# taz.de -- Israelischer Sender Kanal 13: Netanyahu-Übernahme abgewendet
> Der einflussreiche Nachrichtensender Kanal 13 wird von einer Gruppe
> Tech-Unternehmer übernommen. Ein gutes Zeichen für die Pressefreiheit in
> Israel.
(IMG) Bild: Kanal 13 berichtet aus New York von einer Demonstration gegen Benjamin Netanyahu, 22. 9.23
Einer der wichtigsten privaten Nachrichtensender Israels, [1][Kanal 13,]
hat einen neuen Eigentümer. Laut einer Absichtserklärung von Mitte März
soll der Sender an eine Stiftung gehen. Zuvor war geplant, ihn an den
regierungsfreundlichen Unternehmer Patrick Drahi zu verkaufen. Doch was
bedeutet der Kauf für die unter Druck stehende Medienlandschaft?
Hinter der Übernahme steht ein Konsortium israelischer Tech-Unternehmer,
deren erklärtes Ziel für den Kauf die „redaktionelle Unabhängigkeit“ der
Journalisten ist. In der israelischen Medienlandschaft, die unter der
rechtsnationalistischen Regierung um Benjamin Netanjahu [2][immer stärker
unter Druck gerät], sehen viele darin einen Hoffnungsschimmer.
Zu ihnen gehört die israelische Journalistin und Gewerkschafterin Anat
Saragusti. Sie ist bei der israelischen Journalistenunion zuständig für
Pressefreiheit „Dies ist ein sehr positiver und optimistischer Schritt in
der israelischen Medienlandschaft“, sagte sie der taz. Ha’aretz schreibt,
die Übernahme sei „eine gute Neuigkeit für die Zukunft des Journalismus und
den Kampf um Israels demokratischen Charakter im Allgemeinen.“
Noch kurz zuvor sah es so aus, als wolle Eigentümer und Milliardär Len
Blavatnik an den französisch-israelischen Unternehmer und
Netanjahu-Unterstützer Drahi verkaufen. Diesem gehört schon heute einer der
direkten Konkurrenten von Kanal 13, der Sender i24-News, den er 2013
gegründet hatte. Dessen Berichterstattung zeichnet sich durch dezidiert
regierungsnahe Haltungen aus – besonders mit Blick auf den
israelisch-palästinensischen Konflikt. Nachdem die Pläne bekannt geworfen
waren, hatten Journalisten von Kanal 13 und Regierungskritiker vor einem
Monopol und einer weiteren Einschränkung der Pressefreiheit gewarnt.
## Platz 112 von 180 Ländern
Denn immer öfter kommt es zu Angriffen auf Medien: Die geplante
Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Kan, Sanktionen gegen
die linksliberale Tageszeitung Ha’aretz oder die Schließung der Büros des
katarischen Senders Al Jazeera. Die Nichtregierungsorganisation Reporter
ohne Grenzen sieht das Land bei der Pressefreiheit global auf Platz 112 von
180 Ländern.
Anders diesmal: Um die Übernahme abzuwenden, machte eine Gruppe von
Tech-Unternehmern um den Gründer der israelischen Cybersicherheitsfirma
Wiz, Assaf Rappaport, ein Gegenangebot. Die mehr als 20 Mitglieder des
Konsortiums bleiben bisher anonym, laut Ha’aretz aber ist Rappaport
„eindeutig die Hauptfigur bei dem Kauf“.
Der 42-jährige Unternehmer war eine treibende Kraft der Protestbewegung
gegen den von der Regierung seit 2023 vorangetriebenen Justizabbau.
Finanziell könnte Rappaport die Übernahme wohl auch alleine finanzieren.
Erst Anfang März wurde das von ihm mitgegründete Start-up für rund 32
Milliarden Dollar an Google verkauft.
