# taz.de -- Engpass vor Ostern: Gibt es genug Eier für alle?
> Die Nachfrage ist ungebrochen hoch, besonders vor den Feiertagen. Doch
> Tierseuchen sorgen für Probleme bei der Produktion.
(IMG) Bild: Legehennen wie diese hier sollen die Eier für Ostern liefern – und haben dabei oft noch viel weniger Platz als in dieser Biofarm
dpa/taz | Rot, gelb oder grün – bunte Eier stoßen zum Osterfest nicht nur
bei Kindern auf Begeisterung. Hunderte Millionen werden jedes Jahr verkauft
oder selbst gefärbt. Doch wer in diesem Jahr zum Fest Eier kaufen möchte,
muss gelegentlich improvisieren: Die Regale in Supermärkten und Discountern
sind teils nicht so gut gefüllt wie gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die
Auswahl ist eingeschränkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten im
Überblick.
## Wie ist die Lage in den Geschäften?
Kund:innen stehen in diesen Tagen manchmal vor vollständig oder fast
leeren Regalen. Dies war zuletzt unter anderem in einigen Edeka-Märkten in
Berlin zu beobachten. „Aufgrund von Lieferschwierigkeiten sind unsere Eier
nicht oder nicht in vollem Umfang verfügbar“ – das war auf Schildern an den
Regalen zu lesen. Wie eine Sprecherin der Edeka-Region Minden-Hannover
mitteilte, ist die Verfügbarkeit von Eiern weiterhin eine Herausforderung
für den Handel. Durch gezielte Umlagerungen innerhalb des Absatzgebietes
könnten die Händler in weiten Teilen aber die Grundversorgung
sicherstellen.
Andere Händler berichten ebenfalls von Problemen. Der Eiermarkt sei derzeit
angespannt und das Angebot teilweise begrenzt, sagte Frederic Knaudt vom
Lebensmittellieferdienst Picnic. Punktuell könne es zu Engpässen kommen.
Ein Rewe-Sprecher sagte: „Die Situation bleibt aufgrund der
[1][Vogelgrippe] und der [2][Newcastle-Krankheit] für die gesamte Branche
herausfordernd.“
Der Discounter Lidl registrierte vor Ostern eine höhere Nachfrage nach
Eiern. Grundsätzlich sei die Warenversorgung aber sichergestellt. Von
Kaufland hieß es: „Sollte es bei einzelnen Artikeln zu kurzzeitigen
Lieferverzögerungen kommen, sorgt unsere tägliche Belieferung dafür, dass
die Regale schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden.“
## Wie hat sich der Eierkonsum zuletzt entwickelt?
Die Menschen in Deutschland essen immer mehr Eier. Pro Kopf wurden im
vergangenen Jahr im Schnitt 252 Stück verzehrt. Das waren vier Eier mehr
als im Vorjahr, als ebenfalls ein Anstieg verzeichnet worden war. Das gab
das [3][Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) kürzlich auf Basis
vorläufiger Zahlen] bekannt. Der Konsum nimmt der Behörde zufolge bereits
seit 2022 kontinuierlich zu. Damals lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei
durchschnittlich 234 Eiern im Jahr. In den Zahlen sind auch verarbeitete
Eier inbegriffen.
## Wie viel höher ist die Nachfrage zu Ostern?
Deutlich höher, wie Zahlen des Marktforschungsinstituts YouGov zeigen. Im
März und April 2025 wurden in Deutschland pro Monat rund 1,1 Milliarden
Eier gekauft und damit etwa 14 Prozent mehr als in den übrigen Monaten, als
es im Schnitt etwa 973 Millionen waren.
Etwa 90 Prozent der im März und April gekauften Eier sind roh, der Rest
bunte, gekochte Eier. 2025 wurden 108 Millionen bunte gekochte Eier
erworben – 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Laut YouGov könnte das mit dem
steigenden Bedürfnis nach Bequemlichkeit zusammenhängen. Die Zahl der
gekauften rohen Eier ist zuletzt ebenfalls gestiegen, allerdings nicht so
stark.
## Warum werden mehr Eier gegessen?
Der Leiter des BZL, Josef Goos, sieht mehrere Gründe für die Entwicklung.
„Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar.“ Ein
weiterer Grund könne der Trend zu vegetarischer Ernährung oder Low Carb
sein. Goos bezeichnet die aktuelle Marktlage als schwierig und angespannt.
„Auf der einen Seite haben wir eine erneut gestiegene Nachfrage nach Eiern.
Auf der anderen Seite sehen wir sinkende Tierbestände“, sagte der Experte.
