# taz.de -- Rechtsextreme in Mecklenburg-Vorpommern: AfD-Mann verteilt rechtsextreme Comics an Schulen
       
       > In Mecklenburg-Vorpommern verschickt ein AfD-Abgeordneter Comics eines
       > Verlags von Identitären an Grundschulen. Die Linke reagiert empört.
       
 (IMG) Bild: Hat offensichtlich ein Faible für nationalistische Lektüre: der AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Grimm
       
       Auf dem Deckblatt des Comics posiert ein Soldat mit Gewehr und Bajonett, im
       Hintergrund prangt ein stilisierter Stahlhelm, unten die Zeile „Eine Nation
       erwacht“. In dem Heft geht es um die Völkerschlacht von 1813 in Leipzig,
       zwischen Napoleons Armee und preußischen sowie verbündeten Truppen. Erzählt
       wird dies an der Geschichte eines Soldaten und dessen „Abwehrkampf gegen
       das fremde Joch“, wie es im Comic heißt.
       
       Das Heft strotzt vor Nationalismus, es geht um „Ehre, Heldenmut, Kampf“. An
       einer Stelle heißt es: „Aufgeben ist Verrat an mir und dem Vaterland“, an
       anderer: „Der Mensch ist nicht gleich“. Gewidmet ist das Büchlein „den
       gefallenen Helden der Befreiungskriege“.
       
       Und wenig überraschend wird der Comic von einer einschlägigen Medienagentur
       herausgegeben: Tannwald Media aus Leipzig, betrieben von einem früheren
       Aktivisten [1][der rechtsextremen Identitären]. Dort wird das Heft damit
       beworben, dass es hervorragend geeignet sei, „Lesern jeden Alters die
       deutsche Nationalromantik näherzubringen“. Entsprechend bedient sich der
       Titel „Eine Nation erwacht“ kaum verhohlen der verbotenen NS-Losung
       „Deutschland erwache“.
       
       Für den AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Grimm aus
       Mecklenburg-Vorpommern war all dies kein Hinderungsgrund, den Comic an
       Grundschulen in seinem Landkreis Nordwestmecklenburg zu verteilen – im
       Gegenteil. Er könne sich „nur noch an den Kopf fassen“, welche Werte heute
       in Kinderbüchern transportiert würden, schreibt er auf seinem
       Social-Media-Kanal. Deshalb habe er Kinderbücher „mit richtigen und
       wichtigen Werten“ an Kindergärten und Grundschulen in seinem Wahlkreis
       verschenkt.
       
       In die Kindergärten schickte Grimm nach eigenen Angaben auch Bücher des
       Verlags „klein und ehrlich“ – der ebenfalls von einer Frau aus dem
       Identitären-Umfeld betrieben wird und mit Titeln wie „Der kleine Fisch
       schwimmt gegen den Strom“ aufwartet. [2][Bei der AfD stehen die Identitären
       eigentlich auf einer Unvereinbarkeitsliste]. Zuerst hatte der NDR über den
       Fall berichtet.
       
       ## „Kinder für rechtsextreme Propaganda vorbereiten“
       
       Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern und Stefan Kollasch, Leiter
       des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg, bestätigten
       der taz, dass der Comic tatsächlich an Schulen verteilt wurde. In einem
       Begleitschreiben von Christoph Grimm, das der taz vorliegt, heißt es: Das
       Bücherpaket richte sich „an Kinder im Grundschulalter, etwa um das siebte
       Lebensjahr“. Die Bücher seien „altersgerecht“ und böten „spannende,
       humorvolle und zugleich anregende Inhalte“, so das Schreiben. „Gerade in
       der Grundschule entwickeln Kinder ihre eigene Beziehung zu Geschichte und
       Figuren.“
       
       Der AfD-Politiker selbst ließ eine taz-Anfrage zu seiner Aktion zunächst
       unbeantwortet. Später teilte er mit, es sei ihm „eine
       Herzensangelegenheit“, Kindern in seinem Wahlkreis „gute und historisch
       wertvolle Lektüre zugänglich zu machen“. Das Thema der Befreiungskriege
       1813 sei ein „aus meiner Sicht für Grundschulkinder geeignetes und
       lehrreiches Lesematerial“. Ob Lehrer oder Schüler das Heft lesen möchten,
       bleibe ihre Entscheidung.
       
       Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) kritisierte die Aktion scharf.
       „Es ist verwerflich, dass hier versucht wird, die Kleinsten mit
       kriegsverherrlichendem Material zu manipulieren“, sagt sie der taz. Ihr
       Ministerium verurteile die Verteilaktion des AfD-Abgeordneten. „Es ist
       besonders perfide, bereits die Kleinsten mit extremistischem Gedankengut
       beeinflussen und indoktrinieren zu wollen“, so Oldenburg. „Der
       Bundestagsabgeordnete verstößt damit fundamental gegen den demokratischen
       Auftrag von Schule, nach dem sich Schülerinnen und Schüler zu mündigen und
       handlungsfähigen Bürgern in der Demokratie entwickeln und zur eigenen
       Urteilsbildung befähigt werden sollen.“
       
       Zudem entlarve die Aktion den vermeintlichen Einsatz der AfD um „politische
       Neutralität“ in Schulen, so die Ministerin. Vielmehr gehe es der Partei um
       „einen fundamentalen Angriff auf die Demokratiebildung und politische
       Bildung an Schulen und damit auf unsere Demokratie insgesamt“. Es habe sich
       erneut als notwendig und sinnvoll herausgestellt, den Demokratieauftrag von
       Schulen sowie die Grundprinzipien der politischen Bildung gemäß dem
       Beutelsbacher Konsens, insbesondere das Überwältigungsverbot, im neuen
       Schulgesetz zu verankern.
       
       Auch Demokratieberater Kollasch übt deutliche Kritik. Mit dem Comic sollten
       „Kinder für Patriotismus und rechtsextreme Propaganda vorbereitet“ werden.
       In der Geschichte werde Gewalt verherrlicht und eine „codierte
       völkisch-revolutionäre Erzählung“ vermittelt. Wenn solch ein Comic von der
       AfD an Grundschulen verbreitet werde, treffe dies „besonders vulnerable
       Persönlichkeiten“, sagt Kollasch. Und: „Kinderbücher sollen zu Empathie,
       Fantasie und Perspektivenvielfalt anregen, aber das ist rechtsextreme
       Hasspropaganda in Comicoptik.“
       
       Der mecklenburg-vorpommerische Linken-Politiker Michael Noetzel zeigt sich
       ebenso alarmiert. Die AfD versuche systematisch Engagement für Demokratie
       und Menschenrechte in Schulen zurückzudrängen, nehme Lehrer*innen ins
       Fadenkreuz, die angeblich gegen die politische Neutralität verstießen, sagt
       der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag der taz.
       
       „Mit dieser Verteilaktion demaskiert sich die Partei jedoch selbst und
       verdeutlicht, was das eigentliche Ziel hinter diesen
       Einschüchterungskampagnen ist: Sie will Platz machen für ihre
       geschichtsrevisionistische und ultranationalistische Propaganda“, so
       Noetzel weiter. Zum Ziel der AfD, die Gesellschaft umzubauen, gehöre auch
       die Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen. „Dieser Comic ist wohl
       nur ein Vorgeschmack, was den Schulen blühen wird, wenn die AfD in
       Regierungsverantwortung kommen würde.“
       
       ## AfD will Alleinregierung nach der Wahl
       
       Auch Noetzels Fraktionskollege Daniel Trepsdorf, lange Zeit als
       Demokratieberater im Bundesland tätig, spricht von einer „ideologisch
       geprägten“ Darstellung im Comic, die an ein „nationalistisches
       Geschichtsbild“ anknüpfe. Dass dies gezielt Grundschulkinder anspreche, sei
       „besonders problematisch“ und mit demokratischen Bildungsprinzipien „schwer
       bis gar nicht vereinbar“, sagt der Linken-Politiker.
       
       Die AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20.
       September derzeit bei 37 Prozent – weit vor der SPD der Ministerpräsidentin
       Manuela Schwesig (SPD). [3][Als Ziel gibt die Partei eine Alleinregierung
       nach der Wahl aus]. Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern sieht die
       AfD als rechtsextremen Verdachtsfall.
       
       Update: Der Text wurde um eine Stellungnahme von Mecklenburg-Vorpommerns
       Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) ergänzt.
       
       13 Mar 2026
       
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 (DIR) Konrad Litschko
       
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