# taz.de -- Argentinien hebelt Gletscherschutz aus: Alles für den Bergbau
> Argentiniens Präsident Milei will das Gletscherschutzgesetz ändern, um
> Großinvestitionen im Bergbau zu erleichtern. Umweltschützer protestieren.
(IMG) Bild: Protestaktion von Greenpeace in Buenos Aires gegen das geplante Gesetz, in Gletscherregionen Bergbau zu ermöglichen
Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei treibt den Megabergbau in
den Anden voran. Dafür hat er dem Kongress eine Reform des
Gletscherschutzgesetzes vorgelegt. Am Donnerstag hatte der Senat nach
langer Debatte mit 40 Stimmen für die Reform gestimmt, 31 Senator*innen
votierten dagegen, bei einer Enthaltung. Die Abstimmung im Abgeordnetenhaus
steht noch aus.
Das bestehende [1][Gesetz schützt über 16.000 Gletscher und periglaziale
Formationen], die insgesamt 39 Wassereinzugsgebiete entlang einer Strecke
von 5.000 Kilometern an den Anden speisen und damit die Wasserversorgung
von Millionen von Menschen sichern. Es verbietet jeglichen Bergbau und jede
Ölförderung in der Umgebung von sichtbaren Gletschern sowie unterirdischen
Eisformationen.
Das stellt für die Bergbauunternehmen nicht nur ein Hindernis, sondern vor
allem eine juristische Unsicherheit für ihre möglichen Investitionen dar.
Und für Präsident Milei ist es das zentrale Hindernis für sein System zur
Förderung von Großinvestitionen, das mit einer Vielzahl von Steuer-, Zoll-
und Wechselkursvorteilen Investitionsprojekte mit einem Volumen von
mindestens 200 Millionen Dollar anlocken soll. Das ist ein Betrag, der im
Bergbau üblich ist, wegen des Gletscherschutzes aber [2][noch nicht in
großem Umfang] investiert wurde.
Gemäß der Verfassung sind natürliche Ressourcen und Bodenschätze Eigentum
der Provinzen. Diese entscheiden selbst, was mit potenziellen Öl-, Gas-,
Kupfer- oder Lithiumvorkommen geschieht. Diesen Hebel möchte Milei nutzen,
um das Gesetz zu reformieren. Künftig sollen auch die aus Gletschern
stammenden Wasserressourcen Eigentum der Provinzen sein, die letztlich über
deren Schutz oder Nutzung entscheiden werden. Wer etwas über die
Verflechtungen zwischen den politisch Mächtigen in den Provinzen und der
Lobby der Bergbaubranche weiß, weiß auch, dass damit der Bock zum Gärtner
gemacht wird.
## Wasserversorgung in Gefahr?
Das staatliche, aber unabhängige Institut für Schnee-, Gletscher- und
Umweltwissenschaften (Ianigla) und seine Wissenschaftler*innen sind
für die Ausweisung der Schutzzonen und deren Eintragung in ein nationales
Register zuständig. Mit der Reform soll diese Zuständigkeit auf die
jeweiligen Provinzregierungen übertragen werden. Künftig sollen diese
entscheiden, welche Gletscher- und Periglazialzonen für die
Wasserressourcen relevant sind und möglicherweise aus dem
Schutzgebietsregister gestrichen werden können.
Vor dem Beginn der Debatte im Senat hatte eine Gruppe von
Greenpeace-Aktivist*innen sich auf den Treppenstufen des Kongressgebäudes
auf mitgebrachte Kloschüsseln gesetzt und mit dem Spruch „Senadores, no se
caguen en el agua“ (Senatoren, scheißt nicht ins Wasser) gegen die Reform
demonstriert. Sie wurden geräumt und vorübergehend festgenommen.
Greenpeace und andere Nichtregierungsorganisationen kritisieren, dass mit
der Reform „die international beispielhaften Regelungen, die den
Mindeststandards für den Schutz von Wasserquellen in Hochgebirgsregionen
festlegen“ faktisch außer Kraft setzt. Die Eismassen stellen rund 75
Prozent der Süßwasserreserven des Landes dar.
## Angriff auf „Meilenstein des Umweltrechts“
Da sich die Eismassen entlang der Anden aufgrund des Klimawandels bereits
zurückziehen, wird es immer wichtiger, sie als Wasserquelle zu schützen. So
ist der berühmte und über Jahrhunderte gewachsene
[3][Perito-Moreno-Gletscher] in Patagonien in den Jahren 2020 bis 2024 in
einer Länge von 800 Metern geschrumpft.
Das Gletscherschutzgesetz ist eines der wenigen Umweltschutzgesetze, die
diese Bezeichnung verdienen. Greenpeace nannte es zum 15. Jahrestag seiner
Verabschiedung einen „Meilenstein in der Geschichte des argentinischen
Umweltrechts“, weil es den „Schutz der Gletscher und der periglazialen
Umwelt als strategische Wasserreserven und nationales Naturerbe
etablierte“.
27 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Umweltschutz-in-Argentinien/!5132585
(DIR) [2] /Lithium-in-Lateinamerika/!6077191
(DIR) [3] /Gletscher-in-Patagonien/!5958619
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Vogt
## TAGS
(DIR) Gletscher
(DIR) Argentinien
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Wasser
(DIR) Javier Milei
(DIR) Greenpeace
(DIR) Naturschutz
(DIR) Umweltaktivist
(DIR) Umweltschutz
(DIR) GNS
(DIR) Argentinien
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Tourismus in Argentinien: Krise im Gletscherparadies
Um die Inflation zu bekämpfen, hat Argentiniens libertärer Präsident Milei
Ausgaben gekürzt. Das verteuert den Peso – mit ungewollten Nebenwirkungen.
(DIR) Uno ruft zum Erhalt der Eisgiganten auf: „Gletscher sind eine Frage des Überlebens“
Die stillen Riesen schmelzen: 2024 haben das dritte Jahr in Folge alle
Gletscherregionen der Welt an Masse verloren.
(DIR) Alpen besonders betroffen: Gletscher schmelzen deutlich schneller
Eine Studie zeigt: Das Abschmelzen des Gletschereis beschleunigt sich.
Besonders betroffen sind die Alpen.