# taz.de -- „Twin Peaks“ auf arte: Mit Männern leben
       
       > „Twin Peaks“ mit dem Wissen um den Pelicot-Prozess wiedergesehen, ist
       > noch ein Stück unheimlicher. Oder sagen wir besser: realistischer?
       
 (IMG) Bild: Liebt guten Kaffee: Kyle Maclachlan als Special Agent Dale Cooper
       
       Wem es vorher nicht aufgefallen war, dem wurde bei der Lektüre von
       [1][Manon Garcias „Mit Männern leben: Überlegungen zum Pelicot-Prozess“]
       klar, dass wir uns mit diesem Prozess in einen Inzestkosmos begaben. Inzest
       als Herrschaftsprinzip, als Verbrechen, das Herrschaft etabliert und
       perpetuiert, prägte die Familie rund um Gisèle Pelicot.
       
       In der [2][Serie „Twin Peaks“] von David Lynch und Mark Frost, derzeit
       wieder auf Arte zu sehen, hat ein Vater seine Tochter getötet. [3][Im
       Sterben] erzählt er verklausuliert von einem an ihm als Kind begangenen
       Missbrauch: Ein Geist habe ihn geöffnet, sei in ihn eingedrungen, habe ihn
       später schreckliche Dinge tun lassen.
       
       Ist das Wahnsinn – oder was sonst? Das Ermittlerteam ist sich nicht einig.
       Der einheimische Sheriff Truman findet den Vater „completely insane“, es
       fällt ihm schwer, die Sache mit dem bösen Geist zu glauben, trotz allem,
       was er in den mystisch-dunklen Wäldern seiner Heimat an der Grenze zu
       Kanada schon gesehen hat.
       
       Der FBI-Mann Cooper, eine Art Engelsgestalt, antwortet mit einer inzwischen
       zum Klassiker gewordenen Frage: „Is it easier to believe a man would rape
       and murder his own daughter? Any more comforting?“
       
       ## Reale Welt
       
       Was im südfranzösischen Mazan geschehen ist, wurde im US-amerikanischen
       „Twin Peaks“ bereits erzählend vorweggenommen. Das Mythische und
       Unheimliche an „Twin Peaks“ ist eben nicht nur dem Farbgenius von David
       Lynch und der Musik Angelo Badalamentis geschuldet – am Ende ist „Twin
       Peaks“, so unheimlich, weil es ein radikal realistisches Werk ist, das die
       Frage stellt: Wenn das die reale Welt ist, wie sollen wir in ihr leben?
       
       So wie Manon Garcia eben die Frage stellt, wie sie nach diesem Prozess, den
       sie vor Ort beobachtet, nach Hause fahren und ihr heterosexuelles Eheleben
       wieder aufnehmen: wie sie eben weiterhin mit Männern leben soll.
       
       5 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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