# taz.de -- Ende der Waffenruhe in der DR Kongo: Der mysteriöse Tod von Oberst „Quickly Quickly“
> Kongos Regierungsarmee geht mit massiven Drohnenangriffen in die
> Offensive gegen die M23-Rebellen. Deren Militärsprecher Willy Ngoma wird
> getötet.
(IMG) Bild: Getötet: M23-Militärsprecher Willy Ngoma, hier in Ostkongos größter Stadt Goma wenige Tage nach dem M23-Einmarsch im Januar 2025
Gegen zwei Uhr morgens ging das Treffen des Oberkommandos der
kongolesischen Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) zu Ende.
[1][M23-Militärchef Sultani Makenga] hatte das Treffen in der Nacht zu
Dienstag auf einer Farm in den Masisi-Bergen im Osten der Demokratischen
Republik Kongo einberufen, tief im Rebellengebiet. Das große verlassene
Farmhaus von Kongos Armeegeneral Innocent Gahizi steht der M23-Führung zur
Verfügung. General Gahizi ist Tutsi und steht der Tutsi-geführten M23 nahe,
auch wenn der alte General selbst in den jüngsten Kriegen auf Seiten der
Regierungsarmee kämpfte. Nicht weit von seinem Farmhaus entfernt verläuft
die Frontlinie.
In der Nacht von Montag auf Dienstag hat Kongos Armee in Ostkongo an drei
Fronten gleichzeitig eine Offensive gegen die M23 gestartet. Kampfdrohnen
warfen über dem M23-Gebiet zahlreiche Bomben ab. Eine traf gegen 2.45 Uhr
am Dienstagfrüh das Farmhaus, wo das M23-Oberkommando getagt hatte.
Militärchef Makenga lag zu diesem Zeitpunkt nur rund 300 Meter entfernt in
seinem Zelt unter Bäumen. Der gestandene Krieger ist dafür bekannt, seine
Truppen an der Front selbst anzuführen. Er überlebte den Einschlag des
Geschosses im Farmhaus angeblich ohne einen Kratzer, so sagen es Beteiligte
der taz.
## Willy Ngoma, eine schillernde Figur
[2][M23-Militärsprecher Willy Ngoma] hingegen kam ums Leben. Er war nach
dem Treffen mit seinem Pick-up voller Leibwächter die kurvige Bergstraße in
Richtung der Minenstadt Rubaya unterwegs. An einer Stelle war die Straße so
matschig, dass der Geländewagen nicht durchkam. Just als Ngoma aus dem Auto
stieg, schlug eine Drohne ein. Der M23-Militärsprecher und seine sechs
Leibwächter starben.
Der 52-jährige Oberstleutnant gilt unter den M23-Rebellen als schillernde
Figur und steht auf den [3][Sanktionslisten der UNO] und [4][der EU].
Bekannt ist er dafür, dass er stets mehrere Telefone bei sich trägt, die
alle gleichzeitig klingeln, wenn ihn Journalisten aus der ganzen Welt
anrufen.
Vergangenes Jahr erhielt Ngoma in den eigenen Reihen den Spitznamen
„Quickly Quickly“ (Schnell Schnell), nachdem er die Ausreise von
rumänischen Söldnern aus dem Kriegsgebiet überwacht hatte. Sie hatten
[5][Kongos Armee ausgebildet] und wurden gefangengenommen, als die M23 im
Januar 2025 die Provinzhauptstadt Goma eroberte. [6][Die Rebellen brachten
sie an die Grenze zu Ruanda], von wo aus sie nach Hause ausgeflogen wurden.
„Quickly Quickly“, rief Ngoma den Rumänen zu, als sie ihre Rucksäcke
schulterten und im Laufschritt über die Grenze rennen mussten.
M23-Offiziere vermuten, dass Ngomas neues Telefon mit einer Tracking-App
ausgestattet war, das seine Standortkoordinaten unbemerkt an die
Regierungsarmee schickte.
