# taz.de -- Ei-Ersatz zum Osterfest: K…n … ist auch …ne Lösung
> Zu Ostern werden die Eier knapp. Wie pflanzlicher Ersatz Klima,
> Hühnerleben und den Geldbeutel schont – und wie das Backen damit am
> besten gelingt.
Nein, das ist keine Katastrophe: Ausgerechnet kurz vor Ostern sind Eier in
manchen Läden knapp, zeitweise sogar ausverkauft. Teurer als zuletzt sind
sie flächendeckend. Ein Ei der Größe S aus konventioneller Bodenhaltung
kostet mittlerweile um die 25 Cent, die Biovariante 40 Cent. Das liegt
daran, dass viele Legehennen getötet wurden, um Ausbrüche [1][der
Vogelgrippe] und seit Kurzem der Newcastle-Krankheit zu stoppen. Die Preise
sind auch wegen der allgemeinen Inflation gestiegen.
Dass Hühnereier jetzt teurer sind, hat auch einen großen Vorteil:
Pflanzlicher Ei-Ersatz wird ökonomisch attraktiver. Bio-Alternativprodukte
in Pulverform ersetzen ein Ei als Backzutat zum Beispiel für rund 25 Cent.
Wenn die Menschen jetzt weniger Hühnereier essen, ist das besser für Tiere,
Umwelt und die Welternährung.
So lassen sich Eier ersetzen
Am besten [2][lassen sich Hühnereier da austauschen], wo sie als
Bindemittel fungieren – also in Pancakes, Waffeln, Kuchen und so weiter.
Einfach in den einschlägigen Rezeptdatenbanken im Internet zum Beispiel
„Kuchen ohne Ei“ eingeben. In diesen Rezepten sind die Zutaten dann so
zusammengestellt, dass der Teig auch ohne Ei funktioniert. Teilweise sehen
sie statt Eiern zum Beispiel Leinsamen, Apfelmus oder Bananen vor, so weit
es geschmacklich passt. Wer weiter seine alten Rezepte verwenden und die
Eier möglichst leicht ersetzen will, kann fertige Alternativprodukte in
Pulverform kaufen. Sie enthalten etwa Kichererbsenmehl und werden mit
Sprudelwasser gemischt. Dadurch werden Kuchen so fluffig wie mit Eiern.
Für Rührei, Omelette oder Tortilla eignen sich diese Produkte aber nicht.
Für solche Anwendungen gibt es andere Alternativen in Form von Flüssigkeit
oder Pulver. Anders als in Gebäck ist hier aber der Geschmack der
Ersatzprodukte sehr wichtig – und der ist nicht jedermanns Sache.
Ei-Ersatz ist besser für Tiere
Die meisten Legehennen in Deutschland leben in Bodenhaltung: Tausende
Hühner sind in einer riesigen Halle untergebracht, je neun Tiere müssen
sich einen Quadratmeter teilen. Es gibt keinen Auslauf und kaum
Rückzugsmöglichkeiten. Sie stehen, trinken und fressen, wo sie koten. „Vom
schmutzigen Boden steigen belastende Ammoniakdämpfe auf“, berichtet der
Deutsche Tierschutzbund. In der Enge und mangels Beschäftigung würden sich
viele einander die Federn auspicken.
Aufgrund der unnatürlich hohen Ei-Anzahl und der Haltungsbedingungen werden
zahlreiche Hennen krank. Am Ende der Legeperiode – also oft nach nur einem
Jahr – werden die Tiere geschlachtet. Das gilt auch für die laut Statischem
Bundesamt lediglich 25 Prozent Hennen in Freiland- und 15 Prozent in
Biohaltung. Immerhin gibt es dort Auslauf. Ei-Ersatz dagegen basiert auf
Pflanzen.
Ei-Ersatz ist besser fürs Klima
1 Kilogramm Hühnerei verursacht dem [3][Institut für Energie- und
Umweltforschung Heidelberg zufolge] den Ausstoß von 3 Kilogramm
CO2-Äquivalenten. Grund ist vor allem das Futter der Legehennen. Es enthält
etwa Soja. Das meiste stammt aus Nord- und Südamerika, zum Beispiel aus
Brasilien. Wenn für den Sojaanbau Regenwald gerodet wurde, hat es eine sehr
schlechte Klimabilanz. Leinsamen dagegen kommen in der selben Studie nur
auf 1,4 Kilogramm CO2-Äquivalente. Auch andere pflanzliche Ersatzstoffe
liegen weit unter den Treibhausgasemissionen von Hühnereiern.
Ei-Ersatz ist besser für die Welternährung
Aus etwa 100 Kalorien Getreide, die an eine Henne verfüttert werden, erhält
man einer Studie der [4][Universität von Minnesota] zufolge nur etwa 22
Kalorien in Form von Eiern. Den Rest verbraucht das Huhn für seine
Lebenserhaltung. Würde das verfütterte Getreide direkt gegessen, könnten
damit deutlich mehr Menschen ernährt werden.
Ei-Ersatz liefert genügend Nährstoffe
Im Vergleich zu Hühnereiern sind Ei-Ersatzpulver eher nährstoffarm,
schreibt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Ein Nährstoffmangel
ist dennoch nicht zu befürchten“, [5][ergänzen die Experten dort]. Denn
Eiweiß beziehen die meisten Menschen schon aus anderen Lebensmitteln zu
genüge. Rechnet man die Zahlen der Nationalen Verzehrstudie hoch, kommt man
auf einen Eierverzehr von rund 116 Eiern pro Jahr und Kopf. Dazu kommen
noch die Eier, die etwa in Kuchen, Gebäck oder Auflauf enthalten sind. Laut
aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist aber
schon ein Ei pro Woche ausreichend.
Ei-Ersatz ist praktisch
„Produkte in Pulverform sind platzsparend, bedürfen keiner kostspieligen
Kühlung, punkten mit einer langen Haltbarkeit und können nicht brechen“,
sagt Virginia Cecchini Kuskow von der Vegetarierorganisation ProVeg.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /H5N1-Virus-in-den-Niederlanden/!6148972
(DIR) [2] /Kolumne-Pflanzen-Essen/!5529501
(DIR) [3] https://www.ifeu.de/fileadmin/uploads/Reinhardt-Gaertner-Wagner-2020-Oekologische-Fu%C3%9Fabdruecke-von-Lebensmitteln-und-Gerichten-in-Deutschland-ifeu-2020.pdf
(DIR) [4] https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/3/034015/pdf
(DIR) [5] https://www.verbraucherzentrale-berlin.de/pressemeldungen/lebensmittel/ostern-ohne-ei-105925
## AUTOREN
(DIR) Jost Maurin
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