# taz.de -- Regierungsbildung in Potsdam: Runter vom sinkenden Schiff? Nein
       
       > Der Wechsel von Wegners wichtiger Staatssekretärin Martina Klement kann
       > auf den ersten Blick wie eine Flucht wirken. Dagegen sprechen aber die
       > Fakten.
       
 (IMG) Bild: Kai Wegner verliert seine mutmaßlich wichtigste Staasskretärin: Martina Klement (CSU) wird brandenburgische Wirtschaftsministerin
       
       Der angekündigte Wechsel von Berlins Digitalisierungs-Staatssekretärin
       Martina Klement [1][an die Spitze des brandenburgischen
       Wirtschaftsministeriums] war noch keine Stunde alt, da wusste Berlins
       Grünen-Fraktionschef schon den Grund dafür: „Wer politisch in seinem Leben
       noch etwas vorhat, verlässt das sinkende Schiff von Schwarz-Rot“,
       verbreitete Werner Graf via eilends verschickter Pressemitteilung. Und dass
       „selbst bei der CDU alle überzeugt sind, dass Kai Wegners Zeit im Roten
       Rathaus bald zu Ende ist.“
       
       Zugegeben, der Gedanke scheint zunächst plausibel angesichts der
       anstehenden Abgeordnetenhauswahl. Die CDU liegt zwar in Umfragen [2][vor
       SPD, Grünen und Linken]. Doch die erwecken den Anschein, als wollten sie
       lieber miteinander koalieren als mit der CDU. Was hieße, dass jetzige
       Regierungsmitglieder wie Klement ihre Posten gegen Jahresende räumen
       müssten.
       
       Bei genauem Hinsehen aber zeigt sich die Analyse à la Graf als reine
       Wahlkampfrhetorik. Es gibt nämlich eine ganze Reihe handfester Gründe
       jenseits solcher Überlegungen, die Klement dazu gebracht haben dürften, das
       Wechsel-Angebot aus Brandenburg anzunehmen.
       
       Zum einen ist da der Zuwachs an Einfluss und Macht. Denn in Potsdam steht
       sie künftig an der Spitze eines eigenen Ministeriums, zuständig für
       Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa. Zwar hat sie in Berlin eines
       der zentralen Projekte der schwarz-roten Koalition bearbeitet, wenn nicht
       gar das wichtigste, nämlich die Verwaltungsreform, und dass zur
       Zufriedenheit über die Parteigrenzen hinweg. Aber das letzte Wort hatten
       andere in der Senatskanzlei.
       
       ## Mehr Macht – und mehr Geld
       
       Nun muss nicht jeder und jede danach streben, ganz oben zu stehen. Klement
       hat aber in den vergangenen Jahren nicht den Eindruck gemacht, sich
       dauerhaft auf einen Job als bloße Zulieferin beschränken zu wollen. Ganz
       schnöde gibt es als Ministerin auch schlicht deutlich mehr Geld denn als
       Staatssekretärin, mehrere tausend Euro im Monat. Denn für die [3][eine gilt
       Besoldungsgruppe 11], für die andere nur B7. Zudem bietet Potsdam ein
       attraktives Arbeitsumfeld, das noch nicht mal einen Umzug nötig macht.
       
       Selbst wenn es in Berlin nach der Wahl zu einer erneuten Wegner-Regierung
       kommen sollte, wäre offen, ob sich für Klement darin ein Platz finden
       würde. Als CSU-Mitglied – bis 2023 war sie elf Jahre für die CSU im
       Bundestag tätig – hat sie bei den Berliner Christdemokraten keine
       Hausmacht. Und ob Wegner sie gegen andere Interessen durchsetzen könnte,
       ist gleichfalls offen.
       
       In einem aber hat Grünen-Fraktionschef Graf jedoch recht: Für Berlin und
       die Verwaltungsreform ist Klements Wechsel ein großer Verlust. Denn die ist
       zwar mit Stimmen von CDU, SPD, Grünen und Linken [4][seit dem 26. Juni 2025
       beschlossen], aber noch längst nicht umgesetzt. Wie [5][sie selbst im
       Herbst vor Journalisten sagte]: „Das Fundament ist gelegt, jetzt geht es
       darum, ein funktionsfähiges Haus zu bauen“ Das dauert naturgemäß länger –
       und dürfte ohne Klement, zumal in Wahlkampfzeiten, noch schwieriger werden.
       
       15 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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