# taz.de -- Jugendhilfe in Halle unter Druck: „Blauer Elefant“ in Bedrängnis
> Halle an der Saale steckt in einer Haushaltskrise. Jugendhilfeprojekte
> bangen ums Überleben. Nun zeichnet sich zumindest eine kurzfristige
> Lösung ab.
(IMG) Bild: Nun soll es doch etwas Geld geben: Rutschpartie für Kinder, wie auf diesem halleschen Spielplatz
Deutlich mehr als 1.000 Menschen haben am Mittwochmittag in Halle an der
Saale dafür demonstriert, die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt finanziell
abzusichern. Derzeit stecken Dutzende freie Träger, die die Kinder- und
Jugendhilfe organisieren, in Schwierigkeiten. Die Stadt kämpft mit einer
Haushaltskrise und zahlt seit Jahresbeginn kein Geld mehr an die sozialen
Projekte. Da denen die Mittel ausgehen, drohen die freien Träger teilweise
schon damit, ab März Projekte zu schließen.
Nicht nur in Halle fehlt es der Stadtverwaltung an Geld. Deutschlandweit
verzeichnen Kommunen Defizite. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen
Städtetags, Christian Schuchardt, warnte in diesem Zusammenhang schon vor
Wochen, wenn Bund und Länder nicht unterstützten, müssten Städte ihre
Leistungen kürzen oder einstellen.
In Halle spielt sich die Haushaltskrise vor dem Kontext der anstehenden
Landtagswahl ab. Einzelne Fraktionen haben offenbar Sorge, durch zu harte
Einschnitte oder Steuererhöhungen Wähler:innen zu vergraulen. Die dabei
entstehende Hängepartie geht zulasten der freien Träger. Die Kinder- und
Jugendhilfe abzuschaffen, das fordert zwar keine Fraktion. Aber weil den
freien Trägern ein finanzielles Polster fehlt, sind sie trotzdem direkt
bedroht.
Ganz konkret geht es zum Beispiel um den „Blauen Elefanten“, eine
Einrichtung des Kinderschutzbundes in Halle. Gemeinsam kochen, im Garten
hinter dem Haus spielen, Beratung am Telefon, bislang habe man das aus
eigenen Mitteln gesichert. Aber ab dem 1. März sei das nicht mehr möglich,
erklärte Geschäftsführer Christian Kühne dem MDR.
## Stadt und Landesverwaltung widersprechen sich
Das Bündnis gegen rechts in Halle warnt vor den Folgen. Die extreme Rechte
in Sachsen-Anhalt erstarke seit Jahren, bei der Landtagswahl im September
könnte etwa die AfD den höchsten Stimmenanteil bekommen. Dabei versuchten
Akteure der extremen Rechten, auch Einfluss auf Jugendliche zu gewinnen.
„Wer Kinder- und Jugendeinrichtungen zur Disposition stellt, schafft
Erfolgsbedingungen für die extreme Rechte“, sagt Magdalena Gatz, Sprecherin
des Bündnisses.
Am Mittwoch empfingen Demonstrant:innen auf dem Markt bei blauem Himmel
und Sonnenschein die ankommenden Stadtratsmitglieder und den
Oberbürgermeister Alexander Vogt (parteilos). Ab 14 Uhr tagte der Stadtrat.
Dort gab Vogt eine überraschende Äußerung ab, aber dazu gleich mehr.
Der Stadtrat hatte zwar schon im Dezember einen Haushalt beschlossen, der
etwa 6 Millionen Euro für die freien Träger vorsah. Doch weil im Finanzplan
insgesamt mehr Ausgaben als Einnahmen standen, hat die
Kommunalaufsichtsbehörde, das Landesverwaltungsamt, ihn nicht genehmigt.
150 Millionen Euro fehlen. Nun muss die Stadt ein Konsolidierungskonzept
erarbeiten, das einen Weg aus der finanziellen Misere weist. Das soll bis
zum 25. März beschlossen und bis zum 15. April geprüft werden. Frühestens
danach wird der Haushalt genehmigt – zu spät für manche Träger.
Aber ohne genehmigten Haushalt könne man keine Leistungen zahlen, heißt es
von der Stadtverwaltung. Der Stadtjugendring, der zur Demonstration
aufgerufen hatte, sieht das anders. Laut der Vereinigung müsse die Stadt
bei der präventiven Jugendhilfe trotz Haushaltssperre zahlen. Zumindest
Abschläge, also einen Teil des Geldes, solle die Stadtverwaltung
herausgeben.
## Zumindest eine temporäre Lösung
Auf Anfrage der taz bekräftigte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch um kurz
vor elf Uhr, es sei „grundsätzlich nicht“ möglich, freien Trägern Abschläge
zu zahlen, solange der Haushalt noch nicht genehmigt ist. Die
Stadtverwaltung sei aber in ständigen Gesprächen mit dem kontrollierenden
Landesverwaltungsamt und den Stadtratsfraktionen.
Eine Viertelstunde später antwortete das Landesverwaltungsamt auf eine
Anfrage der taz, man wolle klarstellen: Die Kommune könne auch ohne
genehmigten Haushalt „notwendige und unaufschiebbare Ausgaben“ vornehmen.
Es sei Aufgabe der Verwaltung, „durch entsprechende Prioritätensetzung,
vorhandene Strukturen“ zu erhalten, soweit es die finanzielle
Leistungsfähigkeit zulasse.
Wenige Stunden später folgte dann die überraschende Aussage von
Oberbürgermeister Vogt. Er dürfe „ein Teilbudget freigeben“, erklärte er
vor dem Stadtrat. Dieses Teilbudget gelte für die Geschäftsbereiche
Bildung, Soziales, Sport und Kultur in den Monaten Januar bis Mai. Laut der
Stadtverwaltung könnten freie Träger somit nächste Woche Geld bekommen. Das
sei aber nur eine „temporäre Lösung“, betonte Vogt. „Es wird schmerzhafte
Einschnitte geben“, das sei allen klar.
25 Feb 2026
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(DIR) David Muschenich
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