Die Gruppe um Rappaport plant jedoch nicht, den Sender selbst zu
übernehmen, sondern Kanal 13 in die Hände der Merit-Spread-Stiftung zu
geben. Laut der Vereinbarung zahlt die Unternehmergruppe rund 25 Millionen
Dollar für die Mehrheit der Anteile, berichtet die israelische
Wirtschaftszeitung Kalkalist. Über die kommenden drei Jahre sollen zudem
weitere 125 Millionen Dollar in den Sender investiert werden, der zwischen
2022 und 2025 rund 110 Millionen Dollar Verlust gemacht hatte. Die Gruppe
um Rappaport erklärte: „Der Kauf von Kanal 13 durch die Merit-Stiftung
sichert die Zukunft des Senders und seine absolute redaktionelle
Unabhängigkeit.“
## „In fünf Minuten“ genehmigt
Die Stiftung wurde im Dezember 2021 gegründet und spielte vor allem nach
dem 7. Oktober 2023 eine wichtige Rolle bei der finanziellen Unterstützung
des Forums der Geiselfamilien, das die Angehörigen der rund 250 von der
Hamas Entführten vertrat.
Kanal-13-Eigentümer Blavatnik hatte trotz des deutlich höheren Angebots der
Tech-Unternehmer zuvor Drahis Angebot angenommen. Laut Ha’aretz soll dem
britisch-amerikanischen Milliardär aus Regierungskreisen signalisiert
worden sein, dass ein Verkauf an Drahi „in fünf Minuten“ genehmigt werde,
während die Genehmigung andernfalls „eine lange Zeit“ in Anspruch nehmen
könnte. Zudem vertritt Blavatnik mit Blick auf Israel selbst
rechts-nationalistische Positionen und hatte in der Vergangenheit
Verbindungen zu Netanjahu.
Die israelische Wirtschaftszeitung Globes berichtet jedoch unter Berufung
auf Vertraute, dass es seit dem Beginn der Korruptionsermittlungen gegen
Netanjahu 2018 keinen Kontakt mehr zwischen beiden gegeben habe.
Dass Blavatnik sich letztlich für das Angebot der Gruppe um Rappaport
entschied, ist auch dem Einsatz der Journalisten des Senders und der
israelischen Journalistenunion zuzurechnen. Besonders aber die israelische
Wettbewerbsbehörde dürfte einen Unterschied gemacht haben, deren Chef
Michael Cohen im Verlauf des Prozesses feststellte, dass ein Verkauf an
Drahi wegen dessen Kontrolle über den Sender i24News gegen die
Wettbewerbsrichtlinien verstoße.
Ein solcher Schritt sei keineswegs selbstverständlich, sagt Saragusti. Die
Regierungskoalition aus rechtsextremen Siedlern, Ultrareligiösen und dem
rechtsnationalen Likud von Netanjahu setze seit ihrem Amtsantritt 2022
alles daran, die staatlichen Institutionen und die Gewaltenteilung zu
schwächen. Erst im Februar erklärte der Oberste Gerichtshof in letzter
Minute den Entschluss der Regierung für ungültig, den in Israel populären
Nachrichtensender des Militärs, Galei Zahal, zu schließen.
„Es ist gut zu wissen, dass es noch immer Inseln von Beamten in Israel
gibt, die professionell und zum Wohle der Allgemeinheit handeln“, sagte
Saragusti. Ein redaktionell unabhängiger Kanal 13 könnte der
Gewerkschafterin zufolge ein Wendepunkt angesichts der systematischen
Angriffe auf die Pressefreiheit sein.
Wenig Auswirkungen erwartet Saragusti hingegen auf die einseitige
Berichterstattung israelischer Medien über Israels Vorgehen im
Gazastreifen, im [3][Westjordanland] sowie in den Kriegen mit der Hisbollah
und Iran. „Sich in Kriegszeiten zuerst dem Staat und der Armee verpflichtet
zu fühlen, anstatt dem Journalismus und der unabhängigen Information der
Öffentlichkeit ist leider in der DNA des israelischen Journalismus
verankert“, sagt Saragusti. Berichte über mutmaßliche Kriegsverbrechen der
israelischen Armee, Folter an Palästinensern in israelischen Gefängnissen
oder die ausufernde Siedlergewalt im Westjordanland kommen im israelischen
Fernsehen kaum vor.
Dass auch die neuen Eigentümer daran wenig ändern dürften, liest sich aus
ihrer Mitteilung zur vereinbarten Übernahme. Deren Ziel sei, einen
„zionistischen und israelischen Konsens zu etablieren“, erklärte die
Tech-Gruppe. „Die Bürger Israels verdienen einen unabhängigen,
patriotischen und starken Nachrichtensender.“
27 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [3] /Siedlergewalt-im-Westjordanland/!6165193
## AUTOREN
(DIR) Felix Wellisch
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