# taz.de -- Iran-Krise kurz vor der Eskalation: USA legen Botschaftsmitarbeitern in Israel die Ausreise nahe
       
       > „Bemühen Sie sich um einen Flug irgendwohin“, schreibt der Botschafter in
       > einer internen Mail. Atom-Experten melden verdächtige Aktivitäten in
       > Iran.
       
 (IMG) Bild: Die USS Gerald R. Ford, das größte Kriegsschiff der Welt, wurde in die Region verlegt
       
       afp/dpa/taz | Angesichts eines möglichen US-Angriffs auf den Iran hat
       Washington Botschaftsmitarbeitern in Israel die Ausreise nahegelegt. Nicht
       dringend benötigte Mitarbeiter und ihre Familien „sollten erwägen, Israel
       zu verlassen, solange noch Linienflüge verfügbar sind“, erklärte die
       Botschaft am Freitag. Die Ankündigung erfolgte [1][einen Tag nach
       indirekten Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran], sie bestärkte die
       Furcht vor einer Eskalation.
       
       US-Präsident Donald Trump droht der mit Israel verfeindeten Führung des
       Iran seit Wochen mit einem Militäreinsatz. Er hat Teheran eine [2][Frist
       bis Anfang März gesetzt], um sich mit Washington auf ein neues
       Atom-Abkommen zu einigen.
       
       Allen „nicht zur Notfallbesetzung gehörenden“ Angestellten der Vertretung
       in Jerusalem sowie deren Angehörigen werde es aufgrund von
       „Sicherheitsrisiken“ mit sofortiger Wirkung freigestellt, Israel zu
       verlassen, erklärte die US-Botschaft auf ihrer Website.
       
       Wie die „New York Times“ berichtete, soll Botschafter Mike Huckabee die
       Angestellten in einer E-Mail mit noch drastischeren Worten zur Ausreise
       aufgefordert haben. Diejenigen, die das Land verlassen wollten, sollten
       dies „HEUTE“ tun, schrieb Huckabee demnach und fügte hinzu: „Bemühen Sie
       sich darum, einen Platz in einem Flugzeug irgendwohin zu bekommen, von wo
       aus Sie dann nach Washington weiterreisen können, aber die oberste
       Priorität ist es, das Land schnell zu verlassen.“
       
       US-Vizepräsident J. D. Vance wies Sorgen vor möglichen Konsequenzen eines
       US-Angriffs auf den Iran zurück. Es bestehe „keine Chance“, dass ein
       solcher Schlag gegen Teheran die USA „jahrelang in einen Krieg im Nahen
       Osten“ verwickeln würde, sagte Vance der „Washington Post“.
       UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk zeigte sich hingegen „extrem
       alarmiert über die Möglichkeit einer regionalen militärischen Eskalation“.
       Vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf sagte er: „Ich hoffe, die Stimme der
       Vernunft setzt sich durch.“
       
       ## Auch China ruft seine Staatsbürger zur Ausreise aus
       
       Auch China warnte seine Staatsbürger vor einer Eskalation in der Region.
       Chinesen im Iran sollten das Land „so bald wie möglich“ verlassen.
       Chinesische Staatsbürger in Israel wurden zu höchster Wachsamkeit
       aufgerufen, wie Staatsmedien berichteten.
       
       Um den Druck auf den Iran zu erhöhen, hatten die USA in den vergangenen
       Wochen ihre Militärpräsenz in der Region deutlich verstärkt und zwei
       Flugzeugträger sowie Kriegsschiffe in die Region verlegt. Der weltgrößte
       Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ wurde vor der Küste Israels erwartet.
       Der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ war bereits zuvor in die
       Golfregion geschickt worden.
       
       In den Atomverhandlungen wollen die US-Vertreter laut dem „Wall Street
       Journal“ vom Donnerstag fordern, dass der Iran seine drei wichtigsten
       Atomanlagen zurückbaut und das angereicherte Uran an die USA übergibt.
       
