# taz.de -- Europa und der Irankrieg: Zypern, ein Freund Israels
       
       > Am Montag schlug eine Schahed-Drohne auf einer britischen Militärbasis
       > auf Zypern ein. Die geteilte Insel ist strategisch bedeutsam in der
       > Region.
       
 (IMG) Bild: Ein Kampfjet hebt vom britischen Luftwaffenstützpunkt „RAF Akrotiri“ ab, Zypern, am 2. 3. 2026
       
       Es war das allererste Mal seit der Invasion türkischer Streitkräfte im Juli
       1974, dass Zypern angegriffen wurde: In der Nacht zum Montag schlug eine
       Militärdrohne vom iranischen Typ „Schahed“ auf der Landebahn des britischen
       Luftwaffenstützpunktes Akrotiri ein. Der Sachschaden hielt sich in Grenzen,
       verletzt wurde niemand. Zypern befindet sich nach dem Drohnenangriff
       gleichwohl in höchster Alarmbereitschaft. Griechische, französische sowie
       britische Kriegsschiffe und [1][Kampfjets wurden zur Hilfe entsandt]. Es
       ist nicht von der Hand zu weisen: Der Krieg rückt heran an Europa.
       
       Iran hüllt sich indes in Schweigen. Drohnenangriffe passen jedoch zur
       iranischen Vergeltungsstrategie, wonach alle Länder in der Region, die
       direkt oder indirekt an den seit Samstag andauernden [2][Angriffen durch
       Israel und die USA] beteiligt sind, schlagartig als „legitime Ziele“
       gelten.
       
       Zwar beeilte sich Zyperns Staatspräsident Nikos Christodoulidis
       klarzustellen, dass sich sein Land „in keiner Weise an Militärschlägen“
       gegen Iran beteilige. Doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen.
       Denn kurz vor dem Drohnenangriff auf Akrotiri hatte der britische Premier
       Keir Starmer den USA die Nutzung britischer Stützpunkte gestattet, um „die
       Abschussvorrichtungen iranischer Raketen zu zerstören“.
       
       Für Iran und die verbündete [3][Hisbollah im Libanon], dessen Küste nur 150
       Kilometer von Zypern entfernt liegt, waren Starmers Worte offenkundig das
       Signal zum Angriff. Auf der Insel existieren zwei Militärbasen unter
       britischer Souveränität: Akrotiri sowie Dekelia – ein Überbleibsel der
       britischen Kronkolonie bis 1960.
       
       ## Trilaterale Zusammenarbeit
       
       Für das Vereinigte Königreich sind sie von enormer strategischer Bedeutung
       in der Region. Erst Anfang Februar verlegte London gleich sechs hochmoderne
       F-35-Kampfjets nach Akrotiri, als sich die Anzeichen für einen Krieg
       zwischen den USA und dem Iran verdichteten. Die ohnehin auf Zypern
       stationierten Typhoon-Kampfjets führen Missionen gegen Ziele des
       „Islamischen Staates“ im Irak und in Syrien durch.
       
       Doch auch die Republik Zypern selbst hat zuletzt geostrategisch stark an
       Bedeutung gewonnen. Seit 2004 ist das [4][seit dem Sommer 1974 faktisch
       geteilte Zypern] Mitglied der EU. Dazu gehört de jure die ganze Insel und
       somit auch der Inselnorden, wo 1983 die international nur von der Türkei
       anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ ausgerufen wurde. Spätestens
       nach der Vollinvasion Russlands in die Ukraine im Februar 2022 hat deren
       Hauptstadt Nikosia die traditionell guten Beziehungen zu Moskau gekappt und
       die zuvor eingeleitete Westbindung ausgebaut und vertieft.
       
       Zyperns erklärtes Ziel ist es, [5][Mitglied der Nato zu werden]. „Wir
       sprechen mit den USA, was eine Nato-Mitgliedschaft Zypern bietet“, gibt
       Zyperns Präsident Christodoulidis die Marschrichtung vor. Washington
       unterstützt strategisch bereits ein immer enger werdendes Dreierbündnis
       zwischen Nato-Mitglied Griechenland, Zypern und Israel. Die strategische
       Kooperation der drei Länder mit den USA in einem sogenannten 3+1-Modell
       stellt aus US-Sicht einen Stabilitätspfeiler in der krisengebeutelten
       Region dar. Die Zusammenarbeit betrifft die Bereiche Verteidigung,
       Sicherheit, Energie sowie Umwelt.
       
       Zu einem Meilenstein avancierte der zehnte Dreiergipfel am 22. Dezember in
       Jerusalem: Israels Premier Benjamin Netanjahu, der griechische Premier
       Kyriakos Mitsotakis und Zyperns Präsident Nikos Christodoulidis
       unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, deren Vision es ist, „eine Ära
       der Stabilität, des Wohlstands und der Zusammenarbeit einzuleiten, die sich
       von Indien über den Nahen Osten, den östlichen Mittelmeerraum bis nach
       Europa erstreckt“. Das sieht die Türkei anders. Ankara sieht das
       trilaterale Projekt als „Achse“ gegen seine Interessen.
       
       4 Mar 2026
       
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