitsbeamte gegenüber Israels „Kanal 13“.
## Über 7.500 israelische Luftangriffe während der Waffenruhe
Das israelische Militär war zuletzt 2024 im Südlibanon einmarschiert. Human
Rights Watch dokumentierte damals zerstörte Schulen und Krankenhäuser.
Ganze Straßenzüge und Dörfer liegen bis heute in Schutt. Im Grenzdorf Kfar
Kila sind 95 Prozent der Infrastruktur zerstört.
Trotz Waffenstillstand hatte die israelische Armee noch fünf Gebiete auf
Bergen im Südlibanon besetzt gehalten, mit Überwachungstechnik und
Soldaten. Lokale Medien berichteten immer wieder von einrollenden Panzern.
[5][Die Mission der Vereinten Nationen, UNIFIL,] hatte während des
Waffenstillstands über 2.500 israelische Bodeneinsätze und über 7.500
Luftangriffe gezählt.
„Ein Großteil dieser Zerstörung ereignete sich nach dem Waffenstillstand,
als ein Großteil der Zivilbevölkerung bereits evakuiert und die Angriffe
der Hisbollah auf Israel eingestellt waren“, schreibt der ehemalige
UNIFIL-Sprecher Andrea Tenenti. Das Angriffsmuster deute darauf hin, eine
„Sicherheitspufferzone“ zu errichten – frei von der libanesischen
Bevölkerung. Südlich des Litani-Flusses leben zwischen 300.000 und 400.000
Menschen.
Libanons Regierung hatte Israel laut Berichten jüngst direkte Gespräche
über einen neuen Waffenstillstand angeboten. Zwei israelische Beamte sagten
zur Nachrichtenagentur Reuters, es solle direkte Gespräche „in den
kommenden Tagen“ geben. Der israelische [6][Außenminister Gideon Sa’ar]
dementierte das.
17 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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hunderte Soldaten.