# taz.de -- Zusammenstöße in Syrien: „Terror, Angst und Panik“
> In Syrien eskaliert ein Streit zwischen zwei Männern – wieder einmal
> entlang konfessioneller Linien. Bekommt die Regierung in Damaskus das
> Problem in den Griff?
(IMG) Bild: Ein Mitglied der Sicherheitskräfte vor einer Kirche von Al-Suqaylabiyah, nahe der Stadt Hama
Christen in Syrien feiern Ostern ohne Straßenumzüge, Jugendprozessionen
oder Fahnen auf den Plätzen. Die wichtigsten Kirchenbehörden und
Patriarchate in Damaskus und den Küstenprovinzen sagten öffentliche Feiern
ab. Die syrisch-katholische Erzdiözese Damaskus betont den „Schutz der
Gläubigen“. Grund sind bewaffnete Auseinandersetzungen in der mehrheitlich
christlichen Stadt Al-Suqaylabiyah, nahe der Großstadt Hama.
Dort gab es am Freitag Berichten zufolge einen Streit zwischen zwei
Männern. Ein Mann soll eine Frau belästigt haben, der andere ging
dazwischen. Das eskalierte: Eine Gruppe bewaffneter Männer aus dem
Nachbarort Qalaa al-Madiq kam nach Al-Suqaylabiyah, verwüstete Geschäfte
und beschädigte Privateigentum. Videos in den sozialen Medien zeigen junge
Männer, wie sie Scheiben eines Kiosks eintreten und den Laden verwüsten.
[1][Fotos] zeigen Autos mit eingeschlagenen Frontscheiben, verbrannte
Sitzgarnituren einer Wohnung, Einschusslöcher in einer Wand neben einem
Kruzifix.
„Wir erlebten Terror, Angst und Panik“, sagte Liyan Dweir der
[2][Nachrichtenagentur AP]. Sein Bekleidungsgeschäft wurde beschossen und
schwer beschädigt. Seine Kinder seien während des stundenlangen Angriffs
verängstigt gewesen. „Es ist ungerecht, dass es wegen eines Streits zu
Zusammenstößen zwischen zwei Städten kam.“
## Der innere Frieden in Syrien ist gefährdet
In den sozialen Medien wurden verschiedene Narrative geteilt: Die
bewaffneten Männer seien mit den Truppen der syrischen Übergangsregierung
verbandelt; Sicherheitsbeamte, die der Regierung in Damaskus unterstellt
sind, seien anwesend gewesen und hätten nichts getan.
Mehrheitlich wird jedoch berichtet, dass Polizei und Armee des Staats die
Ausschreitungen beendet hätten. Der Vorfall zeigt: Selbst private Konflikte
können schnell zu einer größeren bewaffneten Auseinandersetzung eskalieren,
die entlang konfessioneller Linien ausgetragen werden und bei der alte
Rechnungen beglichen werden.
Der innere Frieden in Syrien ist gefährdet – durch bewaffnete
Gruppierungen, alte Elemente des gestürzten Assad-Regimes, ausländische
islamistische Kämpfer sowie Teile der neuen Armee unter Ahmad al-Scharaas
Übergangsregierung.
Der Interimspräsident gehörte selbst einst radikal islamistischen Gruppen
an. Unter seiner Führung hatte eine Gruppe an Milizen Machthaber Baschar
al-Assad im Dezember 2024 gestürzt. Al-Scharaa gilt heute als moderat –
doch kann die Hardliner in seinen Reihen und in den Behörden nur schwer
eindämmen.
## In Al-Suqaylabiya lag einst ein Stützpunkt Assads
Die beiden Städte, zwischen denen der Konflikt jüngst entbrannte, stehen
exemplarisch für die komplexe Lage in Syrien. Das mehrheitlich sunnitische
Qalaat al-Madiq liegt auf einem Hügel in der Al-Ghab-Ebene im Umland von
Hama. Acht Kilometer entfernt liegt Al-Suqaylabiyah. Unter Assad trennten
sie auf der Straße [3][sechs Regime-Checkpoints] und der Krieg. Die
Assad-Armee machte Al-Suqaylabiyah zu ihrem Stützpunkt, von dem aus sie von
Oppositionskräften kontrollierte Dörfer angriff. Dort lag auch eine Basis
der russischen Armee. Al-Madiq wurde regelmäßig von Al-Suqaylabiyah aus
bombardiert. Qalaat al-Madiq wurde von Rebellengruppen gehalten, die
schließlich die 54-jährige Herrschaft der Familie Assad stürzten.
Nun sind die Assad-Checkpoints in Syrien durch Kontrollpunkte der neuen
Staatstruppen ersetzt. Doch manche alten Konfliktlinien bleiben.
