# taz.de -- Xavier Naidoo ruft zu Demo in Berlin auf: Dieser Irrweg ist steinig und schwer
> Xavier Naidoo ist zurück und verbreitet Mythen über den Epstein-Skandal.
> Für Samstag trommelt er Verschwörungsfans zu einer Demo in Berlin
> zusammen.
(IMG) Bild: Comeback der Schwurbler? Es ist fraglich, ob der Fall Epstein die Szene mobilisiert wie damals Corona
Es ist das zweite fragwürdige Comeback von Xavier Naidoo innerhalb weniger
Wochen: Erst spielte der umstrittene Sänger im Winter nach sechs Jahren
Pause wieder Konzerte in teils ausverkauften Hallen, auch in Berlin. Jetzt
folgt offenbar seine Rückkehr als Verschwörungsideologe, nachdem er sich
2022 eigentlich – jedoch bereits wenig glaubwürdig – von „rechten und
verschwörerischen Gruppen“ losgesagt hatte. Das jüngste Erweckungserlebnis
des heute 54-Jährigen: der Missbrauchsskandal um den US-Investmentbanker
und Sexualstraftäter [1][Jeffrey Epstein].
Mitte Februar sorgte Naidoo für Schlagzeilen, als er am Berliner
Hauptbahnhof auf einer Kundgebung gegen sexualisierte Gewalt im
Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen auftauchte und dort von
„Kinderfressern“ und „embryonalem Gewürzmittel“ faselte, das Kartoffelchips
beigemengt werde. „Ich bin mir sicher, wir alle haben schon Menschenfleisch
gegessen“, sagte Naidoo in die Kameras der versammelten rechten Streamer.
Auch deutsche Politiker*innen seien in Kindesmissbrauch verwickelt,
behauptete er und fügte an: „Bis mir was anderes bewiesen wird, muss ich
leider davon ausgehen.“
Nun sucht der Sänger offenbar die nächste Bühne, um derlei Mythen und
Falschaussagen zu verbreiten. Seit Tagen bewirbt er auf Instagram eine
Demonstration am Samstag in Berlin-Mitte, bei der er selbst auftreten wird:
„Ich bitte euch alle, nach Berlin an die Siegessäule zu kommen. Es geht um
die Kinder, es geht um uns alle“, sagt Naidoo in einer Story auf seinem
Account, untermalt mit eigenem Gesang.
Laut dem Demo-Aufruf, auf dem Naidoo groß abgebildet ist, wird sich dort
für die „Aufklärung möglicher deutscher Verbindungen im Epstein-Komplex“
eingesetzt. Die Berliner Polizei teilt auf taz-Anfrage mit, für die
Versammlung mit dem Titel „Transparenz, Rechtsstaat und Schutz von
Minderjährigen – Aufklärung im Kontext möglicher deutscher Bezüge im
internationalen Epstein-Komplex“ seien 10.000 Teilnehmer*innen
angekündigt. Die Route führe vom Großen Stern durchs Regierungsviertel und
ende wieder am Ausgangspunkt. Anmelder sei ein Bündnis namens „Initiative
Transparenz, Rechtsstaat und Kinderschutz (ITRK)“.
## Naidoo gilt eher als Witzfigur
Erlebt Berlin am Samstag die erste große verschwörungsideologische
Demonstration seit der Coronapandemie – mit den Epstein-Files als
verbindendes Element? Unwahrscheinlich, glaubt Politikwissenschaftler Josef
Holnburger, der für das [2][Forschungsinstitut Cemas] seit vielen Jahren
das verschwörungsideologische Milieu in Deutschland beobachtet. „Zwar hofft
die Szene auf eine Mobilisierung durch den Epstein-Skandal. Die Resonanz
ist bislang aber gering: Ich sehe keinen großen Account, der das geteilt
hat und auch niemanden, der die Logistik für eine größere Demo stemmen
könnte.“
Das Bündnis sei noch nie vorher in Erscheinung getreten. Auch das
rechtsextreme Compact-Magazin, das den Demo-Aufruf verbreitet, habe zuletzt
nur wenige Leute auf die Straße bringen können, erklärt Holnburger. „Schwer
einzuschätzen ist nur, ob Naidoos Aktivitäten auf Instagram Wirkung zeigen.
Dort folgen ihm knapp 680.000 Accounts.“ Jedoch sei das Interesse an Naidoo
nach seinem Auftritt am Rand der Demo im Februar eher voyeuristisch als
ernsthaft: „Man macht sich über ihn lustig.“
Xavier Naidoo fällt seit Langem durch antisemitische und homophobe Aussagen
auf. Er verbreitete Mythen der „Reichsbürger“ und outete sich während der
Coronapandemie als „QAnon“-Anhänger. Dahinter steht ein Weltbild, laut dem
eine geheime Elite Kinder missbraucht, ihr Blut trinkt und Medien und
Politik kontrolliert. 2022 bat er dann öffentlichkeitswirksam um
Entschuldigung und [3][erklärte seine Abkehr von verschwörungsideologischen
Gruppen und Aussagen] – wobei er nie genau sagte, von wem und wovon genau
er sich distanzieren wolle. Am Landgericht Mannheim laufen zurzeit noch
zwei Verfahren gegen ihn. Der Vorwurf: Volksverhetzung. Naidoo beteuert
seine Unschuld.
Dass Naidoo jetzt im Zuge des Epstein-Skandals wieder in Erscheinung tritt,
ist für Cemas-Geschäftsführer Josef Holnburger wenig verwunderlich: „Die
Causa Epstein ist besonders anschlussfähig für Verschwörungsideologen.“ In
deren Erzählungen stehe „das absolute Böse“ gegen „das absolute Gute“,
erklärt der Politikwissenschaftler. „Und als besonders Böse gilt etwa, dass
sich an Kindern vergangen wird.“ Schon die antisemitischen
Ritualmord-Legenden aus dem 12. Jahrhundert hätten auf diese Weise
funktioniert.
Wer einen solchen Mythos verbreite, habe den Vorteil, sich dadurch selbst
integer darzustellen. „Wenn man behauptet, sich gegen Kindesmissbrauch
einzusetzen, sieht man sich auf der moralisch richtigen Seite. Kritik lässt
sich leicht diskreditieren“, sagt Holnburger. Fatal sei, dass dadurch aus
dem Blick gerate, dass Pädokriminalität zumeist im engsten Verwandtenkreis
stattfinde. „Es gibt eine große Mystifizierung und Angst, die von
Verschwörungsmythen genährt wird. Und die nutzen Personen wie Xavier Naidoo
zur Mobilisierung.“
10 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://cemas.io/
(DIR) [3] /Naidoos-Abkehr-vom-Verschwoerungsglauben/!5846586
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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