# taz.de -- Wieder Proteste in Iran: „Pajandeh Iran“ rufen die Studierenden
> An mehreren Universitäten gedenken junge Iraner ihren getöteten
> Kommilitonen. Daraus werden Proteste – und Rufe nach dem Sohn des
> gestürzten Schahs.
(IMG) Bild: Im Hintergrund eine Drohung an die USA: Straßenszene in Teheran am 17. Februar
Knapp zwei Monate nach dem ersten Ausbruch der Proteste in Iran wird an
neun Universitäten in Teheran und Maschhad am Wochenende erneut
demonstriert. Die Studierenden rufen Slogans wie „Lang lebe der Schah“ und
„Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren“ – ein Ruf nach
[1][Reza Pahlavi, im Exil lebender Sohn des gestürzten einstigen Schahs.]
Mehr als zwei Tagen halten die Proteste nun bereits an, unter anderem an
der Amir-Kabir-Universität für Technologie, der Universität Teheran und der
Medizinischen Universität Maschhad.
Nach der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen am 8. und 9. Januar
2026 war die iranische Gesellschaft zunächst in ein fassungsloses und
bedrücktes Schweigen versunken. Dann sendeten [2][große
Protestkundgebungen], die von Iranerinnen und Iranern im Ausland – [3][in
München], Los Angeles, Toronto und anderen Orten – organisiert wurden, an
die Menschen in Iran und an die internationale Gemeinschaft eine starke
Botschaft.
Einige Tage später, am vierzigsten Tag der Trauer um die Getöteten – einem
bedeutenden traditionellen persischen Gedenktag – [4][versammelten sich
trauernde Familien und Demonstranten auf den Friedhöfen]. Neben den Gräbern
der bei den Protesten Getöteten skandierten sie Parolen gegen die
Islamische Republik.
Nun also die Universitäten. Am 20. Februar 2026 – dem ersten Tag der
Wiedereröffnung der Universitäten nach den Protesten – zeigten Studierenden
auf einigen Campussen ihre Haltung. Die Demonstrationen, geprägt von
Parolen gegen den Obersten Führer der Islamischen Republik, Ali Chamenei,
eskalierten in Gewalt. Am zweiten Tag schlossen sich weitere Universitäten
den Protesten an.
## Ein Gedenkaltar für getötete Kommilitonen
Die taz konnte am Sonntag mit Studierenden zweier Hochschulen in Teheran
über die Proteste sprechen. Nach ihrem Bericht haben sich die Zusammenstöße
verschärft. Ihnen zufolge greifen Basidsch-Kräfte der Universität die
Studierenden an. Die hätten sich daraufhin verteidigt. Zwar gibt es bislang
keine bestätigten Berichte über Massenverhaftungen – doch lassen frühere
Muster vermuten, dass die Islamische Republik in den kommenden Tagen viele
Studierende festnehmen könnte.
Einer, der an den Protesten an seiner Universität in Teheran teilnimmt, ist
Hamed, 21 Jahre alt. In einer langen Sprachnachricht beschreibt er der taz
die Details der gestrigen Versammlung an seiner Universität. Laut Hamed
hatten die Studierenden zunächst friedlich einen Gedenkaltar für ihre
getöteten Kommilitonen errichtet. Sie hätten neben dem Schrein gestanden
und ruhig und leise gesungen. Dann seien die Basidsch-Kräfte der
Universität, die zu den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) gehören,
gekommen, hätten unter anderem „Allahu Akbar“ gerufen.
Was zunächst nur Gesänge zur Erinnerung an ihre gefallenen Freunde waren,
sei dann Protestrufen gewichen: Etwa [5][„Lang lebe der Schah“]. Hamed
sagt: Die Basidsch-Mitglieder hätten begonnen, die Gesichter der
protestierenden Studenten zu filmen. Sicherheitskräfte zeichnen
routinemäßig die Gesichter von Demonstranten auf, um sie identifizieren und
später verhaften zu können.
Hamed erzählt weiter: Die Basidsch hätten einen Studenten daran gehindert,
auf der Bühne eine Erklärung vorzulesen, und ihm gedroht, die
Revolutionsgarden seien bereits auf dem Weg, um ihn festzunehmen.
## „Lang lebe Iran“
Auch Armin, ein Student derselben Universität in Teheran, hat die Szene
miterlebt. Der taz schickt er dazu eine Sprachnachricht, sein Bericht deckt
sich mit dem von Hamed. Er ergänzt: Obwohl die Basidsch zahlenmäßig
deutlich unterlegen gewesen seien, hätten sie versucht, die Versammlung
durch Rufe und Provokationen zu einer physischen Auseinandersetzung
eskalieren zu lassen.
Armin sagt: Mindestens 500 Studenten hätten direkt im Innenhof der
Universität protestiert, viele weitere das Geschehen aus der Ferne
verfolgt. Auch er betont, „Pajandeh Iran“ („Lang lebe Iran“) und „Lang lebe
der Schah“ sei von den Demonstrierenden am meisten skandiert worden.
Auch Matin nahm an den Protesten teil. Der 24-Jährige ist quasi Veteran,
wurde während der [6][„Frau, Leben, Freiheit“-Proteste] inhaftiert. Er
studiert an einer anderen renommierten Universität in Teheran. Auch dort
wurde am Wochenende protestiert. In einer Sprachnachricht an die taz
erklärte er: Die Studierenden hätten die Versammlung am Vorabend über
Gruppen in sozialen Netzwerken koordiniert. Er sagt: Auch gegen das
klerikale Establishment, [7][linksgerichtete Fraktionen] und [8][die
sogenannten Volksmudschaheddedin] hätten sich die Rufe der Protestierenden
gerichtet.
Trotz all der Gewalt im Januar protestiert die iranische Gesellschaft
weiter – auf Friedhöfen und in Universitäten. Trotz wohl Zehntausenden
Toten und noch mehr Inhaftierten sind sie entschlossen: [9][Das Regime muss
weg].
Die Autorin war im Jahr 2024 [10][Stipendiatin des Refugium-Projekts der
taz Panter Stiftung] und Reporter ohne Grenzen.
22 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mahtab Qolizadeh
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