# taz.de -- Neue Neonazi-Gruppe in Berlin: Verfassungsschutz hat „Jägertruppe“ im Blick
       
       > Die neue rechtsextreme Gruppe „Jägertruppe“ besteht teils aus bekannten
       > Jungnazis. Verbindungen zur Bundeswehr gibt es laut Verfassungsschutz
       > nicht.
       
 (IMG) Bild: Martialisches Auftreten: Jägertruppe-Banner bei Neonazi-Demo am 29. November 2025 in Berlin-Mitte
       
       Ein pathetischer Online-Auftritt und zwei Demoteilnahmen: Mit der
       „Jägertruppe“ gibt es seit Kurzem eine weitere rechtsextreme Jugendgruppe
       in Berlin und Brandenburg.
       
       Die Gruppierung sei dem Berliner Verfassungsschutz seit Oktober bekannt,
       sagte Innenstaatssekretär Christian Hochgrebe (SPD) am Montag im
       Abgeordnetenhaus. In den sozialen Netzwerken habe diese zunächst „diverse
       rechtsextremistische Parolen und Ideologiefragmente“ verbreitet und einen
       „aggressiven und bedrohlichen Ton“ angeschlagen. Dann seien schnell
       „realweltliche Aktionen“ gefolgt, so Hochgrebe. Das Personenpotenzial liege
       im „unteren zweistelligen Bereich“.
       
       Die „Jägertruppe“ war zuletzt mit einem eigenen kleinen Block auf dem
       [1][Neonazi-Aufmarsch am 29. November in Berlin-Mitte] vertreten, den
       Antifaschist*innen erfolgreich blockierten. Die Jungnazis trugen ein
       Banner mit dem Emblem der Gruppe – Berliner Bär und Brandenburger Adler vor
       zwei gekreuzten Gewehren, dazu der Name in Frakturschrift – und dem Slogan
       „Für Sicherheit und Ordnung – keine Toleranz für kriminelle Ausländer“.
       
       Auch am rechtsextremen Aufmarsch gegen den [2][CSD in Cottbus] Mitte
       Oktober beteiligten sich 10 bis 15 Personen mit einem Transparent der
       „Jägertruppe“.
       
       Die Instagram-Seite der Gruppe war erst Anfang Oktober erstellt worden.
       „Respekt, Ehre & Stolz“ heißt es in der Beschreibung; gepostet werden dort
       etwa Memes mit schwülstigen Nietzsche-Zitaten sowie Fotos und Videos von
       den kleinen Demos in Berlin und Cottbus.
       
       Mit dem Namen wollen die Jungnazis wohl Bezug auf die Jägertruppe der
       Bundeswehr nehmen. Die ist Teil der Infanterie und erhält eine besondere
       Ausbildung für den Häuserkampf sowie den Einsatz in unwegsamem Gelände und
       Mittelgebirgen. Tatsächliche Verbindungen zur Bundeswehr habe man
       allerdings nicht feststellen können, betonte Berlins Verfassungsschutzchef
       Michael Fischer am Montag. „Der Name soll wohl vermitteln, man sei
       jagdbeflissen, kampf- und wehrbereit“, so Fischer.
       
       Seit Sommer 2024 sind unzählige Social-Media-Seiten wie jene der
       „Jägertruppe“ entstanden. Sie sind Ausdruck einer neuen rechtsextremen
       Netz- und Jugendkultur. Viele davon bleiben im virtuellen Raum, wollen
       Eindruck schinden, ihr Aktionspotential ist gering. Oft steht nicht einmal
       eine Gruppe dahinter, sondern Einzelpersonen.
       
       Einige aber fallen seit eineinhalb Jahren immer wieder mit [3][Gewalt,
       Bedrohungen und Störaktionen] auf, wie die „Deutsche Jugend Voran“ (DJV)
       aus Berlin oder die „[4][Deutsche Jugend Zuerst“ aus Halle an der Saale].
       Vertreter dieser Gruppen wurden [5][bereits zu Haftstrafen verurteilt].
       
       Ohnehin gibt es häufig personelle Überschneidungen zwischen den
       Jungnazi-Gruppen. „Die Szene verändert sich schnell. Gruppierungen
       entstehen und verschwinden wieder“, berichtete Verfassungsschutzchef
       Fischer. „Das liegt auch an ideologischen oder persönlichen
       Meinungsverschiedenheiten: Man entzweit sich, dann gründet man eben eine
       neue Gruppierung.“
       
       Zuletzt galt insbesondere die DJV als zerstritten und in der Szene
       isoliert. Die Gruppe suchte in der Folge unter anderem [6][den
       Schulterschluss mit der Neonazi-Partei „Die Heimat“] (ehemals NPD). Laut
       [7][Tagesspiegel] ist man auch in der „Jägertruppe“ nicht gut auf die
       Gesinnungsgenossen der DJV zu sprechen.
       
       Tatsächlich sind wohl einige Ex-DJVler mittlerweile Teil der „Jägertruppe“.
       „Ein Teil der Anhängerschaft hat Vorlauf in der Szene, etwa bei der DJV“,
       bestätigte Staatssekretär Hochgrebe am Montag. „Es gibt aber auch viele
       neue Leute, die wir noch nicht so gut kennen“, ergänzte Michael Fischer.
       Die Mitglieder seien teils sehr junge Menschen im Teenageralter, teils aber
       auch schon Mitte 30, so Fischer. Die weitere Entwicklung der Gruppe wolle
       seine Abteilung nun im Blick behalten.
       
       8 Dec 2025
       
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