# taz.de -- Curtis Sittenfeld „Mittelalte Frauen“: Nicht das Ende des Lebens
> Wechseljahre, Freundschaften, Beziehungen: In „Mittelalte Frauen“ öffnet
> Curtis Sittenfeld ein Kaleidoskop der Geschichten von Frauen in der
> Lebensmitte.
(IMG) Bild: Mittelalt fängt das Leben an
Sie sind Managerinnen, Autorinnen, Produzentinnen, Ehefrauen, Mütter – und
vor allem Freundinnen. In 12 Geschichten lässt Curtis Sittenfeld, selbst 50
Jahre alt, „Mittelalte Frauen“ – so auch der Titel – über ihr Leben
reflektieren. Die Auslöser sind immer andere: Jess sieht auf einer Party
ihren Ehemann mit einer anderen Frau sprechen, in die er offensichtlich
verliebt ist, und denkt: „Wenn du dein Glück verfolgst, dann will ich das
vielleicht auch.“ Sie trennen sich, und Jess zieht zurück in ihre Heimat,
um ihren Schwestern nahe zu sein.
Die atheistische Filmproduzentin Heather will den Eheratgeber eines
katholischen Priesters verfilmen und rettet damit ihre Ehe. Die
bürgerliche, reflektierte Jill sieht sich mit ihrem eigenen Rassismus
konfrontiert und versucht sich zu rehabilitieren, indem sie den Hund ihrer
Schwarzen Nachbarin sucht.
Gekonnt lässt Sittenfeld literarisch eher unterbelichtete Themen wie
Wechseljahre und Mammografie-Untersuchungen einfließen, ohne dass diese die
Geschichten dominieren. Sittenfeld zeigt überzeugend, dass das „mittlere
Alter“ nicht das Ende des Lebens einleitet und Neuanfänge möglich sind –
innerhalb oder außerhalb des bisherigen Lebensentwurfs. Und: „Mittelalte
Frauen“ ist eine Hymne auf Freundschaften, die uns durchs Leben tragen.
Trotz der Vielfältigkeit der Geschichten eint die meisten, dass die
Protagonistinnen Teil der weißen Mittelschicht der USA sind und bürgerliche
Leben führen. Schwarze Menschen und FLINTA-Personen kommen nur in
Nebenrollen vor, Arbeiter*innen oder Arbeitslose gar nicht. Was wohl
schlicht daran liegt, dass sich die Autorin in diesem Milieu am besten
auskennt. Johanna Treblin
19 Mar 2026
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