# taz.de -- Al-Schaara kommt nach Berlin: Deutsch-syrische Partnerschaft für Frieden
> Syriens Präsident nimmt im aktuellen Iran-Krieg eine neutrale Haltung
> ein. Das ist eine Chance für die Region, für Deutschland und die EU.
(IMG) Bild: Wird in Berlin erwartet: der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa
Welch glücklicher Zufall, dass gerade in der bisher kritischsten Phase des
Irankrieges Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa Berlin und London besucht.
Der Krieg spitzt sich zu. Die [1][Angriffe zwischen Iran und Israel] werden
intensiver, Jemens Huthis schalten sich auf iranischer Seite ein, ein Ende
der Blockade der Straße von Hormus ist nicht in Sicht und Tausende
US-Marines sind in der Golfregion für eine mögliche Bodenoperation
eingetroffen.
Ausgerechnet Syrien steht jetzt plötzlich als Insel der Stabilität im Nahen
Osten da. Al-Scharaa lässt Neutralität walten und widersteht allen
Versuchen beider Seiten, sich in den Krieg hineinziehen zu lassen. Das eint
Syrien und Deutschland – und das sollte die Regierung in Berlin nutzen.
Wäre der syrische Präsident wirklich der blutrünstige, Minderheiten
massakrierende [2][Dschihadist], als den ihn eine gewisse Propaganda von
Rojava-sympathisierenden Linken und christlichen Rechten darstellt, würde
er selbst lustvoll an der Destabilisierung des Nahen Ostens mitwirken.
Tatsächlich aber betreibt al-Scharaa, der erst im Dezember 2024 als
Rebellenchef [3][eine der brutalsten Diktaturen der Welt stürzte], eine
Politik des Ausgleichs. Und sie funktioniert gemessen am kurzen Zeitraum
bemerkenswert gut in einem Land, in dem nach Jahrzehnten Staatsterror und
Bürgerkrieg die gesamte Bevölkerung unzählige Rechnungen offen hat.
Die Integration der kurdischen Streitkräfte läuft ohne größere Probleme,
und gegen Übergriffe aus dem eigenen Lager geht die Regierung zunehmend
effektiv vor. Der März 2026 war laut Beobachtern der friedlichste Monat in
Syrien seit 15 Jahren, also seit den ersten Massenprotesten gegen die
Assad-Diktatur, deren Niederschlagung damals das Land in die Hölle führte.
## Mehr Investitionen und Austausch
Jetzt wäre der rechte Moment für Deutschland, die Zusammenarbeit mit Syrien
zu vertiefen, um das Land weiter zu stabilisieren. Investitionen und
Austausch müssen gefördert werden, nicht zuletzt um Saudi-Arabien und der
Türkei nicht das Feld zu überlassen. Und anstatt zu überlegen, wie
Deutschland seine Exilsyrer möglichst schnell wieder loswird, sollte es sie
als Brückenbauer begreifen.
Auf Basis einer solchen Partnerschaft und politischer Weitsicht könnte
Berlin mit Damaskus eine aktive Iran-Krisendiplomatie aufbauen. Um sich
nicht nur von dem Irrsinn des US-Präsidenten abzugrenzen, sondern
eigenständig diplomatisch mitzuwirken, braucht Europa Partner, die nicht
selbst Kriegspartei sind. Oder überlässt man die Diplomatie lieber Pakistan
und Oman? Dann darf man sich nicht beklagen, wenn europäische Perspektiven
unberücksichtigt bleiben.
29 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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