# taz.de -- Demokratische Republik Kongo: Drohnenangriff überschattet neue Friedensgespräche
       
       > Regierung und Rebellen einigen sich auf Überwachung eines
       > Waffenstillstands. Zugleich gerät die wichtigste Luftwaffenbasis unter
       > Beschuss.
       
 (IMG) Bild: Bald wieder gebraucht? UN-Blauhelmsoldat im Januar 2022 in der Nähe des Rebellengebiets in der DR Kongo
       
       Wenn die Berichte stimmen, hat sich der Krieg im Osten der Demokratischen
       Republik Kongo zwischen der Regierung und der Rebellenkoalition AFC/M23
       (Allianz des Kongos/ Bewegung des 23. März) abrupt ausgeweitet. Acht
       Kamikaze-Drohnen seien erfolgreich abgewehrt worden, bevor sie am Flughafen
       der kongolesischen Millionenstadt Kisangani einschlagen konnten,
       [1][vermeldete die lokale Provinzregierung am Montag]. Kisangani liegt
       mehrere hundert Kilometer vom M23-Gebiet entfernt.
       
       Die mit Sprengstoff bestückten Kampfdrohnen seien in der Nacht von Samstag
       auf Sonntag beim Anflug auf den internationalen Flughafen außerhalb der
       Stadt abgefangen worden. Laut dem Sprecher der Provinzregierung
       reflektieren diese Angriffe „Ruandas Bestreben, die laufenden
       diplomatischen Bemühungen zu sabotieren“. Er fordert ein „entschiedeneres
       Vorgehen“ gegen Ruanda, das die M23-Rebellen unterstützt.
       
       Dass die Kampfdrohnen von Ruanda aus abgefeuert wurden, wurde bislang nicht
       bestätigt. Auch die M23-Rebellen im Osten der DR Kongo wollen sich dazu
       gegenüber der taz nicht äußern. Selbst Kongos Regierung in der Hauptstadt
       Kinshasa zeigt sich auffällig schweigsam.
       
       Der mutmaßliche Angriff auf den [2][Flughafen der Millionenstadt Kisangan]i
       muss jedoch als Warnschuss verstanden werden. Zwischen Ruandas Grenze und
       Kisangani am Ufer des Kongos tief im Inneren der gewaltigen DR Kongo liegen
       rund 500 Kilometer Luftlinie.
       
       ## Ausgangspunkt für Angriffe auf Rebellen
       
       Auf dem Flughafen von Kisangani sind seit rund einem Jahr die Kampfjets und
       Kampfdrohnen von Kongos Armee stationiert. Von dort aus fliegen
       kongolesische und algerische Piloten Angriffe auf M23-Stellungen im Osten
       des Landes. Dass dieses Militärarsenal ins Fadenkreuz feindlicher Angriffe
       gerät, wäre kein Zufall.
       
       Kein Zufall ist auch der Zeitpunkt der Angriffe. Seit Samstag verhandeln
       Kongos Regierung und AFC/M23 erneut in Katars Hauptstadt Doha, wo sie im
       vergangenen November [3][ein erstes Rahmenabkommen unterzeichnet] hatten.
       Katars Außenministerium, Mediator der Gespräche, gab am Montag bekannt,
       dass sich beide Seiten darauf geeinigt hätten, einer neutralen
       Beobachtermission zuzustimmen, die die Einhaltung eines Waffenstillstands
       überwachen soll.
       
       Das von Unterhändlern beider Seiten unterzeichnete Dokument liegt der taz
       vor. Demnach soll die Beobachtermission aus Vertretern der UN-Mission im
       Kongo, der Afrikanischen Union (AU) und der Regionalorganisation ICGLR
       (Internationale Konferenz der Großen Seen) bestehen und von jeweils drei
       Vertretern der M23 und Kongos Regierung begleitet werden. Als Erstes sollen
       sie in der ostkongolesischen Stadt Uvira stationiert werden, an der Grenze
       zu Burundi.
       
       ## Die Grenzstadt Uvira als Testfall
       
       Uvira war im Dezember [4][von der M23 eingenommen] worden, kurz nach der
       Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen den Präsidenten der DR
       Kongo und Ruanda in Washington unter Schirmherrschaft von US-Präsident
       Donald Trump. Der darin vereinbarte Waffenstillstand wurde nur wenige Tage
       später durch den Angriff auf Uvira wieder verletzt, was die US-Seite sehr
       verärgerte.
       
       Als die Rebellen im Januar auf Druck der USA hin [5][Uvira wieder räumten]
       und sich auf die umliegenden Hügel zurückzogen, forderten sie die
       Stationierung einer neutralen Truppe, um die Bevölkerung zu schützen. Dies
       geschah nicht. Lokale Milizen rückten ein, es kam zu Misshandlungen und
       Plünderungen. Die Lage in Uvira ist bis heute angespannt, trotz der
       Anwesenheit von kongolesischen Militäreinheiten.
       
       Eine neutrale Militärpräsenz könnte da Abhilfe leisten. Doch um diese auf
       die Beine zu stellen, benötigt es Zeit. Die neue Vereinbarung sieht eine
       Frist von 30 Tagen vor. Bis dahin sind noch viele Details zu klären – und
       Militärattacken auf strategische Ziele können Fakten schaffen.
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/GTshopo1/status/2018191703979544596
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Kisangani-Bangoka
 (DIR) [3] https://mofa.gov.qa/en/latest-articles/statements/signing-of-the-doha-framework-for-peace-between-the-government-of-the-democratic-republic-of-the-congo-and-the-congo-river-alliance-(m23-movement)
 (DIR) [4] /Kongos-Rebellen-erobern-weitere-Stadt/!6136909
 (DIR) [5] /Rueckzug-aus-eroberter-Stadt-in-DR-Kongo/!6146399
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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