## Kongos Regierung will die Coltanmine Rubaya
Eine weitere Drohne soll in Rubaya eingeschlagen sein. [7][In den Hügeln
rund um Rubaya] liegen enorme Reserven der strategisch wichtigen
Erzmischung Coltan. Aus dem Coltanerz wird das hitzebeständige Metall
Tantal gewonnen, welches für die Herstellung von Mobiltelefonen, Computern
und Rechenzentren weltweit gefragt ist.
Derzeit kontrollieren die M23-Rebellen Rubaya. Die dort geförderten
Rohstoffe werden laut UN-Ermittlern heimlich über die Grenzen ins
Nachbarland Ruanda geschmuggelt, welches die M23 militärisch unterstützt.
Im Zuge der Friedensverhandlungen zwischen Kongos Regierung, den
M23-Rebellen und Ruanda ist Rubaya zum Zankapfel geworden. Kongos Regierung
hat im Rahmen ihrer [8][„strategischen Partnerschaft“ mit den USA]
US-Firmen den Zugang zu allen wichtigen Mineralien zugesagt, darunter auch
das Coltan von Rubaya.
[9][Erik Prince], Gründer der ehemaligen US-Söldnerfirma Blackwater, hat im
vergangenen Jahr einen Vertrag mit Kongos Regierung geschlossen, im Wert
von 700 Millionen US-Dollar, um Kongos Minengebiete zu sichern und
Schmuggel zu bekämpfen. Ein Großteil der Söldner steht in Kongos
wichtigster Bergbauregion Katanga, weit weg vom Kriegsgebiet.
Einige sollen Kongos Armee jüngst geholfen haben, die ostkongolesische
Stadt Uvira an der Grenze zu Burundi zurückzuerobern. Laut Reuters haben
Söldner von Prince gemeinsam mit israelischen Militärausbildern zwei
Bataillone von [10][Kongos Spezialeinheiten ausgebildet], die im Januar
nach dem M23-Rückzug aus Uvira dorthin geschickt wurden.
Quellen, die die Verträge in Auszügen gesehen haben, bestätigen gegenüber
der taz, dass die Söldner von Prince – vor allem Lateinamerikaner – auch
die Rubaya-Minen sichern sollen, sobald diese unter Regierungskontrolle
seien. Prince-Personal soll auch in der Stadt Kisangani am Kongo
stationiert sein, um vom dortigen Flughafen aus Drohnenangriffe auf die M23
zu koordinieren.
## Waffenstillstand schon wieder vorbei
Anfang Februar zerstörte die M23 – womöglich mit ruandischer Hilfe –
[11][mit einem eigenen Drohnenangriff] das Drohnenkontrollzentrum. Fast
zwei Wochen lang war es seitdem still an den Frontlinien des Ostkongo.
Vergangenen Mittwoch trat gar [12][ein neuer Waffenstillstand] in Kraft.
Doch er hielt keine Woche.
Wäre die Drohne in den Masisi-Bergen eine Dreiviertelstunde früher
eingeschlagen, hätte sie womöglich das ganze M23-Oberkommando ausgelöscht.
Es ist das erste Mal in den zahlreichen Kongo-Kriegen, dass Drohnen zur
wichtigsten Waffe werden.
25 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gewalt-in-der-DR-Kongo/!6068270
(DIR) [2] https://fr.wikipedia.org/wiki/Willy_Ngoma
(DIR) [3] https://main.un.org/securitycouncil/en/content/willy-ngoma
(DIR) [4] https://data.europa.eu/apps/eusanctionstracker/subjects/146112
(DIR) [5] /Europaeische-Ausbilder-im-Kongo/!6048466
(DIR) [6] /Nach-dem-Rebellensieg-in-der-DR-Kongo/!6062352
(DIR) [7] /Bergbaukatastrophe-in-DR-Kongo/!6150298
(DIR) [8] /Frieden-zwischen-Kongo-und-Ruanda/!6135793
(DIR) [9] https://en.wikipedia.org/wiki/Erik_Prince
(DIR) [10] /Europaeische-Ausbilder-im-Kongo/!6048466
(DIR) [11] /Demokratische-Republik-Kongo/!6150902
(DIR) [12] /Waffenstillstand-in-der-DR-Kongo/!6155680
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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