# taz.de -- Die Peinlichkeit der E-Scooter: Im Prinzip sind unsere Rollen klar
> Wildes Piepen auf dem Bürgersteig und dysfunktionale QR-Codes können
> einem schon mal die Schamesröte ins Gesicht treiben.
Wie immer, wenn ich etwas zum ersten Mal mache, überwältigen mich die
unbekannten Reize und überbordenden Versagensängste. „Wie machen die ganzen
Kids das nur?“, keuche ich, während ich mit schwitzigen Händen versuche,
einen QR-Code zu scannen. Meine Aufregung ist lächerlich, übertroffen nur
noch davon, mit welcher Peinlichkeit ich hoffe, dass mich niemand in meinem
Elend beobachtet.
Ein älterer Mann im Elektromobil bleibt neben mir stehen und schaut
grummelig auf die E-Scooter, an denen ich gerade herumhantiere. Meine Ohren
werden heiß. Auch das noch. „Ich schwöre, ich bin keiner von denen, die
diese Scheißteile überall rumstehen lassen und rücksichtslos fahren!“,
möchte ich mich flehend rechtfertigen, stattdessen bringe ich nur einen
nutzlosen Kommentar heraus: „Immer stehen die Dinger im Weg, echt mega
scheiße.“ Der Mann starrt mich wortlos an und bedeutet mir, dass ich ihm
Platz machen soll. Vorbeigekommen wäre er sicher auch so.
Aber es geht ums Prinzip, und im Prinzip sind unsere Rollen klar verteilt.
Ich hieve also beschämt die Rollerflotte zur Seite. Mächtig schwere
Kolosse, die zu meinem Unglück jetzt auch noch anfangen, laut piepend zu
protestieren. Mein Plan, gewissenhaft den Anweisungen der Jelbi-App Folge
zu leisten, um möglichst unbemerkt davonzukommen, ist damit endgültig
gescheitert.
Es wird den Mitarbeitenden kein Trost sein, aber zumindest eines hat der
BVG-Streik gebracht. Denn die App der Berliner Verkehrsbetriebe – als zu
teuer kritisiert, trotz Kampagne nie so richtig in Fahrt gekommen – nutze
ich, wie die E-Scooter vor mir, zum ersten Mal. Sie ist super. Die App
sollte bekannter werden. Ich hoffe trotzdem, sie nie wieder nutzen zu
müssen.
16 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Rick Palm
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