# taz.de -- Handykonsum der älteren Generation: Bildschirmzeit der Boomer boomt
       
       > Das Doomscrolling 50- bis 70-Jähriger nimmt offenbar in beängstigendem
       > Maße zu. Ist also gar nicht die Gen Z das Problem?
       
 (IMG) Bild: Wer sein Handy so hält, verrät etwas über sein Alter
       
       Kinder und Enkel schlagen Alarm. Wo sie vormals die Sorge um den
       körperlichen und geistigen Verfall ihrer geliebten Alterchen umtrieb, ist
       es heute deren Internetsucht. Denn [1][laut der Washington Post] haben
       Personen über 65 Jahre eine doppelt so hohe Bildschirmzeit wie noch vor
       zwei Jahren. Sie besitzen auch deutlich mehr Devices als Menschen unter 25,
       aber natürlich haben sie im Schnitt mehr Geld.
       
       Zunehmend gilt die Formel: Boomer = Doomer. [2][Das Doomscrolling 50- bis
       70-Jähriger] nimmt offenbar in beängstigendem Maße zu. Schlimmer wurde das,
       wie so vieles andere auch, vor allem mit der Pandemie. Dazu kommt, dass
       ältere Leute weniger schlafen, was mehr potentielle Zeit für den
       ungehemmten Medienkonsum bedeutet.
       
       Haben wir, frei nach Winston Churchill, also „das falsche Schwein
       geschlachtet“ mit unseren Bemühungen, Kindern und Jugendlichen den
       unbeschränkten Zugang ins Netz zu verwehren?
       
       Wären eingeschränkte Netzzeiten oder gar ein Internetführerschein nicht für
       die Boomer-Generation weitaus angebrachter? [3][Denn während Kinder und
       Jugendliche zu Hause] oder in der Schule wenigstens die Basics über die
       Gefahren digitaler Überlastung mitbekommen, sehen sich die Alten damit
       allein gelassen. Sie sind in der Beziehung wie ein Naturvolk, dass
       eingeschleppten Viren oder Feuerwasser unschuldig und wehrlos gegenüber
       steht.
       
       ## Zwischen Sucht und mangelnder Netiquette
       
       Sie sind mit diesen technischen Möglichkeiten nun mal nicht groß geworden,
       und haben sie sich erst als Erwachsene angeeignet. Eine
       Millennial-Kollegin, die mich auslachte, als sie mich mit klobigen
       Fingerchen auf meinem Handy herumtapsen sah, hat instinktiv den Punkt
       getroffen: Die unbeholfene mechanische Handhabung lässt Rückschlüsse auf
       den inhaltlichen und mentalen Umgang mit dem ungewohnten Medium zu.
       
       Sucht und Kontrollverlust sind dabei nur das eine. Mangelnde Netiquette und
       unangemessenes Verhalten in der Kommunikation mit anderen, besonders
       fremden, Usern ist der andere große Problemkomplex.
       
       So macht es für mich einen Unterschied, ob ich meinen Blutdruck vor oder
       nach dem morgendlichen Lesen der ersten Netzkommentare messe. Dass ich
       überhaupt messe, ist ja bereits ein Hinweis auf mein Alter. Und auch dass
       ich den Müll noch lese. Schließlich kann man das auch einfach sein lassen.
       
       ## Die Jungen haben Facebook längst verlassen
       
       So wie die Jungen. Auf Facebook ist längst keiner mehr von denen, was schon
       alleine ihre menschliche und mediale Kompetenz beweist. Sie haben die
       Plattform verlassen, die von Wut-Boomern zernagt und unbrauchbar gemacht
       wurde, wie ein Deich von Bisamratten, oder wie zuvor bereits X (vormals
       Twitter) von Rechten. Überall tummeln sich dort nun Meinesgleichen
       (Jahrgang 1965) und machen sich das Leben gegenseitig zur digitalen
       Vorhölle.
       
       Allerdings ist gerade die Gruppe der Boomer äußerst heterogen. Denn in
       Deutschland ist wegen des Zweiten Weltkriegs die Boomer-Generation
       verschoben und bezeichnet die Jahrgänge 1955 bis 1969. Gerade in dieser
       Altersklasse ist die Bandbreite der digitalen Fähigkeiten jedoch gewaltig.
       
       Denn sie schließt zwar zum einen auch die alten Schlachtrösser mit ein, die
       tatsächlich zu denken scheinen, man nähme sie und ihren Hass persönlich
       wahr: Die ganze Welt blickt gebannt auf ihn, Horst Nessel (65) aus
       Helmstedt, wie er es den Woken so richtig zeigt, die unser Land zerstören.
       Er ahnt nicht mal, dass er mitsamt seinen Deppenlachsmileys und
       Empathiedefiziten doch bloß ein winziges Untertönchen in einem einzigen
       lauten, unsagbar hässlichen Hintergrundrauschen ist. Man weiß noch nicht
       mal, ob er echt ist, so sehr geht er in der Masse unzähliger Russenbots,
       Sea Lions, und Accounts alkoholkranker FDP-Politiker unter.
       
       Zum anderen aber hat man, gerade in den Endsechziger-Jahrgängen, die sich
       ja schon mit der Generation X überschneiden, Leute, die das sogar beruflich
       machen. Sie haben das Internet erfunden und weiterentwickelt, sie sind das
       Internet. Denen kann man das schlecht wegnehmen; denen braucht man all das
       auch nicht zu erklären. Es ist eben doch, wie die Washington Post schreibt:
       „Not all boomers!“
       
       19 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.washingtonpost.com/style/2026/03/18/boomer-screen-addiction/
 (DIR) [2] /Doomscrolling-in-Krisenzeiten/!5842964
 (DIR) [3] /Social-Media-Verbot-fuer-Unter-14-Jaehrige/!6160437
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uli Hannemann
       
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