# taz.de -- Nina Hagen über Gott und Punk: „Ich bin Gottes Lautsprecher“
       
       > Nina Hagen hat ein Gospel-Album aufgenommen: „Highway to Heaven“. Im
       > Gespräch erzählt sie, wie sie Gott gefunden hat und warum Punk so wichtig
       > war.
       
 (IMG) Bild: „Alle wollen in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod“, singt Nina Hagen auf ihrer neuen Platte voller klassischer Gospelsongs
       
       taz: Frau Hagen, Sie haben ein Album voller Gospelsongs aufgenommen. Da
       geht es ums Nach-Hause-Kommen, um die Wiederauferstehung. Nach welchen
       Kriterien haben Sie die Lieder ausgewählt? 
       
       Nina Hagen: Es gibt kein Kriterium. Es ist schwer, wenn das deine
       Leidenschaft ist, diese Songs zu singen. Es gibt so viele tolle
       Gospelsongs. Wo willst du da anfangen? Wo willst du da aufhören? Wir haben
       im vergangenen Jahr viele Songs aufgenommen und irgendwann musste man
       gucken, was passt auf so ein Vinyl rauf?
       
       taz: Wie kam es, dass Nana Mouskouri und Gitte Hænning mitsingen? 
       
       Hagen: Gitte habe ich schon Ende der Sechzigerjahre im Fernsehen entdeckt.
       Die kam rein in die Fernsehsendungen, hat einen Schlager gesungen und
       danach ging es weiter mit Jazz, Gospel, Blues und Rock. Ich kannte Gitte
       immer auch als Jazzsängerin. Und ich liebe die einfach. Nana ist eine
       wunderbare Friedenstaube und ich liebe und verehre sie seit meiner
       Kindheit. Im Plattenschrank meiner Mutter gab es viele Schätze zu
       entdecken. Nana habe ich 1989 in Paris kennengelernt, da war ich gerade
       schwanger mit meinem Sohn Otis und wir haben in einer Pariser Fernsehshow
       ein Duett geträllert. Wir haben uns verkleidet in so einem
       Marlene-Dietrich-artigen Smoking mit Zylinder und Stöckchen und haben „Lili
       Marleen“ gesungen. Dieser Song, der die Soldaten damals im Zweiten
       Weltkrieg in ihren Schützengräben dazu verführt hat, die Waffen
       niederzulegen und einfach mal Radio zu hören.
       
       taz: „Highway to Heaven“ zu hören, macht jedenfalls gute Laune. Bei Ihrer
       Fassung von „Trouble of the World“ habe ich an Grace Jones gedacht. 
       
       Hagen: Das Stück ist von Mahalia Jackson. Eine großartige amerikanische
       Gospelsängerin, die ich schon in meiner Kindheit entdecken durfte. Vor dem
       Mauerfall sind wir oft nach West-Berlin rübergefahren, da hat meine Mama
       Vinyl-Schallplatten gekauft und da war auch Mahalia Jackson dabei. Daher
       kenne ich „Trouble of the World“ schon seit Ewigkeiten: „Soon it will be
       done with the trouble of the world.“ Das habe ich schon immer damit
       assoziiert, dass man den Schmerz mit dem sterblichen Körper hinter sich
       lässt, den man ja eines Tages ausziehen muss wie einen zerlöcherten
       Raumanzug. Man bekommt, wenn man in die nächste Dimension abgeholt wird,
       von unserem Schöpfer einen unzerstörbaren, einen unsterblichen Raumanzug
       angezogen. Da wird sich Elon Musk noch wundern.
       
       taz: Dazu passt, dass Sie auch „Dry Bones“ interpretieren. Dieser
       Gospelsong erzählt, wie die einzelnen Knochen zu einem Skelett
       zusammengesetzt werden.
       
