# taz.de -- Münchens OB und das N-Wort: Dieter Reiter will rassistische Äußerung nur zitiert haben
> Mit der Nutzung des N-Worts während einer Ratssitzung hat das
> SPD-Stadtoberhaupt für Empörung gesorgt. Die nachträgliche Entschuldigung
> entlässt ihn nicht aus der Verantwortung, finden Aktivist:innen.
(IMG) Bild: Sicher angenehmer als die aktuelle Debatte: Dieter Reiter beim Empfang des FC Bayern als Deutscher Meister 2025
afp/dpa Nach einer rassistischen Äußerung von [1][Münchens
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD)] im Stadtrat hält die Kritik an.
„Wenn ein Oberbürgermeister einen Begriff verwendet, den die Stadt selbst
als rassistisch eingeordnet und geächtet hat, zeugt dies nicht nur von
mangelndem Bewusstsein für die Erfahrungen der Betroffenen, sondern
untergräbt auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Beschlüsse“, erklärte
Modupe Laja vom Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern am
Samstag.
Reiter hatte bei der Sitzung des Stadtrats, während er in der Tagesordnung
blätterte, [2][das N-Wort] benutzt. Später entschuldigte er sich in einer
Erklärung dafür und nannte seine Äußerung ein Zitat aus einem Stück des
verstorbenen Künstlers Fredl Fesl, das ihm spontan über die Lippen gekommen
sei. „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder
abzuwerten.“ Alfred Raimund „Fredl“ Fesl (1947–2024) war ein
niederbayerischer Musiker, Sänger und Kabarettist.
Weiter schrieb Reiter: „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu
verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder
herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um
Entschuldigung.“
Ihm sei bewusst, dass der Münchner Stadtrat im Februar 2022 mit dem
Beschluss „N-Wort ächten“ deutlich gemacht habe, dass die Verwendung dieses
Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist, so der
Oberbürgermeister. „Dieser Haltung schließe ich mich selbstverständlich an.
Gerade als Oberbürgermeister habe ich eine besondere Verantwortung für
einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang
miteinander.“
„Unabhängig von persönlicher Absicht oder Kontext bleibt die Verwendung
eines rassistischen Begriffs diskriminierend“, entgegnete dem das Netzwerk
Rassismusfreies Bayern. „Wer einen solchen Begriff verwendet – insbesondere
in der Vorbildfunktion eines politischen Vertreters – kann sich nicht
allein durch eine nachträgliche Entschuldigung oder durch den Verweis auf
einen vermeintlichen Zitatkontext aus der Verantwortung ziehen.“
Die Aktivisten verweisen ebenfalls auf den Beschluss des Münchner
Stadtrats, wonach die Verwendung rassistischer Sprache als Störung des
ordnungsgemäßen Sitzungsablaufs im Sinne der Geschäftsordnung zu werten ist
und entsprechend Ordnungsmaßnahmen zu prüfen sind. „Solche Beschlüsse
dürfen keine symbolischen Erklärungen bleiben. Sie müssen auch dann gelten,
wenn politisch Verantwortliche selbst von ihnen betroffen sind“, erklärten
sie.
In Bayern stehen am Sonntag Kommunalwahlen an. Reiter strebt dabei mit 67
Jahren eine dritte Amtszeit an. Er geht als Favorit in die Wahl, war
zuletzt allerdings erheblich unter Druck geraten. So musste er Versäumnisse
bei seinem Engagement für den FC Bayern München einräumen, wo er nach
Jahren im Verwaltungsbeirat nun in den Aufsichtsrat wechseln will.
7 Mar 2026
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