# taz.de -- Schulstreik gegen Wehrpflicht: Repression als Ansporn
       
       > Vor drei Monaten protestierten Jugendliche erstmals während der Schulzeit
       > gegen eine mögliche Wehrpflicht. Nun steht ein zweiter Streiktag an.
       
 (IMG) Bild: Hamburg im Februar 2026, SchülerInnen demonstrieren gegen die Einführung einer Wehrpflicht
       
       Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ war mit einem ehrgeizigen
       Ziel angetreten: d[1][as Gesetz zur „Modernisierung“ des Wehrdienstes]
       verhindern. 55.000 Schüler*innen in über 90 Städten streikten nach
       Angaben des Bündnisses Anfang Dezember während der Schulzeit und zogen auf
       die Straße, um den [2][eigenen Interessen] Gehör zu verschaffen.
       
       [3][Drei Monate sind seitdem vergangen], die ersten 18-Jährigen erhielten
       inzwischen Fragebögen zur Wehrerfassung. Doch am Streiktag, dem 5.
       Dezember, wurde das Gesetz im Bundestag verabschiedet. Ist die
       Streikbewegung damit direkt wieder im Keim erstickt?
       
       „Der 5. Dezember war keine Niederlage für uns“, sagt Phil Werring. Der
       17-jährige Schüler organisierte den Streik in Münster, übernimmt für die
       Initiative zudem die Pressearbeit. Allein dass man so viele
       Schüler*innen habe mobilisieren können, wertet er als Erfolg, als
       Zeichen dafür, dass man sich nicht alles gefallen lasse.
       
       ## Unterstützung von Linkspartei und Bildungsgewerkschaft
       
       Schnell stand fest: Am 5. März soll erneut gestreikt werden, und das in 138
       Städten, wie die Initiative nun kurz vor dem zweiten Streiktag auf
       Instagram ankündigte. Die Bewegung habe ihre Dynamik keinesfalls verloren,
       erklärt Werring. Im Gegenteil: Während städteweite Komitees die ersten
       Proteste organisiert hatten, bildeten sich in der Zwischenzeit sogar eigene
       Schulkomitees, die nun die Mobilisierung vor Ort besser übernehmen können.
       
       Und auch bundesweit hat man sich vernetzt: An einer Streikkonferenz Mitte
       Februar in Göttingen nahmen über 250 Jugendliche aus über 70 Städten teil.
       In einer Resolution hielt das Bündnis im Anschluss fest: „Es geht bei der
       Einführung der Wehrpflicht weder um Verteidigung noch um Werte wie Freiheit
       oder Demokratie. Wir haben von Aufrüstung und Krieg nichts zu gewinnen.“
       
       Zu den Unterstützern der Proteste gehört neben der Partei Die Linke auch
       die Bildungsgewerkschaft GEW. „Wenn Konzerne wie Rheinmetall profitieren,
       während an unseren Schulen Personal fehlt, läuft etwas grundlegend falsch“,
       begründet Rune Schanz von der GEW die eigene Positionierung.
       
       Dass die Streikenden aber auch mit Gegenwind rechnen müssen, weiß Linus,
       der die Proteste in München organisiert. Schon im Dezember habe ihr
       Schulleiter vor dem ersten Streik bei Teilnahme mit Konsequenzen gedroht.
       Am Tag des Streiks hätten Lehrkräfte dann die Ausgänge versperrt und
       Schüler*innen verfolgt, die das Gebäude durch den Hintereingang
       verlassen wollten, erzählt der 15-Jährige am Telefon.
       
       „Diese Repressionen haben viele von uns angespornt“, sagt Linus, es sei
       eine regelrechte Jetzt-erst-recht-Mentalität entstanden. Nach dem ersten
       Streik seien sogar Schüler*innen auf ihn zugekommen und hätten angeregt,
       auch vor der [4][Münchner Sicherheitskonferenz] und dem Karrierecenter der
       Bundeswehr zu protestieren – beides habe man umgesetzt.
       
       Seit Wochen verteilt Linus nun Flyer an Schulen, versucht weitere
       Jugendliche vom Streiken zu überzeugen. Er ist überzeugt, dass auch dieser
       Streiktag ein Erfolg werden wird. „Vielleicht wurde dieses Scheißgesetz
       jetzt beschlossen, die Musterungen haben aber noch nicht begonnen, die
       können wir noch verhindern“, sagt der 15-Jährige zu seiner Motivation. Dass
       er selbst zur [5][Musterung] muss, wenn er volljährig wird, will er
       unbedingt verhindern.
       
       5 Mar 2026
       
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