       Hagen: Ja, der ist lovely, den kenne ich auch schon seit der Kindheit. Und
       ich fand damals auch schon immer interessant zu hören, was meine frommen
       Tanten mir dazu erzählt, haben. Das ist ja eine Geschichte aus dem Alten
       Testament von Hesekiel, der da in der heißen Wüste gesessen und die
       trockenen Knochen da um sich herum entdeckt hat und philosophiert hat: Was
       wird mit uns geschehen, wenn wir diese Welt verlassen und zu Gott
       zurückkehren? Und sich vorgestellt hat, dass der liebe Gott unsere Knochen
       wieder zusammensetzt und wir in der nächsten Dimension weiterleben werden
       in einem erneuerten Knochenkostüm. Schauen wir mal, wie das aussieht.
       
       taz: Sind wir mal gespannt. Ich finde es interessant, dass man deswegen
       jüdische Friedhöfe in Ruhe lassen und jede Person ein eigenes Grab bekommen
       muss. Wenn der Messias kommt, müssen alle Knochen beieinander liegen, damit
       es klappt mit dem Zusammenbauen. 
       
       Hagen: Gut, dafür ist Jesus ja gekommen, um das mal alles ein bisschen zu
       entmystifizieren. Und alles auf einen Nenner zu bringen, der heißt: Nur die
       Liebe zählt. Leute, wer in der Liebe lebt und wer seine Mitmenschen liebt
       wie sich selbst und wer den Schöpfer ehrt und respektiert und liebt, auch
       die gesamte Schöpfung und alle Lebewesen, vor allem auch die Menschen: das
       ist die Lösung. Nicht irgendwelche verkopften, komplizierten Anweisungen,
       wie man mit toten Knochen umgeht. Deswegen finde ich das Bild vom Raumanzug
       für mich selber sehr stimmig. Der sterbliche Körper ist nicht geschaffen
       für Raumfahrt, das ist ja Frohndienst. Hoffentlich lassen sich die
       Astronauten gut genug bezahlen für diese Knochenarbeit. Es ist ungesund,
       wie da in der Schwerelosigkeit das Gehirn verpappt und das Blut verdickt.
       Aber wenn wir eines Tages diese Dimension hier verlassen und in die ewige
       Heimat zurückkehren, also vorwärts gehen, dann können wir im Universum auch
       mal auf Reisen gehen. Dann gibt es keine gefährliche Strahlung, die
       ungesund ist. Da wird nicht mehr gestorben. Dann gibt es so viel Zeit, dann
       gibt es so viele tolle Sachen zu tun. Kreativ sein. Konzerte angucken ohne
       Ende. Partys, Feiern und auch essen. Ich stelle mir das so vor, dass im
       Himmel auch gegessen und getrunken wird. Aber nicht unbedingt, weil wir
       Hunger haben, sondern weil wir so einen Spaß an der gemeinsamen
       Tischgemeinschaft haben und miteinander reden und leckere Sachen essen.
       Gott lässt sich ja nicht lumpen, sondern will uns das Leben in all seiner
       Fülle schenken.
       
       taz: In einem anderen Stück heißt es: „Get on your knees and pray.“ Wie
       wichtig ist Beten für Sie?
       
       Hagen: Jesus hat gesagt: Leute, wenn ihr was braucht, sagt es. Haut es
       raus. Macht das verbal, go verbal. Das habe ich oft erlebt, wenn ich mal
       wirklich was gebraucht habe, zum Beispiel 1979 in Amsterdam. Da war ich
       Teil von einem Rock-’n’-Roll-Film von Herman Brood. Sein Management hat
       morgens immer ungefragt uns Kokain auf den Tisch geballert, und ich war
       damals so blöd und habe das auch noch genommen und war dann monatelang auf
       dieser Droge unterwegs und habe nur noch 45 Kilo am Ende gewogen. Ich
       konnte nicht mehr schlafen, nicht mehr essen. Und mental hat sich auch so
       einiges dem Argen entgegengerankt. Unter anderem habe ich Stimmen gehört in
       meinem Kopf und ich konnte meine Gedanken nicht mehr kontrollieren. Ich war
       ein durchlöchertes Löschblatt und gruselige Dinge wurden mir verkündet in
       meinem Kopf. Die kamen von irgendwelchen ekelhaften unwesentlichen Unwesen,
       die sich ein Nest bauen wollten in meinem Kopf. Dann habe ich das zum
       Anlass genommen, dass in der Bibel steht: Wenn ihr was braucht, betet. Ich
       habe meinen Freunden Bescheid gesagt in unserem besetzten Punkhaus da am
       Leidseplein. Die sind in mein Zimmer gekommen und haben da gesessen, still
       und ruhig die ganze Nacht. Ich habe die ganze Nacht gebetet: Oh mein Gott,
       hilf mir! Oh mein Gott, hilf mir! Das Vaterunser und alles Mögliche.
       
       taz: Hat es geholfen? 
       