Am Samstag [4][protestierten] Bewohnende von Suqaylabiyah, forderten Schutz
von der Zentralregierung und das [5][Gewaltmonopol des Staates], offizielle
Institutionen sollten „unregulierter Waffen“ kontrollieren.
## Streitkräfte treffen Bischöfe
Der Kommandeur der Sicherheitskräfte in Hama, Mulhim Schantout, erklärte,
dass diese sich mit Bischöfen und Würdenträgern aus der Region getroffen
hätten. Inhaftierte, denen keine direkte Beteiligung an dem Vorfall
nachgewiesen werden konnte, seien freigelassen worden, „um die soziale
Stabilität zu stärken“. Der Hauptverantwortliche befinde sich weiterhin in
Haft, [6][so Brigadegeneral S][7][chantout]. Die zuständigen Behörden
führten die Ermittlungen gemäß den geltenden Gesetzen fort.
Nach dem Vorfall trafen sich religiöse Autoritäten der Region, um Einigkeit
zu demonstrieren. „Wir wollen eine Nation aufbauen, nicht sie durch
Zwietracht und Sektierertum zerstören“, sagte der Gemeindepfarrer von
Suqaylabiyah, [8][Louis Skaf]. „So Gott will, werden wir alle den Zustand
erreichen, in dem wir als Bürger in Syrien leben.“
## Was bleibt, ist Angst
Der Vorfall, bei dem niemand getötet wurde, zeigt eine besorgniserregende
Dynamik in Syrien: Auf einen Streit folgen Überreaktionen. Falschmeldungen
werden verbreitet. Sektiererische Narrative werden genutzt, auch um die
neue Regierung zu diskreditieren.
Was bleibt ist die reale Angst der Bevölkerung – nicht nur, aber gerade
unter religiösen Minderheiten.
Vielen sind auch die Massaker an der Küste im März 2025 und in Suweida im
Juli 2025 noch im Gedächtnis. [9][Zur Gewalt in Suweida veröffentlichte
jüngst eine unabhängige UN-Kommission einen Bericht.] Er dokumentiert drei
Angriffswellen: Die erste begingen Regierungstruppen in Begleitung von
Stammeskämpfern gegen drusische Zivilisten in Suweida. Ihnen werden
weitreichende Verstöße vorgeworfen – darunter Mord, Folter, willkürliche
Inhaftierungen und Plünderungen. Die zweite Welle begann nach israelischen
Luftschlägen, da griffen bewaffnete drusische Gruppen beduinische
Zivilisten an – und verübten ihrerseits Mord, Folter, willkürliche
Inhaftierungen, Zwangsvertreibungen und Plünderungen. In der dritten Welle
griffen Stammeskämpfer aus ganz Syrien als Vergeltungsmaßnahme drusische
Zivilisten an.
Wird es der Übergangsregierung gelingen, dauerhaft politische Lösungen für
interne Spannungen zu finden – und zwar ohne Gewalt? Der Konflikt in
Al-Suqaylabiyah zeigt erneut: Es gibt noch viel zu tun.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://apnews.com/article/syria-christians-sectarian-attacks-suqaylabiyah-d3c66fd9713084c1fbab0c307c77bcf9
(DIR) [2] https://apnews.com/article/syria-christians-sectarian-attacks-suqaylabiyah-d3c66fd9713084c1fbab0c307c77bcf9
(DIR) [3] https://english.enabbaladi.net/archives/2018/01/al-madiq-al-suqaylabiyah-cross-shelling-strong-social-bonds/?so=related
(DIR) [4] https://www.syriahr.com/%D8%A7%D8%B9%D8%AA%D8%B5%D8%A7%D9%85-%D8%B4%D8%B9%D8%A8%D9%8A-%D9%81%D9%8A-%D8%A7%D9%84%D8%B3%D9%82%D9%8A%D9%84%D8%A8%D9%8A%D8%A9-%D8%A7%D8%AD%D8%AA%D8%AC%D8%A7%D8%AC%D8%A7%D9%8B-%D8%B9%D9%84%D9%89/
(DIR) [5] https://english.enabbaladi.net/archives/2026/03/al-suqaylabiyah-unrest-in-western-hama-overshadows-christian-holidays-churches-cancel-public-celebrations/
(DIR) [6] https://english.enabbaladi.net/archives/2026/03/al-suqaylabiyah-unrest-in-western-hama-overshadows-christian-holidays-churches-cancel-public-celebrations/
(DIR) [7] https://english.enabbaladi.net/archives/2026/03/al-suqaylabiyah-unrest-in-western-hama-overshadows-christian-holidays-churches-cancel-public-celebrations/
(DIR) [8] https://www.youtube.com/watch?v=lZOnkK3bRLM
(DIR) [9] https://news.un.org/en/story/2026/03/1167210
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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