# taz.de -- Neues Gesetz zur Vaterschaft: Rechtlich, leiblich, unsicher
       
       > Der Bundestag regelt am Donnerstag die Anfechtung der Vaterschaft neu.
       > Dabei bleibt die Chance auf eine Drei-Eltern-Regelung ungenutzt.
       
 (IMG) Bild: Ein Mann kann (mit Zustimmung der Mutter) die Vaterschaft eines Kindes anerkennen, an dessen Zeugung er nicht beteiligt war
       
       Leibliche Väter sollen etwas bessere Chancen bekommen, auch rechtlicher
       Vater zu werden. Der Bundestag soll am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz
       beschließen und damit ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts umsetzen.
       
       Der leibliche Vater ist der Mann, der mit der Mutter gemeinsam durch
       Geschlechtsverkehr das Kind gezeugt hat. Er ist aber nur dann automatisch
       auch rechtlicher Vater, wenn er zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter
       verheiratet war oder wenn er mit Billigung der Mutter die Vaterschaft
       anerkannte.
       
       Es ist auch möglich, nur rechtlicher Vater zu sein, ohne das Kind gezeugt
       zu haben. So ist der Ehemann der Mutter der rechtliche Vater eines Kindes,
       das aus einem Seitensprung der Mutter stammt. Außerdem kann ein Mann (mit
       Zustimmung der Mutter) die Vaterschaft eines Kindes anerkennen, an dessen
       Zeugung er nicht beteiligt war.
       
       Die rechtliche Vaterschaft ist die Voraussetzung für ein gemeinsames
       Sorgerecht mit der Mutter. Der lediglich leibliche Vater hat nur ein
       Umgangsrecht mit seinem Kind, das heißt, er darf es gelegentlich treffen.
       
       ## Es hätte auch eine Drei-Eltern-Regelung geben können
       
       Im April 2024 forderte das Bundesverfassungsgericht eine Stärkung der
       leiblichen Väter im Recht der Vaterschaftsanfechtung. Damals ging es um
       einen Fall aus Sachsen-Anhalt. Eine Frau hatte mit ihrem Freund Tobias ein
       geplantes Kind gezeugt. Doch schon zwei Monate später trennte sich die
       Mutter von Tobias. Sie hatte einen neuen Freund Christian, der alsbald bei
       ihr einzog und nun seinerseits die Vaterschaft des Säuglings anerkannte.
       Freund Christian war jetzt der rechtliche Vater des Kindes.
       
       Der leibliche Vater Tobias versuchte die Vaterschaft des neuen Partners der
       Mutter anzufechten. Erfolglos, denn nach bisheriger Gesetzeslage konnte ein
       leiblicher Vater die Vaterschaft des rechtlichen Vaters nicht anfechten,
       wenn der rechtliche Vater eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind hat. Und
       Christian lebte nun mal mit der Mutter und dem Kind zusammen.
       
       Das Bundesverfassungsgericht erklärte diese alte Rechtslage für
       verfassungswidrig und forderte eine Neuregelung. Das Gericht gab dem
       Bundestag dabei großen Spielraum, [1][bis hin zur Einführung einer
       Drei-Eltern-Familie] mit einer Mutter und zwei Vätern.
       
       Die Bundesregierung hielt in ihrem Gesetzentwurf aber an der
       Zwei-Eltern-Familie fest und setzte die Vorgaben des Gerichts eher
       restriktiv um. So soll der leibliche Vater die Vaterschaft des rechtlichen
       Vaters, der mit der Mutter zusammenlebt, nur anfechten können, wenn er
       selbst eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind hat oder hatte oder sich
       ernsthaft darum bemühte.
       
       Ob der leibliche Vater dann den bisherigen rechtlichen Vater aus seiner
       Position verdrängt, soll das Familiengericht unter
       Kindeswohl-Gesichtspunkten entscheiden, so das neue Gesetz.
       
       ## Dauerhafter Schwebezustand für Kinder
       
       Wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert, soll der leibliche Vater später
       auch eine „zweite Chance“ der Anfechtung erhalten, falls die
       sozial-familiäre Beziehung des rechtlichen Vaters zum Kind endet. Die
       Bundesregierung ging sogar darüber hinaus und sah keine Obergrenze für
       solche Wiederaufnahme-Verfahren vor. Daran gab es aber bei einer Anhörung
       im Januar Kritik von Sachverständigen. Für die Kinder bringe dies einen
       dauerhaften rechtlichen Schwebezustand mit sich.
       
       Die schwarz-rote Koalition hat die Kritik teilweise aufgenommen. Je nach
       Alter des Kindes soll ein erneuter Wiederaufnahmeantrag erst nach zwei bis
       vier Jahren gestellt werden können.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Co-Parenting/!6151825
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christian Rath
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Väter
 (DIR) Väterrecht
 (DIR) Familie
 (DIR) Ehe und Familie
 (DIR) Kinder
 (DIR) Sorgerecht
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Familie
 (DIR) Debütfilm
 (DIR) Patchworkfamilie
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Co-Parenting: Zwei Mütter sind eine zu wenig
       
       Mo, Lene und Mareike wollen zu dritt ein Kind großziehen. Gleichberechtigt
       und bedürfnisorientiert. Klappt das im Alltag mit Baby?
       
 (DIR) Spielfilm „Paternal Leave“: Ciao Sehnsuchtsort
       
       In ihrem Debütfilm „Paternal Leave“ erzählt Alissa Jung von einer Tochter,
       die ihren unbekannten Vater sucht. Annäherung und Rückzug wechseln sich ab.
       
 (DIR) Die Freundschaftsfamilie: Co-Parenting
       
       Seit acht Jahren sind Teresa und Flo eng miteinander befreundet. Er ist
       schwul, sie single. Sie bekommen ein Kind. Wie sieht ihr Leben jetzt aus?