       Hagen: Wo morgens die Sonne rauskam und wir die Vögel zwitschern hörten, da
       sind irre Sachen passiert. Die Vögel haben meinen Namen gesungen. Alle
       Radiosender haben meinen Namen gespielt oder alle möglichen Lieder wurden
       gesungen, wo mein Name vorkam. Ich dachte, vielleicht bin ich immer noch
       verrückt? Aber dem war nicht so! Wir sind dann runtergegangen und die Leute
       auf der Straße sind stehen geblieben, mit offenem Mund. Die Kinder haben
       gesagt: Guck mal, Mama, guck mal! Dann sind wir in dieses Restaurant rein
       und ich habe gedacht, Gott hat mich gerettet. Oh Gott, bin ich glücklich.
       Ich bin so dankbar. Und irgendwie kamen meine Gedanken verbal hörbar für
       andere Menschen raus. Andere Menschen haben das irgendwie gehört und haben
       sich zu mir umgedreht. Mit fragenden Augen mich angeguckt, sich gegenseitig
       gefragt: Hörst du das auch? Ja, da muss irgendwo so ein Hörspiel an sein.
       Irgendwas mit Gott, irgendwie Gott-Rettungs-Programm, whatever. Und ich
       sagte: Ja, dreht euch doch noch mal um. Hier, die Frau mit den roten
       Haaren. Das kommt aus mir raus. Ich bin Gottes Lautsprecher. Könnt ihr mich
       alle hören? Dann haben die gesagt: Das ist ja crazy. Und haben weiter ihre
       Pfannekuchen gegessen. Das ging dann auch wieder weg. Aber da war ich
       gerettet und habe auch Kokain nie wieder angefasst. Amen. Halleluja.
       
       taz: Es gibt auch einen Punk-Song auf Ihrem Album. Als Sie 1976 in den
       Westen kamen, ging es relativ bald nach London. Sie haben die Slits
       getroffen, eine Punkband, in der nur junge Frauen spielten. Die Sängerin
       war ein deutsches Mädchen namens Ariane Forster alias Ari Up. 
       
       Hagen: Juliana Gregorova, eine Bulgarin aus der DDR, die dort schon
       Filmstudentin war, hatte mich eingeladen. Vorher habe ich die Jungs von der
       Plattenfirma CBS kennengelernt, durch Wolf Biermann. Die haben einen ersten
       Schallplattenvertrag mit mir gemacht und haben mich quasi losgeschickt. Auf
       Wanderschaft sozusagen. Ich sollte mich umsehen und mir Musik anhören,
       Bands angucken, um rauszufinden, in welche Richtung ich meine Musik
       gestalten wollte. Und in dieser Zeit hat mich Juliana aus London angerufen
       und sie hat mich eingeladen, die Hauptrolle in ihrem Abschlussfilm zu
       spielen. Sie war dort auf der Filmschule und hatte einen Kommilitonen, der
       hieß Julian Temple. Er hat mit den Sex Pistols den „The Great Rock'n'Roll
       Swindle“-Film gemacht. So habe ich Ariane von den Slits und ihre Mutter,
       Nora Forster, und deren Freund Johnny Rotten kennengelernt und die ganzen
       Sex Pistols. Ich bin mit den Mädels von den Slits im Proberaum gewesen. Ich
       habe Ariane ein paar Tipps gegeben, damit sie nicht ständig heiser wird.
       Nämlich sich warm zu singen vorher. Ich war ja schon Profi-Sänger. Und dann
       bin ich mit in die Clubs und habe die kleinen Punkkonzerte angeguckt und
       war total beseelt vor Glück, dass ich das miterleben durfte. Das war eine
       unglaublich tolle Zeit. Die Leute auf der Straße haben oft gerufen: "Ey,
       Punks!" Und Ariana hat zurückgerufen: "Wir sind keene Punks! Wir sind the
       Slits!"
       
       taz: Sie und Ihre Musik standen danach auch für die anarchische Energie von
       Punk. 
       
