# taz.de -- Jessie Buckley gewinnt Oscar: Nach der Trophäe ist vor der Trophäe
> Chloé Zhao gewann bereits für „Nomadland“ den Regie-Oscar. Für „Hamnet“
> wurde sie diesmal nicht ausgezeichnet, dafür aber Hauptdarstellerin
> Jessie Buckley.
(IMG) Bild: Jessie Buckley hat den Oscar als beste Hauptdarstellerin in „Hamnet“ gewonnen; 16.03.2026
Als die Regisseurin Chloé Zhao 2021 schon einmal auf der Oscar-Bühne stand
und in die wenigen, mit Coronamasken bedeckten Gesichter schaute, zitierte
sie die ersten Worte des auf dem Konfuzianismus beruhenden chinesischen
Lehrgedichts „Drei-Zeichen-Klassiker“: „Am Anfang ist der Mensch gut.“
Sie hatte soeben, als zweite Frau (und erste mit asiatischen Wurzeln)
überhaupt, die Trophäe für die „Beste Regie“ für ihren dritten Langfilm,
das sozialkritische, dokumentarisch anmutende [1][Independent-Drama
„Nomadland“] verliehen bekommen. Ein kleiner Trailer, mit dem die
US-amerikanische Oscar-Academy sie eingeführt hatte, porträtierte die
damals 38-jährige als Künstlerin, für die Film das ultimative „walking in
another one’s shoes“ bedeutet.
Apropos Schuhe: Bei der Entgegennahme der vielfachen Auszeichnungen in
Hermès-Kleid und Sneakern (!) und mit langen geflochtenen Zöpfen wirkte die
in Peking geborene, mit 18 nach Los Angeles gezogene Regisseurin, die sich
selbst als „neurodivergent“ bezeichnet, zurückhaltend, ungläubig,
überwältigt. Das Spotlight überließ sie nach den Dankesworten schnell ihrer
stacheligen Hauptdarstellerin Frances McDormand, die vor Freude wie ein
Wolf, besser: wie eine Wölfin heulte.
Sonntagnacht hat Zhao, die nach dem Erfolg von „Nomadland“ 2021 mit
„Eternals“ als zweite Frau eine mythisch und visuell ungewöhnlich
eigenständige Marvel-Großproduktion verantworten durfte, nun ein weiteres
Mal Oscar-Historie mitgeschrieben.
Mit ihrem [2][in acht Kategorien nominierten letzten Werk „Hamnet“] beweist
Zhao nicht nur, dass ihr Talent zum „Worldbuilding“ für jede Welt
funktioniert: Die nach einem Roman adaptierte Geschichte über die Trauer
von William Shakespeare und seiner Frau Agnes über den Tod ihres Sohnes
„Hamnet“, der drei Jahre vor der Entstehung von „Hamlet“ verstarb, spielt
im 16. Jahrhundert und zieht Zuschauer:innen mit seinen immersiven, wie
Gemälde wirkenden Bildern vom ersten Augenblick an in den Bann. Vor allem
erzählt sie jedoch das universale Gefühl des Verlusts – und schickt sowohl
das Publikum als auch die Eltern über einen Schmerz-Parcours.
## Jessie Buckley als Agnes Shakespeare
Berührend, und damit überhaupt aushaltbar wird dieser Parcours durch die
Hauptdarstellerin: Mit der irischen Schauspielerin [3][Jessie Buckley] als
Agnes Shakespeare hat Zhao eine empathische Künstlerin gefunden, die aus
der wenig erforschten Agnes (oder Anne) eine faszinierende und in aller
zeitlichen Entrücktheit nahbare Figur macht. Buckley wurde dafür für einen
„Best Actress“-Oscar nominiert und gewann den Preis am Sonntagabend.
Der 36-jährigen, die ihr Handwerk klassisch auf der Londoner „Royal Academy
of Dramatic Art“ erlernte und nach vielen Theater- und Filmproduktionen
bereits 2019 im kalt-düsteren 19.-Jahrhundert-Seriendrama „Taboo“ neben Tom
Hardy brillierte, quillt das Talent aus allen Poren. Momentan bewahrt sie
Maggie Gyllenhaals eklektisches Horror-Remake „The Bride!“ vor der
Lächerlichkeit, der sich der Film ohne sie preisgeben müsste.
Und ihre aktuelle Produktion verspricht ebenfalls visuelle und
storytechnische Extreme: Neben Dakota Johnson, Saoirse Ronan und Josh
O'Connor spielt Buckley in einer von [4][Alice Rohrwacher] inszenierten
filmischen Adaption des Bilderbuchs „Drei Schwestern“ (das im Original
etwas aufmerksamkeitsträchtiger „Three incestuous sisters“ heißt).
Buckley, soviel steht fest, ist ebenso furchtlos gegenüber Gefühlen,
Abgründen und deren Wechselwirkungen wie ihre „Hamnet“-Regisseurin.
Zumindest Buckle wurde Sonntagnacht die große Anerkennung zuteil.
Vielleicht ja gar wieder jemand wie eine Wölfin geheult.
15 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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