# taz.de -- Dating über 40: Der schöne Sch-Laut
       
       > Unsere Kolumnistin ist verknallt. Und der Typ vielleicht auch in sie –
       > weil sie das „sch“ in Oberschöneweide so lasziv ausspricht.
       
 (IMG) Bild: Ssssschöneweide, oder das Date meint: Attraktivitätsfaktor +
       
       S. fragt, ob ich mit ihm tanzen gehen möchte. Heute. Ich habe noch zwei
       weitere spontane Angebote für Dates, aber ich schlage alle aus, ich brauche
       mal einen Abend zu Hause. Als mein Therapeut ein paar Monate nach meiner
       Trennung von meinem Freund gesagt hatte: „Sie können heute noch einen Mann
       haben!“, war ich nicht nur irritiert, sondern auch skeptisch (und trennte
       mich kurz danach auch vom Therapeuten), aber [1][Dating-Apps] machen’s
       möglich, das weiß ich mittlerweile. Heute aber antworte ich S.: „Ein
       anderes Mal gerne.“ Er antwortet: Klar, das machen wir.
       
       Und schreibt ein paar Tage später, er sei gerade mit dem Rad durch meinen
       Kiez gefahren. „Nächstes Mal sag vorher Bescheid, dann trinken wir einen
       Kaffee zusammen“, antworte ich. Er reagiert mit einem Smiley. Kurz darauf
       kommt noch eine Nachricht von ihm: Am Freitag habe er ein freies
       Zeitfenster zwischen 16 und 18 Uhr, nach der Arbeit und bevor er sein Kind
       übernimmt; ob ich dann einen Kaffee trinken wolle? Das ist wirklich sehr
       konkret und sehr unflexibel, aber so ist es eben mit Kindern, außerdem mag
       ich seine Nachrichten (und seine Fotos), und Zeit habe ich auch.
       
       „Ich trage eine grüne Jacke und bin etwas nervös“, schreibt S. kurz vor
       unserem Treffen ein paar Tage später. Das finde ich süß. Meine eigene
       Nervosität bei ersten Dates hält sich meist in Grenzen, ich erwarte nichts
       von ihnen, außer ein paar Stunden guter Unterhaltung. Und die bekomme ich
       in der Regel. Allein schon, weil mich das Leben fremder Menschen
       interessiert und ich Profi im Fragenstellen bin.
       
       S. bestellt Cheesecake. Endlich mal ein Mann, der dem Zucker nicht
       abgeschworen hat. Ich bestelle natürlich auch Cheesecake. S. spricht
       Deutsch, obwohl es nicht seine Muttersprache ist, und obwohl wir uns im
       Chat in seiner Sprache unterhalten hatten. Mir gefällt, dass er mir so
       entgegenkommt. Mündlich bin ich in seiner Sprache wesentlich unsicherer,
       und ich mag seinen Akzent. Er erzählt, wie er sich selbst beim Tanzen
       beobachtet, „Defizite“ bemerkt habe und an diesen nun arbeiten wolle. Das
       finde ich so schräg wie süß. Am Ende streicht er über meinen Ärmel, „ganz
       weich“, und um mich ist es geschehen.
       
       ## Wir küssen uns, sanft, vorsichtig, tastend
       
       Ich schreibe meinen Freundinnen, dass ich ein bisschen verliebt sei.
       Gleichzeitig frage ich mich, ob es Fetischisierung ist – ich schmelze bei
       diesem Akzent einfach dahin. Aber S. ist auch einfach charming.
       
       In der Woche darauf besuchen wir einen [2][Tanzkurs], Drop-in, und gehen
       danach noch etwas trinken. Ich bringe ihm bei, zu Oberschöneweide
       oberschweineöde zu sagen, eine Herausforderung für seine Zunge.
       
       Dann sagt er, dass er meinen Sch-Laut mag. Wie bitte? Es gibt jemanden, der
       das Sch als Laut mag, auch noch meines; was ist die Steigerungsform von
       Himmel?! „Dann sage ich jetzt besonders oft ‚sch‘“, sage ich, leicht
       lasziv. „Für mich?“, fragt er, als hätte ich ihm eine Liebeserklärung
       gemacht. Wir sind längst so nah aneinander gerückt, dass wir uns fast
       berühren, er beugt sich noch ein wenig weiter vor und wir küssen uns,
       sanft, vorsichtig, tastend.
       
       Es ist spät, ich bin müde, muss am nächsten Tag arbeiten. Wir verabschieden
       uns mit noch einem Kuss. Am nächsten Mittag eine Nachricht von ihm. „Wie
       läuft dein Tag?“, fragt er, und in Klammern: („Wie schön waren die Küsse
       gestern.“)
       
       15 Mar 2026
       
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       Mira Milborn ist krank und will sich schonen. Am Ende ist der entspannte
       Spaziergang dann aber doch nicht jugendfrei.