# taz.de -- Krieg im Libanon: Die Wiederauflage der „Sicherheitszone“
> Israel plant wohl eine großflächige Bodeninvasion des Südlibanon. Doch
> das Gebiet hielt es bereits einmal jahrelang besetzt – und verlor dabei
> hunderte Soldaten.
(IMG) Bild: Nach dem Angriff: Ein beschädigtes Auto mit einem Märtyrerbild der Hisbollah, am 13. März in der Kapitale Beirut
Einberufungsbefehle, schweres militärisches Gerät entlang der Grenze,
Gefechte mit Hisbollah-Kämpfern: Vieles deutet darauf hin, dass Israel
seine Operationen im Südlibanon zu einer umfassenden Invasion ausdehnt. Die
israelische Armee wie die proiranische Miliz meldeten seit Samstagabend
Kämpfe, unter anderem im südlibanesischen Ort Chiam. Das Ziel sei, „Gebiete
einzunehmen, Hisbollah-Kräfte in Richtung Norden und weg von der Grenze zu
drängen und militärische Stellungen und Waffenlager in den Dörfern zu
zerstören“, sagte ein hochrangiger israelischer Vertreter dem
US-Nachrichtenportal Axios.
Umfassende Evakuierungsaufforderungen auch jenseits des Litani-Flusses
haben rund eine Million Libanesinnen und Libanesen zur Flucht getrieben.
[1][Viele fürchten die größte Bodenoffensive Israels im Libanon seit 2006]
– und womöglich eine erneute Besatzung. Zwischen 1982 und 2000 hielten
israelische Soldaten eine sogenannte „Sicherheitszone“ im Süden des Landes
besetzt.
Der Libanon wird damit zunehmend einer der Hauptschauplätze des
eskalierenden Irankriegs, den US-Präsident Donald Trump und Israels
Regierungschef Benjamin Netanjahu vor gut zwei Wochen begonnen haben. Doch
wie in Iran ist auch im Libanon unklar, was denn nun die militärischen
Ziele sind – und wie sie erreicht werden sollen.
## Die Hisbollah ist geschwächt – aber weiter aktiv
[2][Bis November 2024 hatte Israel zunächst in einer militärischen
Kampagne] die Hisbollah-Führung größtenteils getötet und militärisch
geschwächt. Eine diplomatische Vereinbarung hatte daraufhin die
Hisbollah-Angriffe auf Israel weitgehend gestoppt und für Druck durch
Libanons Armee und Regierung gesorgt. Israel griff dennoch weitgehend ohne
internationale Konsequenzen [3][immer wieder Hisbollah-Stellungen auf
libanesischem Gebiet an].
Netanjahu habe laut Axios an diesem Status Quo möglichst lange festhalten
wollen. Seit einem koordinierten Angriff Irans mit mehr als 200 Raketen der
Hisbollah am vergangenen Mittwoch soll sich diese Haltung geändert haben.
„Jetzt gibt es keinen anderen Weg als eine umfassende Operation“, zitiert
das Portal aus Sicherheitskreisen.
Indes sollen laut Medienberichten Gespräche unter Vermittlung Frankreichs
zwischen Israel und der libanesischen Regierung geplant sein, die jedoch
vor großen Hürden stehen. Auf libanesischer Seite sollen bereits
christliche, sunnitisch-muslimische und drusische Vertreter für eine
Delegation ausgewählt worden sein. Der schiitische Parlamentssprecher Nabih
Berri aber lehne bisher eine Teilnahme ab, berichtet die Nachrichtenagentur
AFP.
Auf israelischer Seite dementierte Außenminister Gideon Saar Pläne für
direkte Gespräche. Viele Beobachter bezweifeln zudem, dass die libanesische
Armee in der Lage oder willens ist, entschieden gegen die Hisbollah
vorzugehen und damit innere Spaltungen zu riskieren. Der Libanon blickt auf
jahrzehntelange religiös motivierte Gewalt zurück.
## Es gibt einige Unterschiede zum Krieg 2006
Doch auch Israel verbindet mit dem Land eine schmerzliche Geschichte. Fast
1.000 israelische Soldaten starben zwischen 1982 und 2000 im Libanon. Auch
damals lautete das erklärte Ziel, Angriffe auf israelisches Territorium zu
verhindern. „Stattdessen wurden die israelischen Soldaten das Ziel der
Angriffe“, sagt der Historiker Elie Podeh von der Hebräischen Universität
in Jerusalem. In Israel blieb das Gefühl, die eigenen Ziele nicht erreicht
zu haben, während die Hisbollah das Ende der Besatzung als Sieg feierte.
Langfristig warnt Podeh vor einer militärischen Besatzung: „Die Hisbollah
lässt sich ähnlich wie die Hamas in Gaza kaum militärisch besiegen und
verfügt über Mittel, um Israel auch von nördlich des Litani anzugreifen.“
Auch gebe es bisher keinen Plan, wer eine Entwaffnung der Schiiten-Miliz
umsetzen könnte.
Drei Unterschiede gebe es laut Podeh zu 2006: [4][„Heute ist die Hisbollah
erstens militärisch stark geschwächt.“] Zweitens stand sie mit Blick auf
ihre Legitimität damals wegen ihres Widerstands gegen Israel auf dem Zenit,
während heute selbst unter Schiiten ihre Unterstützung schwinde. „Drittens
gibt es heute eine libanesische Regierung, die zumindest nach außen hin
bereit zu Gesprächen mit Israel ist.“ Die israelische Führung müsse unter
diesen Umständen nach politischen Lösungen suchen, denn „wir haben genug
Beispiele gesehen, dass es einfacher ist, eine Militärbesatzung zu beginnen
als zu beenden.“
## Nicht zu verlieren genügt
Von solchem Pragmatismus ist unter israelischen Politikern bisher wenig zu
hören. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich sprach sich dafür
aus, die Hisbollah-Hochburg Dahieh in Südbeirut wie Chan Junis im
Gazastreifen vollständig zu zerstören. Auch Oppositionspolitiker wie Gadi
Eisenkot werben für Angriffe auf Infrastruktur, um die Unterstützung der
Bevölkerung für die Hisbollah zu schwächen.
Doch die Schiiten-Miliz hat einen großen Vorteil gegenüber Israel: [5][Wie
dem Regime in Teheran genügt es ihr, angesichts der militärischen Übermacht
nicht unterzugehen.] Solange sie ihre Angriffe aufrechterhalten und die
schwindenden Vorräte an israelischen Abwehrraketen schmälern kann, führen
die Kämpfe letztlich in einen Abnutzungskrieg. Und ein solcher ist nur
durch militärische Übermacht kaum zu gewinnen.
15 Mar 2026
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(DIR) Felix Wellisch
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