       Hagen: Würde ich eher nicht sagen. Wieso denn anarchisch? Wissen Sie, was
       ich mir unter dem Wort vorstelle?
       
       taz: Nein, weiß ich nicht. 
       
       Hagen: Brennende Autos. Manchmal wird meine Stimme lauter. Einmal habe ich
       in einem Gespräch mit Angela Merkel geschrieen, während einer Talkshow, wo
       diskutiert wurde, wie man erfolgreich eine Drogensucht besiegen kann. Da
       regte ich mich auf, weil von der Politikerin Merkel, damals
       Bundesministerin für Frauen und Jugend, nur emotionslose Reaktionen,
       beziehungsweise gar keine kamen. Wenn ich eine anarchistische Ader habe,
       dann nur, weil ich mich für Gerechtigkeit unter den Menschen verbal stark
       mache.
       
       taz: So meinte ich es auch. Anarchie im Sinne von Ordnung ohne Herrschaft,
       also gegen den Missbrauch von Macht anzugehen.
       
       Nina Hagen: Macht durch das Volk, für das Volk: „We, The People.“
       
       taz: Was war das Faszinierende am Punk in London, der neuen Musik? 
       
       Hagen: Na ja, weil das so süße Menschen waren. London ist so ein toller
       Melting Pot der Menschheit, ein intergalaktischer Melting Pot. Und es war
       unglaublich schön zu sehen, wie diese jungen Leute quasi ihre eigene
       Rockmusik erfunden haben, wo sie all das Schmonzettige, Kitschige
       weggelassen haben. Die meisten Punks, die ich kannte und die ich geliebt
       habe, das waren Punks, die im Namen der Nächstenliebe unterwegs waren. Sie
       haben mich als Jesus-Freak wahrgenommen, der ich damals schon war, weil ich
       ja in meinem 17. Lebensjahr in der DDR ein Erweckungserlebnis mit Jesus
       hatte. Auf LSD, bei einem Nahtoderlebnis, bin ich von Jesus gerettet worden
       aus meiner traurigen Selbstmord-Verherrlichung.
       
       taz: Was war da los? 
       
       Hagen: [1][Das steht alles in meiner Autobiografie „Bekenntnisse“
       beschrieben,] die Anfang März ’26 als aktualisierte Neuauflage erschienen
       ist. Ich war ein Selbstmordkandidat zu dieser Zeit. Eigentlich wollte ich
       eine Teenager-Mutter werden, aber meine Umwelt wollte das nicht. Seit
       meinem 14. Lebensjahr hatte ich zahlreiche Abtreibungen hinter mir in der
       DDR und dann eine Fehlgeburt und gebrochene Herzen am laufenden Band. Jesus
       hat mich gerettet, weil ich lange Jahre schon nach Gott geforscht habe. Ich
       wollte unbedingt wissen: Gibt es Gott wirklich? Und wenn ja, wie ist der
       drauf? Ich habe auch in der Bibel gelesen. Ich wollte zu Jesus gehören,
       seit meinem zwölften Lebensjahr.
       
       taz: Nach dem Ausflug nach London entstand das Album der Nina Hagen Band,
       da sangen Sie sehr feministisch: „Vor dem ersten Kinderschrei’n muss ich
       mich erst mal selbst befrei’n.“
       
       Hagen: Moment mal! Das ist ja nur eine Momentaufnahme. Ich habe da den
       Zeitgeist bedient. Meine eigene Geschichte war ja ganz anders. Das habe ich
       ja gerade erzählt. Die Sehnsucht nach einem Kind war bei mir groß. Dass ich
       so einen Song wie „Unbeschreiblich weiblich“ geschrieben habe? Das war kein
       Lied über mich selbst. Das war einfach nur ein Lied, das wurde von mir
       erwartet. Leute wie Alice Schwarzer haben damals mit mir Interviews gemacht
       und die haben mich sozusagen vorgeführt als die neue Feministin im Klub.
       Eigentlich war ich mehr eine Femichristin als eine Feministin. Damals ist
       das untergegangen. Wir haben auch unglaublich viel gekifft zu der Zeit.
       Deswegen haben wir uns getrennt, weil es hat nicht mehr gepasst. Ich konnte
       das nicht mehr. Ich wollte das nicht mehr. Ich wollte leben, aber nicht
       bekifft durchs Leben, die ganze Zeit.
       
       taz: Mit diesem, Ihrem zweiten Gospel-Album präsentieren Sie sich erneut
       als gläubige Person ...
       
