# taz.de -- Umweltschutz für Igel: Kleiner Igel, hörst du das?
       
       > Zu oft geraten Igel unter die Räder. Um sie zu schützen, haben Forschende
       > nun einen Ansatz untersucht, wie sie sie vor den Autos warnen können.
       
 (IMG) Bild: Jeder dritte Igel in Deutschland wird von Autos totgefahren
       
       Besonders abends, wenn man mit dem Auto am Waldrand entlangfährt, oder
       frühmorgens, wenn über den Feldern noch dichter Nebel hängt, geht es
       manchmal ganz schnell. Ein dumpfer Schlag, und schon folgt die erschrockene
       Erkenntnis, womöglich ein Tier erwischt zu haben. Nach Hochrechnungen der
       2020 erschienen [1][Roadkill-Studie] sterben jedes Jahr rund 29 Millionen
       Säugetiere und 194 Millionen Vögel im europäischen Straßenverkehr.
       
       Mit dem dichtesten Straßennetz Europas und den hohen Geschwindigkeiten auf
       seinen Autobahnen ist allein Deutschland für 8 bis 10 Prozent dieser
       Wildunfälle verantwortlich. Der [2][Igel] ist davon besonders betroffen.
       Forschende sehen im Roadkill einen wesentlichen Faktor für den drastischen
       Rückgang ihrer Population in ganz Europa. Schätzungen zufolge kommt
       [3][jeder dritte Igel] im Verkehr ums Leben. Eine [4][neue Studie],
       erschienen im Fachmagazin Biology Letters, liefert nun aber Ansätze, um die
       Tiere besser vor den herannahenden Autos zu warnen.
       
       ## Die Studie
       
       Dafür hat sich das Team um Sophie Lund Rasmussen die Frage gestellt: Wie
       hören eigentlich Igel? Mithilfe von auditorischen Tests an 20 Igeln haben
       die dänischen Forschenden zusammen mit der Oxford-Universität die
       Hörschwelle gemessen. So haben sie festgestellt, dass der Europäische Igel
       Töne bis weit hinein in den Ultraschallbereich wahrnimmt. Dieser Bereich
       beginnt ab 20 Kilohertz, der maximalen Hörschwelle des Menschen.
       
       Unter Hörschwellen versteht man den Bereich, in dem das Gehör den Ton einer
       bestimmten Frequenz gerade noch wahrnehmen kann. Am empfindlichsten ist das
       Igelgehör bei 40 Kilohertz, aber es kann Schallfrequenzen von 4 bis 84
       Kilohertz abdecken. Zum Vergleich: Hunde hören bis 45 Kilohertz, Katzen bis
       zu 65 Kilohertz. Zur Untersuchung dienten kleine Elektroden, die
       elektrische Signale aufzeichneten, die zwischen dem Innenohr und dem Gehirn
       übertragen wurden. Eine anatomische Untersuchung des Innenohres unterstützt
       die Ergebnisse. So kann die Igelohr-Anatomie besonders gut hohe Töne
       weitergeben und ähnelt der von Fledermäusen.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Dieses Wissen über die Sinnesbiologie könnte künftig viele stachlige Leben
       retten. Eine Idee ist etwa, Ultraschallabwehrgeräte an die Igel-Killer von
       Auto über [5][Rasenmäher] zu montieren. Das für den Menschen unhörbare
       Piepen könnte einen erheblichen Beitrag leisten, die Tiere von der
       motorisierten Gefahr fernzuhalten. Die leitende Forscherin Sophie Lund
       Rasmussen sucht deshalb nun nach Partnern in der Automobilindustrie. Zur
       Beeinträchtigung von beispielsweise Haustieren würde es durch die exakte
       Erforschung der Hörschwellen im Übrigen nicht kommen. So kann ein Bereich
       gewählt werden, den Hund und Katzen nicht hören, Igel aber schon.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://doi.org/10.1002/fee.2216
 (DIR) [2] /Tier-des-Jahres-2024/!5979765
 (DIR) [3] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0006320700000069
 (DIR) [4] https://doi.org/10.1098/rsbl.2025.0535
 (DIR) [5] /Maeh-Roboter-gegen-Igel/!6091895
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luis Bretthauer
       
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