# taz.de -- Dating Ü40: Ein Backshop-Date fällt beinahe aus
       
       > Fast hätte unsere Kolumnistin ihr Date sitzen lassen – sie hat genug vom
       > Trinken und vom Bettwäschewechseln. Doch Tanzvibes stimmen sie um.
       
 (IMG) Bild: Vom Kitkat in den Backshop, vom Drink zum Bettlakenwechsel
       
       O. schreibt, dass er sich verspätet – er ist in die falsche Bahn
       eingestiegen. Ich laufe einmal durch die Bar, suche nach freien Plätzen.
       Zurück am Tresen, sehe ich jemanden die Bar betreten, der den Fotos auf O.s
       Profil sehr nahekommt. Plötzlich will ich nur noch nach Hause. Ich gehe an
       ihm vorbei, als hätte ich ihn nicht gesehen, raus auf die Straße und laufe
       ein paar Schritte. Obwohl O. im Chat witzig war und ich mich auf das
       Treffen gefreut habe, habe ich auf einmal keine Lust mehr. Auf dieses Date
       nicht und auf [1][Dating] überhaupt. Auf dieses ständige Aufräumen, Putzen,
       Bettwäschewechseln, auf immer neue Bars, auf das viele Trinken. Vielleicht
       ist es auch nur ein akuter Overkill: Ich hatte diese Woche schon zwei
       Dates, mit O. sind es drei, und morgen, am Sonntag, anders ließ es sich
       nicht organisieren, treffe ich mittags M. und abends N.
       
       Aber O. jetzt einfach stehen lassen? Nein, so bin ich auch nicht. Ich ringe
       ein wenig mit mir und gehe zurück zur Bar; ich muss ja nicht lange bleiben.
       O. steht noch immer halb in der Tür. Ich versuche mich an einer
       halbherzigen Erklärung, doch er winkt ab.
       
       Drinnen ist es immer noch voll, wir ziehen weiter. Schließlich drückt O.
       zielstrebig eine Tür auf; ihm ist kalt. Das Interieur erinnert vorne an
       einen Backshop mit Café, der hintere Teil sieht aus wie eine Shisha-Bar:
       niedrige, schwarz lackierte Tische mit Metallfüßen, quadratische
       Plüsch-Hocker, die Wände teils schwarz angemalt, teils verspiegelt. O.
       wählt eine erhöht gelegene Nische an der Wand aus, von wo wir einen guten
       Überblick haben.
       
       Nur der Tresen ist von hier aus nicht zu sehen. O. geht Drinks ordern,
       Negroni für sich, Aperol Spritz für mich, und kommt und kommt nicht zurück.
       Gegangen sein wird er nicht, sein Handy liegt neben mir. Ich hole meins aus
       der Tasche und gebe einer Freundin ein kurzes Update. Nachdem ich gestern
       noch mit einem Date über [2][K.-o.-Tropfen] gesprochen habe, frage ich mich
       nun, ob es okay ist, dass ich einen mir vollkommen fremden Mann meinen
       Drink holen lasse, aber wische den Gedanken beiseite. O. kommt mit den
       Getränken zurück. Wir spekulieren, wie es zu dieser geschmacksverirrten
       Einrichtung gekommen sein kann. Er erzählt von einem Verwandten, der im
       Bundestag sitzt, was mich bezüglich meiner K.-o.-Tropfen-Gedanken irgendwie
       weiter beruhigt.
       
       Ich erzähle von meinem gestrigen Date im [3][Kitkat-Club], und plötzlich
       nimmt O. mich ganz anders wahr. Klar. Ich komme nett, bürgerlich, etwas
       schüchtern rüber. Aber wenn man schon mal in einem Fetisch-Club war, kann
       man immer noch nett, bürgerlich, schüchtern sein, aber wirkt immerhin ein
       wenig verwegen. Ich hole neue Drinks, wir rücken näher zusammen und
       knutschen. Dann wird es Zeit zu gehen, ich war heute erst um 6 Uhr morgens
       im Bett. O. fragt, ob wir uns noch mal wiedersehen. „Ich weiß nicht, wann“,
       sage ich, halb verzweifelt, in Gedanken meine nächsten Wochen durchgehend,
       die komplett verplant sind. „Wenn du mit mir tanzen gehst, erhöhen sich
       deine Chancen“, sage ich. „Ich verstehe schon. Es gibt mehr Männer, die
       ficken wollen als tanzen“, sagt O. lachend. Ich grinse und zucke halb
       zustimmend die Schultern. Er bringt mich zur S-Bahn, zum Abschied ein Kuss.
       Am nächsten Tag schickt er mir mehrere Vorschläge für Tanzpartys. Wir
       einigen uns auf eine Party in zwei Wochen. Bis dahin schicken wir uns
       täglich neue Outfit-Ideen.
       
       15 Feb 2026
       
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