Als Ursachen nannte auch er die Vogelgrippe, die neu aufgetretene Krankheit
Newcastle Disease sowie den Rückbau der Kleingruppenhaltung.
## Was hat es mit der Krankheit Newcastle Disease auf sich?
Im Februar kam es in Brandenburg und Bayern zu mehreren Ausbrüchen der
hochansteckenden Krankheit. Die Seuche trat hierzulande zuletzt vor rund 30
Jahren auf. Die Forscher:innen schätzen die Gefährdungslage für
Geflügel- und andere Vogelarten als erheblich ein. Betroffen sind vor allem
Hühner und Puten, aber auch andere Vogelarten können das Virus in sich
tragen, verbreiten und selbst erkranken. Für Verbraucher:innen ist die
Krankheit nicht gefährlich.
Das Virus wird [4][laut Friedrich-Loeffler-Institut] über die Körpersekrete
und den Kot erkrankter Tiere ausgeschieden. Betroffene Tierbestände müssen
sofort getötet werden. Vögel, Fleisch von Geflügel und Eier dürfen
innerhalb der eingerichteten Sperrzonen nicht aus dem Bestand heraus
gebracht werden. In Brandenburg mussten bis zur vierten Märzwoche rund 2,1
Millionen Tiere getötet werden. Für die Krankheit gibt es eine Impfpflicht.
Eine Infektion ist trotz Impfung möglich, geimpfte Tiere sind allerdings
schwerer zu infizieren.
Nach Angaben des Bundesverbands Ei, der die Eierwirtschaft in Deutschland
vertritt, sind die Folgen von Newcastle Disease und Vogelgrippe in den
Ställen deutlich spürbar. Durch die Seuchen habe man hierzulande bisher
ungefähr 4 Prozent der Legehennen verloren, sagte Verbandschef Hans-Peter
Goldnick. Das sei angesichts der hohen Nachfrage eine entscheidende Größe.
## Kann Deutschland seinen Eierbedarf decken?
Nein. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 15,3 Milliarden Konsumeier erzeugt,
etwas mehr als 2024 (15,2 Milliarden). Der Inlandsbedarf konnte damit nur
zu 72 Prozent mit heimischer Ware gedeckt werden. Der Selbstversorgungsgrad
ging bereits das vierte Jahr in Folge zurück. Um die hohe Nachfrage zu
bedienen, muss Deutschland mehr als ein Viertel des Bedarfs importieren.
Wichtigstes Lieferland für Schaleneier sind die Niederlande mit einem
Anteil von 69 Prozent, gefolgt von Polen mit knapp 16 Prozent.
## Wie entwickeln sich die Preise?
Verbraucher:innen in Deutschland mussten für Eier zuletzt – wie für
viele andere Lebensmittel auch – deutlich mehr bezahlen: Im Februar waren
Eier [5][nach Angaben des Statistischem Bundesamts] im Schnitt 14,5 Prozent
teurer als im Vorjahresmonat. Auch die Großmarktpreise liegen dem
Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) zufolge auf einem sehr
hohen Niveau.
Die jüngste Knappheit dürften die Kund:innen von Discountern und
Supermärkten aber nicht unmittelbar im Geldbeutel spüren. Der
Lebensmitteleinzelhandel habe feste Jahresverträge mit den Produzenten,
sagte MEG-Expertin Margit Beck. Es gebe keine Veranlassung, vor Ostern an
der Preisschraube zu drehen.
Auch Eier-Verbandschefs Goldnick rechnete nicht damit, dass der derzeitige
Engpass kurzfristig zu weiteren Preiserhöhungen führen wird. Im Spätsommer
verhandeln Produzenten und Lebensmittelhandel demnach aber über neue
Lieferverträge. Goldnick ging davon aus, dass angesichts der Lage viele
dort auch höhere Preise einfordern werden.
Und: Die Ei-Knappheit hat auch einen Vorteil, nicht nur für Fans der
pflanzlichen Ernährung. [6][Pflanzliche Eiersatzprodukte] werden preislich
attraktiver – und sie sind in der Regel besser fürs Klima, für Tiere und
weltweite Nahrungssicherheit.
3 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /H5N1-Virus-in-den-Niederlanden/!6148972
(DIR) [2] /Gefluegel-Seuche-Newcastle-Krankheit/!6168014
(DIR) [3] https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/0611080-2025.pdf
(DIR) [4] https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/newcastle-krankheit-nd/
(DIR) [5] https://www.destatis.de/DE/Home/_documents/_aktuelles/text-ostern.html
(DIR) [6] /Ei-Ersatz-zum-Osterfest/!6162821
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