# taz.de -- Postsowjetische Communitys: Ist es noch akzeptabel, Russisch zu sprechen?
       
       > Der Kölner Verein Makosa will die tiefen Gräben in den postsowjetischen
       > Communitys überwinden. Dabei setzt er auf spielerische Formate.
       
 (IMG) Bild: Politische Bildung geht auch mit Bier: Quiz über die Migrationsgesellschaft in einem georgischen Restaurant in Nürnberg 2024
       
       Raten Sie mal: Wie viele Russischsprachige aus postsowjetischen Ländern
       leben denn in Deutschland? Mit solchen Schätzfragen konfrontieren Yuriy
       Krotov und Max Gede ihr Publikum. Von ihren Quizteilnehmer*innen
       erwarten sie nicht nur eine Antwort, sondern vor allem eine gute Begründung
       dafür, wie sie auf die Zahl gekommen sind, die sie dann nennen.
       
       „Den Demokratiemuskel trainieren“, sagt Max Gede dazu. Zu solchen
       Quizrunden lädt der Kölner Verein Makosa etwa an Volkshochschulen, in
       Schulen, Stadtverwaltungen und neuerdings auch in einer JVA ein. Aus der
       ersten Idee mit unterschiedlichen Quizrunden haben sie bei Makosa
       inzwischen auch Rollenspiele oder Theaterformate entwickelt.
       
       Eine Minute gibt Max Gede den Gruppen, sich auf eine Antwort und die
       Herleitung zu verständigen. Dann dürfen alle nacheinander ihre Zahl und die
       Argument darlegen. Schließlich folgt die Auflösung: Das Team präsentiert
       die korrekte Zahl und dazu außerdem den Kontext, ihre Quellen und relevante
       Statistiken. Sie weisen auch darauf hin, falls etwas an den Zahlen
       kritikwürdig ist, wenn etwa die Daten, die der Antwort zugrunde liegen,
       sehr lückenhaft sind.
       
       Das ist auch bei der oben genannten Frage der Fall, denn die Antwort muss
       mit geschätzten Werten arbeiten. „Schätzungsweise 4,7 bis 5 Millionen
       Menschen“ ließen sich postsowjetischen Bezügen zuordnen, heißt es in der
       Antwort in ihrem Quiz.
       
       ## Größte Migrantengruppe in Deutschland
       
       Darunter fallen nach ihrer Definition Spätaussiedler, [1][also
       Russlanddeutsche], [2][jüdische Kontingentflüchtlinge] und jeweils deren
       Familienangehörige, Menschen, die aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion
       eingewandert sind, Flüchtlinge aus der Ukraine und Dissident*innen aus
       Russland und Belarus. Die postsowjetische Community sei damit die größte
       Migrant*innengruppe in Deutschland. Zum Vergleich: Es leben
       gleichzeitig rund 2,9 Millionen türkeistämmige Menschen in Deutschland.
       
       Und in diesem relevanten Teil der Migrationsgesellschaft rumort es. Mit der
       [3][Vollinvasion Russlands in die Ukraine] kam es zu großen Verwerfungen in
       russischsprachigen und ukrainischen Communitys in Deutschland. Vereine
       zerstritten sich bitterlich, nicht nur über politische Positionierungen,
       sondern auch entlang der Frage, ob es noch akzeptabel ist, Russisch zu
       sprechen.
       
       Eltern und Kinder entzweiten sich, weil Mitglieder der älteren Generationen
       den Angriffskrieg teils befürworteten oder Putin unterstützen, während ihre
       Kinder und Enkel ihn ebenso vehement ablehnten. „Wir waren damals wie eine
       ambulante Feuerwehr“, sagt Yuriy Krotov, der lange für den BVRE gearbeitet
       hat, den [4][Bundesverband russischsprachiger Eltern]. Als Dachorganisation
       verschiedenster Vereine fördert der BVRE die politische Bildung in der
       russischsprachigen Community.
       
       Die Quizformate von Makosa sind eine Art, diesen Konflikten zu begegnen,
       als kreative Form, um gesellschaftlichen Dialog sozusagen wieder einzuüben
       – und vielleicht auch, um auf das zu verweisen, was die Menschen am Ende
       doch verbindet, auch wenn sie in politischen Meinungen gerade eher krass
       auseinanderstreben.
       
       Krotov und Gede sagen, sie machten gute Erfahrungen damit, auf diese Weise
       auch „heterogene Gruppen mit Konfliktpotenzial“, wie sie es nennen,
       zusammenzubringen. „Vielleicht erst mal so weit, dass man überhaupt mal
       wieder miteinander spricht“, sagt Krotov.
       
       ## Wegen der Krise
       
       „Den Verein Makosa haben wir vor vier Jahren explizit wegen der Krise und
       nur dafür gegründet, um neben den Quizen eine ganze Reihe an Spielen und
       spielerischen Formaten für politische Bildung und kulturellen Austausch zu
       entwickeln“, sagt Gede.
       
       Quizformate gibt es inzwischen etwa zu Sprache, zur Migrationsgesellschaft
       und zu Verschwörungstheorien. Und was in den Post-Ost-Communitys
       funktioniere, ließe sich auch für andere Gruppen und für die
       Dominanzgesellschaft nutzbar machen, meinen sie. So könnte der
       gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden.
       
       Die [5][beiden kommen auch zum taz lab] – Besucher*innen können es dort
       also direkt ausprobieren.
       
       16 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Museum-fuer-russlanddeutsche-Geschichte/!6041045
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Kontingentfl%C3%BCchtling
 (DIR) [3] /Schwerpunkt-Krieg-in-der-Ukraine/!t5008150
 (DIR) [4] https://bvre.de/home.html
 (DIR) [5] /programm/2026/tazlab2026/de/events/1783.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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