       Irans Außenminister Abbas Araghtschi rief die USA am Freitag auf, in den
       Verhandlungen über ein Atomabkommen auf „übertriebene Forderungen“ zu
       verzichten. Welche Forderungen er meinte, sagte er nicht. Araghtschi hatte
       am Donnerstag in Genf an einer dritten Runde indirekter Atom-Gespräche mit
       den USA unter Vermittlung des Oman teilgenommen und anschließend wie der
       Oman von „Fortschritten“ gesprochen. Seinen Angaben zufolge sollen die
       Gespräche am Montag in Wien auf technischer Ebene fortgesetzt werden. Auch
       auf politischer Ebene könnten in der nächsten Woche weitere Gespräche
       stattfinden. Dies wurde von US-Seite nicht bestätigt.
       
       Während Teheran die indirekten Gespräche mit den USA thematisch auf das
       iranische Atomprogramm und die gegen den Iran verhängten Sanktionen
       beschränken will, verlangt Washington die inhaltliche Einbeziehung des
       iranischen Raketenprogramms und der Unterstützung Teherans für Milizen in
       der Nahost-Region wie die Hamas und die Hisbollah.
       
       Trump hatte am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation vor dem
       US-Kongress gesagt, dass Teheran an Raketen arbeite, welche die USA
       erreichen könnten. Teheran wies dies als „Lügen“ zurück. Offiziell haben
       die iranischen Raketen eine Reichweite von 2000 Kilometern, wodurch der
       Iran seinen Erzfeind Israel angreifen kann. Der wissenschaftliche Dienst
       des US-Kongresses schätzt sie hingegen auf rund 3000 Kilometer.
       
       US-Außenminister Marco Rubio sagte am Mittwoch, Teheran verweigere eine
       Diskussion über sein Raketenprogramm und das sei „ein großes Problem“.
       
       Teheran hat wiederholt erklärt, dass seine Raketen einzig der Verteidigung
       dienen. Im Juni hatten Israel und der Iran einen Zwölf-Tage-Krieg geführt,
       bei dem die USA an der Seite Israels eingriffen und mehrere iranische
       Atomanlagen bombardierten.
       
       ## UN-Experten melden Aktivität rund um iranisches Uran-Lager
       
       UN-Atominspektoren haben unterdessen auf Satellitenbildern Aktivitäten rund
       um ein unterirdisches Lager für umstrittene Bestände von hoch
       angereichertem Uran beobachtet. Das teilte der Chef der Internationalen
       Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, in einem neuen Bericht in Wien
       mit.
       
       Die IAEA könne dieses beinahe waffentauglichen Material nicht vor Ort
       überprüfen, weil Teheran dies nicht zulasse, hieß es in dem nicht
       öffentlichen Dokument, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Der Bericht
       wurde wenige Tage vor weiteren Verhandlungen in Wien fertiggestellt, die zu
       einer Einigung im Atomstreit zwischen Teheran und Washington führen sollen.
       
       Israel und die Vereinigten Staaten hatten [3][im vergangenen Juni eine
       Reihe von wichtigen Atomanlagen im Iran bombardiert], um zu verhindern,
       dass die Islamische Republik Atomwaffen herstellen kann. Seitdem hat der
       Iran keine IAEA-Inspektionen in den zerstörten Standorten zugelassen, sie
       sind nur mittels Satelliten im Blick der Experten.
       
       Deshalb könne die IAEA auch nicht überprüfen, ob der Iran die Herstellung
       von angereichertem Uran eingestellt habe, und wie viel Uran derzeit
       vorhanden sei, hieß es in dem Bericht. Es sei „unverzichtbar und dringend“,
       dass Teheran umfassende Inspektionen erlaube, schrieb Grossi.
       
       Die Behörde in Wien habe regelmäßige Aktivitäten von Fahrzeugen bei einem
       Zugang zu der Uran-Lagerstätte in Isfahan beobachtet, berichtete Grossi.
       Auch bei angegriffenen Anreicherungsanlagen seien Aktivitäten zu sehen,
       fügte er hinzu.
       
       Vor den Angriffen verfügte der Iran über rund 440 Kilogramm an Uran mit
       einem Reinheitsgrad von 60 Prozent – laut Fachleuten genug für mehrere
       Atomwaffen, falls das Material weiterverarbeitet würde. Verbleib und
       Zustand dieser Vorräte sind derzeit ungeklärt.
       
       27 Feb 2026
       
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