       Hagen: Als gläubige Person? Wie klingt denn das? Wie eine Krankheit! Jesus
       ist mein Bruder. [2][Ich bin Botschafterin von Jesus Christus]. Und zwar
       von ganzem Herzen, und von ganzer Seele, schon bei meinem ersten Album mit
       der Nina Hagen Band singe ich in dem Song „Auf’m Friedhof“ davon, dass ich
       Jesus rufe, weil ich leben und nicht sterben will. Aber der
       Lügenbaronteufel kommt dazwischen und flüstert uns ein, dass Gott tot sei,
       der behauptet „The Lord ist fort“. Lüge! Deswegen mache ich Gospelmusik.
       
       taz: Okay. 
       
       Hagen: Wie haben Sie mich genannt?
       
       taz: Gläubige Person.
       
       Hagen: Gläubige Person bin ich nicht. Ich bin ein Unikat. So wie jeder
       Mensch. Bedingungslos geliebtes Kind Gottes. Wie jeder Mensch.
       
       taz: Ich wollte fragen, wie man sich als Kind Gottes zur Religion verhält,
       zu Gottesstaaten, Fundamentalisten … 
       
       Hagen: Nicht nur die, auch die Katholiken, die Kirche, die sich
       jahrhundertelang den Namen Gottes auf ihre Fahnen geschrieben hat.
       
       taz: Ja, die meine ich auch … 
       
       Hagen: Die Menschen auf Scheiterhaufen verbrannt haben. Wehrlose,
       unschuldige Menschen. Vor allem Frauen. Und die jahrzehntelange Kreuzzüge
       geführt hat. Das Schlimmste im Namen von Religion. Das ist grausam,
       ekelhaft und unmenschlich. Das ist, wenn die Institution Religion versucht,
       Gott für sich zu kidnappen. Das schaffen die aber nicht. Weil Gott ist
       unkidnappbar. Gott ist Freiheitstool. Die Gemeinschaft aller Menschen, die
       auf Gott vertrauen und mit ihm zusammen den Himmel auf Erden verwirklichen,
       das sind ja nicht Institutionen, sondern private Menschen überall auf der
       Welt. Individuelle, freiheitsliebende Menschen, die sich zusammentun, wie
       damals auch in der DDR. Ich halte gerade das Buch in meiner Hand: [3][„Tanz
       auf dem Vulkan“. Das Buch über die widerständigen Punkfrauen in der DDR],
       wo ich das Vorwort schreiben durfte.
       
       taz: Es ist ein sehr gutes Buch. 
       
       Hagen: Ich freue mich riesig, dass ich da mit Teil sein durfte. Mit meinem
       kleinen Vorwort, weil ich war damals längst raus aus der DDR. Was die sich
       damals getraut haben, sich gegen diese stinkige Stasi-, Polizei-,
       Strafkolonie-, Vergewaltigungsapparatur so stark zu machen! Und wo haben
       sie es gemacht? In den Christusgemeinden der DDR. Da war der Untergrund.
       Das waren die Schwanenflügel, die sich schützend über die Punkies
       ausgebreitet haben. Ohne die Christusgemeinden hätten die Punks in der DDR
       gar keine Schutzräume haben können, wo sie kreativ hätten sein können.
       
       taz: Amen. 
       
       Hagen: Zum Abschluss möchte ich noch was sagen mit den Worten von Matthias
       Claudius: „’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede du
       darein! ’s ist leider Krieg – und ich begehre, nicht schuld daran zu sein!“
       
       23 Mar 2026
       
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